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Familienunternehmen Grünenthal

Weitere 50 Millionen Euro für Contergan-Geschädigte

Das Aachener Familienunternehmen Grünenthal wird der Conterganstiftung für behinderte Menschen weitere 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das Geld solle in mehreren Schritten eingezahlt werden, teilte der geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Wirtz am Donnerstag in Aachen mit. «Darüber hinaus werden wir uns dafür einsetzen, dass die medizinische Versorgung der Betroffenen sichergestellt bleibt», betonte Wirtz.

Die rund 2800 in Deutschland lebenden Opfer seien heute älter als 50 Jahre, sagte Wirtz der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Donnerstagausgabe). Als Erwachsene benötigten sie wegen der Spätfolgen beispielsweise für Rücken und Gelenke mehr Hilfe und medizinische Versorgung, als mit den derzeitigen Rentenzahlungen finanzierbar sei.

Mit dem Betrag soll laut Wirtz ein schon in der Stiftung vorhandener Kapitalstock verdoppelt werden, aus dem Betroffene eine jährliche Barzahlung erhalten. Da die Bundesregierung zum 1. Juli zugleich eine Verdoppelung der Renten von bisher monatlich maximal 545 Euro auf den Weg gebracht hat, dürften die Empfänger künftig um bis zu 15 000 Euro besser dastehen als bisher.

Der Contergan-Skandal war einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Beruhigungsmittel kam am 1. Oktober 1957 auf den Markt und verursachte Missbildungen bei Neugeborenen. Das zunächst rezeptfreie Medikament der Firma Grünenthal wurde gezielt Schwangeren empfohlen, da es als ungefährlich galt. Der Wirkstoff Thalidomid führte jedoch zu schweren Fehlbildungen wie dem Fehlen von Gliedmaßen und Organen.

Am 27. November 1961 wurde das Schlafmittel nach öffentlichem Druck vom Markt genommen. Nach Informationen des Bundesverbands Contergangeschädigter kamen insgesamt etwa 5000 contergangeschädigte Kinder zur Welt.

Das Hauptverfahren vor dem Landgericht Aachen gegen Verantwortliche der Firma Grünenthal endete im Dezember 1970 mit der Einstellung wegen geringfügiger Schuld und mangelndem öffentlichen Interesse. Das Unternehmen zahlte an contergangeschädigte Opfer insgesamt rund 100 Millionen Mark.

Der Contergan-Skandal führte in einem langjährigen Gesetzgebungsverfahren zum Arzneimittelgesetz von 1976. Der Wirkstoff Thalidomid wird heute bei der Behandlung von Lepra und dem Myelodysplastischen Syndrom (MDS) eingesetzt.

(Redaktion)


 


 

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