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Kriminalbeamte fordern «Datenfahnder»

(ddp-nrw). Nach dem massenhaften Verkauf von Bankdaten Tausender Bundesbürger fordern Politiker und Verbraucherschützer einen verbesserten Schutz gegen Datenmissbrauch. Die Grünen-Innenexpertin Silke Stokar sprach sich am Mittwoch in Berlin für ein grundsätzliches Verbot des Handels mit persönlichen Daten aus. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte den Einsatz von «Datenfahndern» nach dem Modell der Steuerfahndung. Verbraucherschützer mahnten jedoch auch die Bundesbürger selbst zu einem sorgfältigeren Umfang mit sensiblen Daten.

Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war Anfang der Woche eine CD mit den Datensätzen von 17 000 Bundesbürgern anonym zugespielt worden. Neben Namen, Geburtsdaten, Telefonnummern und Adressen sollen darunter auch die kompletten Bankdaten gewesen sein. Nach Angaben der Verbraucherschützer soll eine Firma aus dem nordrhein-westfälischen Viersen die Daten an andere Unternehmen weiterverkauft haben. Mit Hilfe der Informationen sollen Callcenter Kontakt zu den Kunden aufgenommen und anschließend unerlaubte Abbuchungen von deren Konten vorgenommen haben.

 

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt inzwischen gegen die Viersener Firma wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz. Am Dienstagabend sei das Firmengelände durchsucht worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das dabei sichergestellte «umfangreiche Material» müsse nun ausgewertet werden.

 

 

Der Deutsche Dialogmarketingverband (DDV) erstattete zusätzlich am Mittwoch Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach. Man lege großen Wert darauf, die «Ermittlungen auf ausnahmslos alle Unternehmen zu erstrecken, die in die branchenschädlichen und rechtswidrigen Machenschaften verwickelt» seien, erklärte der Verband.

Der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen sagte, der Handel mit persönlichen Daten sei «ein Milliardengeschäft, in dem es offenbar mafiöse Strukturen gibt«. Dieser »Sumpf« lasse sich nur trockenlegen, wenn regelmäßig Datenfahnder in Unternehmen geschickt würden, um den Umgang mit Kundendaten zu kontrollieren. Außerdem müssten Sanktionen bei Datenschutz-Verstößen drastisch verschärft werden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar, warf den deutschen Banken vor, häufig nicht die Plausibilität von Abbuchungen zu überprüfen und sich keine Ermächtigungen vorlegen zu lassen. Deshalb gebe es eine «riesige Grauzone von Abbuchungen, die unrechtmäßig erfolgen». Zugleich forderte Schaar die Geldinstitute auf, andere Kunden zu warnen, wenn bereits Beschwerden vorlägen.

Der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, mahnte jedoch auch die Verbraucher, zurückhaltender mit ihren Daten umgehen. »Wir müssen und sollten hier sorgfältiger werden und nicht jedem, der uns das Goldene vom Himmel verspricht, im Gegenzug die wertvollen Daten geben«, sagte der Verbraucherschützer.

 

Die Verbraucherzentrale Berlin warnte unterdessen vor Trittbrettfahrern, die sich als vermeintliche Verbraucherschützer tarnten, die umgehende Angst vor Datenmissbrauch nutzen und gegen Zahlung einer einmaligen Gebühr den Verbrauchern Schutz vor Datenhandel anbieten könnten. Bereits im Juni sei eine Firma aus diesem Grund abgemahnt worden.

 

 

(Quellen: Jansen in der »Neuen Osnabrücker Zeitung«, Billen im Deutschlandfunk, Stokar, DDV und Verbraucherzentrale Berlin in Mitteilungen, Staatsanwaltschaft auf Anfrage, Schaar in der «Süddeutschen Zeitung»)

(Redaktion)


 


 

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