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Gründungskredit

Der Hürdenlauf zur Kreditvergabe bei der Hausbank

Irrtum 4: Der Banker nennt sich Firmenkundenbetreuer

Der Banker ist ein Verkäufer und kein Betreuer ihres Unternehmens. Haben Sie schon mal ein Gespräch mit einem Banker geführt, in dem nicht das Thema Lebensversicherung, Sparbriefe, Investmentfonds, Bausparvertrag, etc. angesprochen wurde? Das Ziel dieser Gespräche ist der Abschluss eines Vertrages. Und dann bekommt dieser Verkäufer, nein es muss heißen Firmenkundenbetreuer, seine (verdiente) Provision, die er ganz altruistisch an seinem Arbeitgeber abführt. Schließlich ist er ja auch derjenige, der dem angestellten Banker Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub mit Anspruch auf Frühbucherrabatt ermöglicht.

Denken Sie daran, dass der Banker nicht ihre unternehmerischen Aktivitäten betreut, sondern nur auf ihr Geld bzw. auf die planmäßigen Rückzahlungen ihrer Verbindlichkeiten aufpasst.

Der Banker ist per se gar nicht in der Lage zu überprüfen, ob Sie ein „guter“ oder schlechter Gründern/Unternehmer sind. Er will nur eines wissen:Kann dieser homo oeconomicus jederzeit seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen?

in dubio pro reo

Nun muss man die Banker aber auch verstehen. Jeder Angestellter einer Bank wäre ein schlechter, wenn er nicht die eigenen Kredite verkauft, sondern die staatlichen zinsgünstigen Kredite, z. B. StartGeld der KfW-Mittelstandsbank, bei denen die Hausbanken – nach ihren Aussagen - wenig verdienen. Eine Bank ist ein Unternehmen wie jedes andere, dessen Produkt das Geld-Verleihen ist. Warum sollte ein Unternehmen freiwillig schlechte Geschäfte machen? Würden Sie das als Gründer etwa wollen?

Irrtum 5: Unternehmensberater sind Diebe - erst klauen Sie einem die Uhr, und dann sagen Sie einem für viel Geld, wie spät es ist

Gut Rat muss nicht teuer sein – Ratlosigkeit um so mehr

Eine Studie der KfW hat ergeben, dass sich Gründer oft keine qualifizierte Beratung aufsuchen, sondern in erster Linie Freunde und Verwandte. Menschen also, die i.d.R. nicht selbstständig sind und sie vermeintlich scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Können diese Menschen überhaupt eine neutrale Rolle einnehmen und konstruktiv Ratschläge geben?

Beratungsresistenz ist gerade bei Gründern weit verbreitet, weil sie ihren Beratungsbedarf falsch einschätzen. Unternehmensberater genießen z.T. keinen guten Ruf, was zum einem davon kommt, dass der Titel Unternehmensberater nicht rechtlich geschützt ist und sich jeder zum Unternehmensberater berufende so nennen kann.

Doch was nützen rechtliche Titel? Wäre dann eine gute Beratungsarbeit gesichert?

Ist es nicht wie in allen Lebenslagen so, dass man gute Fachleute (Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte, Handwerker, Schneider, etc.) durch Empfehlungen von Bekannten finden wird? Und sollte nicht zuletzt jeder Selbstständige ein feines Gespür haben, ob ein gefundener Fachmann auch wirklich der Geeignete ist für die Sicherung der eigene Existenz ist?

Der Unternehmensberater hilft dem Gründer bereits vor der Gründung, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Während in der Phase der Ideenfindung noch reine Informationen genügen, setzt spätestens in der Planungs- und Gründungsphase die Ratlosigkeit ein, da hier viele Gründer auf Probleme stoßen, die sie im Vorfeld der Gründung nicht kannten, vernachlässigten oder deren Existenz sie kaum voraussehen konnten bzw. wollten.

Die Ziele einer Gründungsberatung sind:

· Möglichkeiten aufzuzeigen, das Vorhaben unter Einbeziehung öffentlicher, somit zinsgünstiger Fördermittel zu finanzieren.
· Verbesserung der geplanten Marktstrategien. Dem Gründer soll insbesondere geholfen werden, seine Marktlücke zu finden
· Maßnahmen vorzuschlagen, die dem Gründer rechtzeitig Informationen liefern, welche ihm helfen, Fehlentscheidungen zu erkennen und zu vermeiden.

Existenzgründer schaffen im Schnitt 3-4 Arbeitsplätze. Ein Garant für die Erhaltung dieser kann die Förderung von Existenzgründung sberatungen sein. Deshalb bezuschusst der Bund Beratungen zur Existenzgründung und -sicherung.

