Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Aktuell Recht & Steuern
Weitere Artikel
Gesellschafterdarlehen

Darlehensverzicht als Werbungskosten abzugsfähig?

Die Hingabe eines Darlehens an die GmbH durch einen Gesellschafter-Geschäftsführer und ein eventueller späterer Darlehensverzicht sind regelmäßig durch die Gesellschafterstellung des Darlehensgebers bedingt mit der Folge, dass ein Darlehensverlust nicht als Werbungskosten abzugsfähig ist. Es kann allerdings auch anders sein, wie der folgende Fall zeigt.

A war einer von mehreren Geschäftsführern der X-GmbH und mit 4,6 Prozent an dieser beteiligt. Im November 2000 beabsichtigte die X-GmbH den Gang an die Börse und forderte daher ihre Gesellschafter zur Darlehensgewährung auf.

Der Börsengang scheiterte. Da die X-GmbH dennoch Kapital benötigte, verlangten die Großgesellschafter von den Kleingesellschaftern, auf ihre Darlehen zu verzichten, da sonst Insolvenz und Verlust der Arbeitsplätze drohten.

A verzichtete daher im März 2001 auf seinen Rückzahlungsanspruch gegenüber der X-GmbH über 160.000 DM. Diesen Betrag machte er 2001 als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit geltend. Dies begründete er damit, er habe den Verzicht zur Rettung seines Arbeitsplatzes erklärt.

Das Finanzamt verweigerte den Werbungskostenabzug, da der Darlehensverzicht durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst gewesen sei. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.

Der BFH hob das erstinstanzliche Urteil auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung an das Finanzgericht zurück. In Übereinstimmung mit dem Finanzgericht geht der BFH davon aus, dass die Darlehensgewährung als durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst anzusehen ist.

(!) Allerdings vertritt der BFH – im Gegensatz zum Finanzgericht – die Auffassung, dass der Verzicht auf die Rückzahlung des Darlehens eine weitere, selbstständig zu würdigende Finanzierungsmaßnahme darstellt, die nicht zwingend auf den gleichen Motiven beruhen muss wie die vorangegangene Darlehensgewährung. Der Verzicht kann auch durch das Arbeitsverhältnis veranlasst gewesen sein.

Zur erneuten Prüfung der Rechtslage hat der BFH die Sache an das Finanzgericht zurückverwiesen. Der BFH weist ausdrücklich auf die naheliegende Möglichkeit hin, dass A den Verzicht zur Sicherung seines Arbeitsplatzes ausgesprochen haben könnte. Sollte das der Fall sein, muss das Gericht den Wert der Darlehensforderung im Zeitpunkt des Verzichts feststellen. Denn nur in dieser Höhe können A abziehbare Werbungskosten entstanden sein.

BFH, Urteil vom 25.11.2010, Az. VI R 34/08, DB 2011, S. 393

(VSRW-Verlag)


 


 

Verzicht
Darlehensforderung
Darlehensverzicht
BFH
X-GmbH
Finanzgericht
Darlehensverzicht
Arbeitsplatzes
Darlehen

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Gesellschafter" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: