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Feierstunde am Rhein

Vor 60 Jahren trat der erste Deutsche Bundestag in Bonn zu konstituierender Sitzung zusammen

(ddp-nrw). Als am 7. September 1949 der erste Deutsche Bundestag in Bonn zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentrat, war das Interesse der Menschen riesig: Die Schaulustigen säumten die Zufahrtsstraßen zur Pädagogischen Akademie, die innerhalb von fünf Monaten in Tag- wie Nachtarbeit notdürftig zu einem Bundeshaus erweitert worden war, und beobachteten das Ankommen der damaligen Polit-Prominenz. Von einer überdachten Zuschauertribüne aus hatten Interessierte Einblick in den Saal. Dort nahmen die am 14. August 1949 gewählten Abgeordneten recht beengt auf grüngepolsterten Stühlen Platz, die einen Halbkreis gegenüber dem Stuhl des Bundestagspräsidenten und dem Rednerpult bildeten.

An dieses historische Ereignis vor 60 Jahren erinnert der 16. Deutsche Bundestag, wenn er am Montag (7. September), zehn Jahre nach seinem Berlin-Umzug, in Bonn zu einer Feierstunde zusammenkommt. Geladen sind alle aktiven und ehemaligen Mitglieder des Bundestages sowie die Vertreter der Verfassungsorgane. Erwartet wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Auf dem Programm der Feierstunde steht nach Angaben einer Parlamentssprecherin unter anderem eine Lesung: Vorgetragen werden Auszüge aus dem von Wolfgang Koeppen verfassten Buch «Das Treibhaus». Das Werk gilt als wertvolles Zeugnis über die Nachkriegsjahre und die «Bonner Republik» schlechthin. Nach einem Jazz-Medley ist eine Rede von Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) vorgesehen. Und zum Schluss soll die Nationalhymne gesungen werden.

Musikalische Töne gab es auch damals vor 60 Jahren. Das Orchester der Stadt Bonn, rechts und links der Rednertribüne platziert, eröffnete die konstituierende Sitzung des ersten Deutschen Bundestages nachmittags um 16.00 Uhr mit Beethovens «Weihe des Hauses». Die noch unbesetzte Regierungsbank war mit bunten Blumensträußen geschmückt. Von der Bank des Bundesrats, der ebenfalls am Vormittag des 7. September 1949 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten war, verfolgten die Ministerpräsidenten die Veranstaltung.

Erster Redner war Alterspräsident Paul Löbe (SPD). Der 73-jährige einstige Präsident des Reichstages sprach ein Wort des Gedenkens an die Opfer der NS-Herrschaft. Auch gedachte er der Toten des Zweiten Weltkriegs. Der Ton der Wahlveranstaltungen solle nicht in die Parlamentsdebatten übertragen werden, beschwor Löbe damals die Abgeordneten. Kritiker warfen ihm indes später vor, selbst in dieser besonderen Stunde nicht aus seinem eigenen politischen Lager ausgebrochen zu sein, als er im Totengedenken die Opfer aus seiner eigenen Partei den anderen voranstellte.

Für Befremden unter den anwesenden Gesandten der Besatzungsmächte sorgte auch, dass die SPD angesichts des formalen Charakters der konstituierenden Sitzung unerwartet einen Antrag zur alliierten Demontagepolitik einbrachte. Ein französischer Diplomat soll gegenüber einem Berater des späteren ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) bemerkt haben, die Deutschen sollten «froh sein, dass in Paris Herr Schuman Außenminister ist und die Dinge nicht allzu tragisch nehmen wird».

Nach der konstituierenden Sitzung, bei der der CDU-Politiker Erich Köhler zum Bundestagspräsidenten gewählt wurde, prosteten sich Abgeordnete wie Gesandte bei einem Umtrunk im hellerleuchteten Parlamentsrestaurant zu. An den Decken brannten Hunderte von Glühbirnen in gelben Metallfassungen, die laut Zeitzeugen «das Gefühl eines Himmels voller leuchtender Sterne vermittelten». Noch Tage nach der konstituierenden Sitzung des Parlaments strömten Scharen von Besuchern auf das Gelände des Bundeshauses in Bonn.

Zur Entlastung blieb der Restaurantdampfer «Frieden» noch eine Woche auf dem Rhein vor Anker. Weniger Interesse beim Publikum fand indes der von einem Rheinbacher Glasbetrieb angefertigte Becher mit der Aufschrift «1. Deutscher Bundestag 7.9.1949 in Bonn»: Er soll hauptsächlich von Abgeordneten gekauft worden sein.

ddp/sam/fgr

(Redaktion)


 


 

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