Das Förderprogramm des Bundes sieht drei Möglichkeiten vor:

  1. Existenzgründungsberatung vor der Gründung: Der Zuschuss beträgt 50 % der Beratungskosten, maximal 1.500 Euro.
  2. Existenzaufbauberatung nach der Gründung. Zusätzlich können innerhalb von zwei Jahren nach der Gründung Zuschüsse in Höhe von 50 % der Beratungskosten, maximal 1.500 Euro gewährt werden.
  3. Weitere Beratung: Nach diesen zwei Jahren hat das bestehende Unternehmen auch weiterhin die Möglichkeit, Zuschüsse für Beratungen zu beantragen. Der Zuschuss beträgt hier 40 % der Kosten, maximal 1.500 Euro. Innerhalb der Förderrichtlinien werden auch Zuschüsse für mehrere Beratungen gewährt, höchstens aber 3.000 Euro, wenn diese zeitlich und thematisch voneinander getrennt und in sich abgeschlossen sind.

Gefördert werden nur Beratungen, die von selbstständigen Beratern oder Beratungsunternehmen durchgeführt werden, deren Umsatz zu über 50 % über Unternehmensberatungen erzielt wird. Einzelheiten sind auf der Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhr zu entnehmen:

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
Frankfurter Str. 29
35 65760 Eschborn
E-Mail: [email protected]
Internet: www.bafa.de

Fazit:
Für die Erstellung eines Business- und Finanzplanes sollte externer Rat zu Hilfe genommen werden. Die Begleitung der Konzeption durch einen spezialisierten Unternehmensberater deckt Schwachstellen in der Planung auf und erhöht somit die Chance, überhaupt Fremdkapital für das Vorhaben zu erhalten. Das Gründungs- bzw. Investitionskonzept für die Finanzierung ermöglicht eine Aussage über die Erfolgsaussichten des Unternehmens als Vollexistenz. Das Fehlen oder die Nichtinanspruchnahme einer individuellen Beratungsmöglichkeit kann somit schwerwiegende, existenzbedrohliche Folgen haben. In der gewerblichen Wirtschaft scheitert nachweislich die Hälfte aller Neugründungen innerhalb der ersten 5 Jahre, während von denjenigen Gründern, die eine professionelle, qualifizierte Existenzgründungsberatung in Anspruch genommen haben, 90 % ihr Ziel erreicht haben. (Quelle KfW und Creditreform)

Um in den Genuss von zinsgünstigen Gründungskrediten zu kommen, sollten für die Bankgespräch abschließend folgende Ratschläge befolgt werden:
1. Treten Sie nie als Bittsteller auf. Nehmen Sie keine unterwürfige, devote Rolle ein. Das Kreditgespräch sollte als Verkaufs- und Verhandlungsgespräch geführt werden. Es ist das Geschäft der Banken, Geld zu verleihen.
2. Nehmen Sie Ihren Gründungsberater mit zum Gespräch. Teilen Sie dem Banker mit, dass Sie bei der Gründungsplanung unterstützt worden sind. Das freut den Bankangestellten. Er braucht dann den Finanzplan nicht zu kontrollieren, weil er weiß, dass dieser Teil nicht von einem Laien „ausgefüllt“ worden ist. Der Beratungsbericht könnte also den „Weg frei machen“. Die Bank wird in Gegenwart des Beraters auch nicht versuchen, Ihnen einen hauseigenen Bankkredit aufbürden zu wollen.
3. Je besser und sorgfältiger Ihr Geschäftskonzept ausgearbeitet worden ist und je kompetenter Sie Ihre fachlichen Qualifikationen vortragen können, desto eher können Sie den Banker überzeugen, Ihnen den gewünschten Kredit zu gewähren.

Entscheiden muss letztendlich jeder einzelne, ob er eine individuelle Beratung benötigt, um die Hürden auf dem Weg zur Existenzgründung zu meistern.

(Markus Hübner)


 


 

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1 Kommentar

von Jacky2605
07.08.15 23:57 Uhr
Gründungsfinanzierung

Ich habe es noch nicht in Freundeskreis erlebt das Banken moralisch die Sachen Prüfen und an NRW bzw Kwf Bank weitergeben. Daher ist das ganze ernstlich in Zweifel zu stellen. Hausbanken haben eigene Interesse, wollen gar keine Risiken tragen und sind nicht an Existenzgrundung Finanzierung Interessiert. Die wenige die es doch tuen machen es nur um nach Aussen zu täuschen. Eine direkte Chance bei eine Direkt Bank hat ein Grunder nicht da die Banken ohne hin Selektieren und ablehnen. Finanzierung bekommen nur Grunder die das Immobilie haben oder die Summe als Sicherheit hinterlegt haben (Bausparvertrag, Lebensversicherung etc.). Eine derzeitige Regelung ist unmoralisch und unvertrettbar. Es werden Projekte gefordert die Wahnsinnig unrealistisch sind und die nachweisslich den ganzen Mittelstand zerstören wobei mann ein familiäres Vorhaben als "Asozial" kennzeichnet. Aller Achtunag an alle die dazu beigetragen haben. Ein Ende ist in Sicht und das Sytem der auf Spekulationen baut ist kurz vor ende. Das ist nur eine Frage des Moments.

 

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