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Verkehr

Bei der Bahn zeichnen sich keine Verbesserungen ab

(ddp-nrw). Überfüllte Züge, häufige Verspätungen und hohe Preise - beim Nahverkehr der Deutschen Bahn (DB) zeichnen sich in NRW keine Verbesserungen ab. Nötig sei beim Land «endlich ganz massives Tempo» bei der Realisierung des Rhein-Ruhr-Express (RRX), fordert der Verkehrsexperte der Grünen-Landtagsfraktion, Horst Becker. Der Politiker ist selber Bahnfahrer und weiß, dass ein neuer, schneller Nahverkehrszug zwischen Köln und Dortmund dringend gebraucht wird. Das Land habe den Zug bis 2015 versprochen. Nun müsse das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, so Becker.

Derzeit arbeite man noch an der «Vorentwurfsplanung», sagt eine Sprecherin von Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU). Nach dem Scheitern des Metrorapids im Jahr 2003 hatten die damalige rot-grüne Landesregierung und die Bahn bereits zur Fußball-WM 2006 einen schnellen Nahverkehrszug in Aussicht gestellt. Unter dem Namen Metroexpress und später RRX wurden diese Vorschläge debattiert. Die Projekte konnten aber auch unter Schwarz-Gelb noch nicht verwirklicht werden.

Die schlechte Qualität des Nahverkehrs ist ein Dauerstreitthema vor allem im Ruhrgebiet. Erst im Dezember hatten der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn und der damalige Landesverkehrsminister Oliver Wittke (CDU) Verbesserungen im Regionalverkehr versprochen. Beide Männer sind nicht mehr im Amt - das Problem bleibt.

Zwei Hauptakteure im Dauerzwist um den Bahnverkehr in NRW sind die Bahn und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Anfang Mai werde man erneut über eine Lösung im Streit um Qualität und Kosten mit der Bahn verhandeln, teilt eine VRR-Sprecherin mit. Auch eine DB-Sprecherin bestätigt weitere Gespräche.

VRR und die Bahn streiten seit Jahren um Qualität und Kosten im Schienennahverkehr. Im Dezember hatte das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen entschieden, dass der VRR der Bahn rund 112 Millionen Euro zurückzahlen muss, die der Verkehrsverbund seit 2007 einbehalten hatte. Von dieser Summe verfügt der VRR nach eigenen Angaben aber nur über 77 Millionen Euro. Die restlichen 35 Millionen Euro müssten die Kommunen zuschießen.

Der VRR hatte die Zahlungen an die Bahn mit der Begründung nicht erbrachter Leistungen wie unpünktlicher und schmutziger Züge verweigert. Um an das Geld zu kommen, hatte die Bahn im Februar Zwangsvollstreckung gegen den VRR beantragt. Inzwischen haben sich Bahn und VRR aber im Rahmen eines Eckpunktepapiers auf finanzielle und qualitative Verbesserungen des Schienen-Nahverkehrs verständigt.

Einstweilen müssen vor allem die Berufspendler vor allem im Ruhrgebiet mit dem schlechten Service leben. Lothar Ebbers vom Fahrgastverband «Pro Bahn» in Nordrhein-Westfalen spricht von einem «drastischen Qualitätsproblem» auf den Schienen an Rhein und Ruhr. Bei einigen S-Bahn-Linien würden Verspätungen in Kauf genommen und sogar offiziell eingeplant. Über Jahre und Jahrzehnte sei viel zu wenig in die Bahn-Infrastruktur investiert worden.

Das Bahnnetz Rhein-Ruhr ist marode und fehleranfällig

Der Sanierungsbedarf liege bei rund 300 Millionen Euro, schätzt der Grünen-Politiker Becker. Es fehlen ausreichend Gleise auf einigen Strecken wie zwischen Düsseldorf und Duisburg. So kann es passieren, dass bei einer Sperrung durch einen Unfall bei Düsseldorf schnell einmal Rückstaus und Verspätungen von einer Stunde bis nach Bielefeld mitten im Berufsverkehr entstehen.

Der Fahrgastverband «Pro Bahn» fordert auch deshalb «keine neuen Preisrunden im Nah- und Fernverkehr». Doch davon können die Fahrgäste wahrscheinlich nur träumen. Schon jetzt zahlen sie knapp 140 Euro für ein Monatsticket erster Klasse. Das leisten sich notgedrungen immer mehr Pendler, denn die zweite Wagenklasse ist auf vielen Strecken zu den Stoßzeiten morgens und nach Feierabend hoffnungslos überfüllt. An der Bahnsteigkante in Nordrhein-Westfalen brauchen Reisende also viel Geduld und gute Nerven.

Von ddp-Korrespondent Martin Teigeler

(ddp)


 


 

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