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Willkommen in der Wolke

Das Zeitalter des Cloud-Computings beginnt

Auf der Welt gibt es nur fünf wirkliche Computer − so zumindest scherzte kürzlich Prabhakar Raghavan, der Forschungschef bei Yahoo. Diese mysteriösen Rechner kann er auch gleich mit Namen benennen. Sie heißen Amazon, Google, Microsoft, IBM und Yahoo.

Die Äußerung Prabhakars bezieht sich auf die digitale Infrastruktur der Unternehmen: Keine anderen Firmen besitzen und betreiben größere Netze von Servern, die weltweit miteinander kommunizieren und Webinhalte verwalten. Doch das alleine macht sie noch nicht zu einem Supercomputer − die Rechenkraft muss gebündelt werden.

Das Zauberwort, welches dies möglich macht, heißt „ Cloud Computing “. Der im Jahre 2007 geprägte Begriff ist leicht erklärt: Anstatt das ein einzelner Rechner sich an einer Aufgabe alleine abrackert, werden die Prozesse auf ein riesiges Heer von Computer aufgeteilt – einer Rechner-Wolke. Diese ist in der Lage, selbst anspruchsvollste Aufgaben schnell abzuarbeiten − DNA-Sequenzierung oder die Abfrage von massiven Datenmengen aus dem Internet sind dabei nur zwei der denkbaren Aufgabenfelder.

Ein ähnliches Prinzip ist schon seit einigen Jahren unter dem Namen des „Grid-Computing“ bekannt. Auch hierbei werden aufwendige Anfragen auf ein Netz von Servern aufgeteilt.

Wie beispielsweise bei dem SE TI-Projekt: Bei der Suche nach außerirdischem Leben analysiert man seit Jahren Daten die aus dem All zu der Erden dringen auf der Suche nach künstlich erzeugten Mustern, mit der Hoffnung einst die Frequenzen außerirdischer TV-Programme oder Telekommunikation zu finden. Das Problem dabei: Die empfangenen Datenmengen sind so gewaltig, dass selbst moderne Supercomputer heillos überfordert sind. Daher entstand die Idee, sich die Vielzahl der Heimcomputer von Privatpersonen nutzbar zu machen. Auf der Seite des Projekts steht seitdem eine Applikation zum Download bereit, die, einmal installiert, Datenpakete aus dem Internet empfängt und diese, in der Zeit, in dem der Besitzer den PC nicht nutzt, auswertet. So entstand ein eindrucksvolles Netzwerk mit einer enormen Rechenleistung.

Der wesentliche Unterschied liegt in der Größenordnung

Der wesentliche Unterschied des Grid- zu dem Cloud-Computing liegt in der Größenordnung. Die von Prabhakar Raghavan genannten Unternehmen bestehen nicht aus tausenden sondern aus hunderttausenden von Rechnern. Und auch ein zweiter Aspekt spielt eine bedeutenden Rolle: die Kommerzialisierung dieser Rechenkraft.

Damit solche Unternehmen in den Genuss der Vorzüge einer Rechner- Wolke kommen, müssen sie sich eine solche leihen. Amazon betreibt bereits die „Elastic Computing Cloud“ kurz „EC2“ genannt. Das Netz des Internetversandhauses bearbeitet eingesandte Daten, wie beispielsweise Anfragen von Finanzdienstleistern für günstige 10 US -Cent pro Stunde plus 13 bis 18 Cents pro übertragenes Gigabyte. Auch den dazu nötigen Speicher- Service, um große Datenmengen in der Cloud abzulegen, bietet Amazon unter dem Namen „Simple Storage Solution“ (kurz „S3“) an.

IBM zog nach und startete vor kurzem die „Blue Cloud“. Einem Angebot, bestehend an Soft- und Hardware, mit der große Unternehmen die eigenen Server-Massen zu einer Cloud bündeln können, um damit aufwendigen Aufgaben zeitgerecht Herr zu werden. Für kleinere Unternehmen taugt das Angebot allerdings nicht – sie verfügen über zu wenige Server, um eine leistungsfähige Wolke zu bilden.

Geht es nach IBM und Google, werden Dank der Technologie größere Rechenzentren der Vergangenheit angehören. Unternehmen müssten sich nicht mehr selbst eine hauseigene Serverfarm zulegen, die benötigte Hardware wäre irgendwo in der Welt verteilt.

Noch ist das Angebot an Anwendungsmöglichkeiten beschränkt, dennoch kann in den nächsten Jahren mit einem enormen Zuwachs gerechnet werden – auch durch die neuen Möglichkeiten der Multi-core-Rechner, wird das Leistungspotential weiter anwachsen. Damit sich diese Vision auch realisiert, haben die beiden Konzerne ihre Potenziale zusammengelegt und die „Academic Cluster Computing Initiative“ gegründet. Ziel dieser Initiative ist es, Informatik Studenten mit dem Prinzip der hochgradig parallelisierten Computersysteme vertraut zu machen und den Zukunftstrend der parallelisierten Programmierung zu fördern, so ein Firmensprecher von IBM. Zeitgleich stellte IBM seine Open-Source-Plattform „Hadoop“ vor, auf der Software für das Cloud-Computing entwickelt werden soll. Darüber hinaus gibt es innerhalb der IBM „Innovation Factory“ ein Online Forum, das sich ausschließlich mit der Thematik beschäftigt. Google hingegen bietet online gratis Vorlesungen zu dem Thema an. Insgesamt wollen die beiden Firmen in nächster Zeit zusammen rund 50 Millionen US -Dollar investieren.


 


 

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