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Brandschutz

Exponat einer Forschungskooperation beim „Innovationstag Mittelstand“ dabei

Ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderter Forschungsverbund von vorwiegend niedersächsischen Unternehmen mit der TU Braunschweig hat jetzt eine neuartige Hochleistungsbrandschutzbeschichtung für Holz und Holzwerkstoffe entwickelt. Das Verfahren, das in diesem Jahr noch auf dem Markt kommen soll, wird beim 16. Innovationstag Mittelstand am 1. Juli in Berlin demonstriert. Die „Vaterschaft“ für diese innovative Lösung haben das Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz der TU Braunschweig, den beiden Fraunhofer-Institute WKI und ICT und neun mittelständischen Unternehmen.

Laut Statistik bricht pro Wohnung bzw. Gebäude alle fünfzig Jahre ein Feuer aus, das zum Verlust von Sachwerten, Kulturgütern oder gar Menschenleben führen kann. Die Brandkatastrophe unlängst in einem polnischen Altenheim oder die Flammen, die 2004 aus der weltberühmten Amalia-Bibliothek in Weimar schlugen, sind Belege dafür. Im Gegensatz zu Beton oder Stahl hat das Baumaterial Holz bekanntlich den Nachteil, da es brennbar ist. Die Verwendung des ökologisch vorteilhaften, erneuerbaren Rohstoffs ist deshalb im mehrgeschossigen und verdichteten Wohnungsbau bislang nur eingeschränkt möglich. So dürfen tragende Bauteile zwar aus Holz sein, müssen aber vom Bauherren mit mindestens zwei Lagen unbrennbarer Gipskartonplatten aufwendig „verkapselt“ werden.

Grundlage für die neue Dämmschicht sind sogenannte keramisierende Elastomerschichten. Diese ursprünglich aus der Raumfahrttechnik stammenden Isolationsmaterialien werden nach dem neuen Verfahren als deckender oder transparenter Anstrich auf die Holzbauteile aufgetragen. Im Brandfall verwandeln sie sich in einen voluminösen „Teppich“ aus Kohlenstoff, der das Holz darunter isoliert, vor zu hoher Hitzeeinwirkung und damit Entzündung schützt. Die Aktivierung der Dämmschicht im Brandfall basiert auf einer Reihe temperaturabhängiger chemischer Reaktionen. Im Schutzanstrich wird zunächst eine Säure freigesetzt, die mit einem Kohlenstoffbildner reagiert. Parallel dazu setzt eine Gasreaktion ein, die zur Volumenvergrößerung der Beschichtung führt. Der isolierende Schaum erreicht eine Stärke von mehr als 4 Zentimetern und umschließt das entsprechende Holzteil vollständig. Dessen Entzündung wird um mindestens 30 Minuten hinausgezögert.

„Mit der Hochleistungs-Brandschutzbeschichtung ist eine vergleichbare Schutzwirkung wie mit Gipskartonplatten zu erzielen“, so Dr.-Ing. Björn Kampmeier von der TU Braunschweig. „Giftige Rauchgase werden reduziert, so dass Personen dem Feuer besser entkommen können“. Sie erweitere den Anwendungsbereich von Holz bei Bauprojekten deutlich. Auch in der Altbausanierung lasse sich durch nachträgliches Versiegeln von Holzbauteilen das Brandrisiko erheblich mindern. Stets bleibe dabei die natürliche Anmutung des Holzes erhalten.

Besonders vorteilhaft ist der Einsatz der Hochleistungs-Brandschutzbeschichtung als Entzündungsschutz bei Großprojekten mit hohem Vorfertigungsgrad. Neben Systemen für Außenwände und Verkleidungen sollen künftig auch Beschichtungen für den Innenbereich produziert werden. Transparent wie ein Möbellack aufgebracht, können damit z. B. Verkleidungen, Fußbodenbeläge oder Treppen im Brandfall vor einer Entzündung geschützt werden.

Das Hochleistungs-Brandschutzsystem ist eines von mehr als 160 Top-Lösungen beim 16. Innovationstag Mittelstand des BMWi am 1. Juli in Berlin, mit denen Mittelständler ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern und einen strategischen Beitrag für mehr Umsatz und Beschäftigung leisten.

Weitere Informationen: www.zim-bmwi.de, www.ibmb.tu-bs.de

(Redaktion)


 


 

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