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China-Experte Tobias Busch

"Immigranten sind in der Liste der Wirtschaftsgrößen nicht existent"

Ein starker Akzent ist nicht gleichbedeutend mit Hilfebedürftigkeit

business-on.de: Wo wir gerade beim Thema Chancen sind: Ausländische High Potentials haben in Deutschland häufig keine Aufstiegschancen. Wo sehen Sie als China-Experte im Bereich Recruiting die Probleme der Deutschen mit Ausländern als Vorgesetzte?

Tobias Busch: Die großen Einwanderungswellen in die Bundesrepublik wurden in der Vergangenheit politisch nicht als solche definiert: weder die „Gastarbeiteranwerbung“ in den 1960ern und 1970ern, noch die „Rückkehr“ der Russlanddeutschen in den 1980er Jahren oder die verschiedenen Asylantenströme der letzten Jahrzehnte.

Dadurch hat es auch nie eine Auswahl, noch nicht einmal eine Aufstellung von Wunschkriterien und Erwartungen gegeben. Die Deutschen konnten bisher kein Bewusstsein dafür entwickeln, welchen Wert Zuwanderer für die Entwicklung und Dynamik der Volkswirtschaft haben können.

Im Ergebnis werden die Migranten in Deutschland eher als Hilfsbedürftige denn als Motoren der wirtschaftlichen Dynamik wahrgenommen. Und Hilfsbedürftigen gibt man Arbeit und man freut sich, wenn diese gut gemacht wird. Man macht sie aber nicht zu Vorgesetzten und erwartet schon gar keine komplizierten Problemlösungen von ihnen.

Deshalb ist es in Deutschland noch immer die absolute Ausnahme, dass Menschen ohne perfekte Sprachkenntnisse in höhere Positionen befördert werden. Weil ein starker Akzent und eine fehlerhafte Grammatik das Signal der Hilfsbedürftigkeit senden.

business-on.de: Für die kommenden Jahre wird Einwanderungsboom prognostiziert. Was müssen wir  ändern, um dies als Chance für den wirtschaftlichen Aufschwung zu nutzen?

Tobias Busch: Historisch begründet sind die Deutschen im Umgang mit Immigranten nicht besonders gut. Daher gibt es derzeit noch viel Verbesserungspotential, viel Luft nach oben. Investitionen lohnen sich aber in diesem Bereich. Ein Blick auf die USA zeigt, dass dort jede zweite wirtschaftliche Erfolgsgeschichte mit einem Immigranten verbunden ist – man denke nur an Ebay, Amazon und Google.

In Deutschland feiern Immigranten bisher allerdings nur im Sport, in der Kunst und in den Medien große Erfolge. In der Liste der Wirtschaftsgrößen sind sie nahezu nicht existent.

Um vom kommenden Einwanderungsboom zu profitieren, müssen wir ehrlicher mit unseren Motiven umgehen und diese auch offen kommunizieren: Menschen, die nicht die Kraft, die Energie und den Willen haben, sich an die Verhältnisse und die Anforderungen der deutschen Gesellschaft anzupassen, sind als Einwanderer von der großen Mehrheit der Deutschen nicht erwünscht. Für sie mag es im Einzelfall über die Asylgesetze oder aus humanitären Gründen einen Weg nach Deutschland geben, aber wirtschaftlich sind sie eine Belastung und kein Gewinn. Wenn das klar kommuniziert wird, ist ein erster Schritt getan.

Der zweite ist ein Auswahlverfahren, das ohne bürokratische Auswüchse eine Balance zwischen den berechtigten Interessen der Herkunftsländer und den deutschen Interessen herstellt und für die Menschen transparent ist.

Wenn wir es dann noch schaffen, in Deutschland eine Willkommenskultur anzusiedeln, können wir uns unter vielen Interessenten die am besten geeigneten aussuchen. Die dann als Leistungsträger auch für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland sorgen.

(FN)


 


 

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