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Zukunftspreis in Bonn

Deutsche Stromproduzenten verschenken Energie

An der Leipziger Strombörse (EEX) wird für die Abnahme von Überkapazitäten sogar noch eine Prämie bezahlt. „Das Verschenken von Strom ist für die Erzeuger oft günstiger als die Abschaltung eines Kraftwerks, “ erklärt eine Sprecherin der Strombörse. Auch Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Vorsitzender der RWE Innogy AG, bezeichnet die Negativ-Notierungen in der Sachsen-Metropole als nützliche Einrichtung für die Erzeuger bei Überproduktion von Strom. „Deutschland verkauft überflüssigen Strom in die Niederlande, nach Polen und Tschechien, weil wir ihn im Land nicht speichern können“.

Am 1. September dieses Jahres wurde der negative Strompreis an der Leipziger Börse eingeführt, weil der Markt das so verlangte. Das erklärte Katrin Berken, Pressereferentin der EEX. „Wenn im Winter eine unerwartete Wärmeperiode eintritt oder an Feiertagen der Verbrauch sehr niedrig ist, geht die Stromproduktion ungebremst weiter. Dann ist Export die beste Lösung, auch wenn man dafür noch zahlen muss.“ Wie sich die Preise entwickeln, kann jeder im Internet auf eex.com verfolgen. So spendierten die Erzeuger ihren Abnehmern am 5. Oktober morgens zwischen 6 und 7 Uhr 1,02 Euro für jede abgenommene Megawattstunde

Beim Deutschen Zukunftspreis der Initiative Forum Zukunft e. V. diskutierte RWE-Vorstand Vahrenholt mit Christa Thoben, Wirtschafts- und Energieministerin in NRW, Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, und Milan Nitschke von der Solarworld AG sowie Hildegard Müller, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft über das Thema „Besseres Klima oder bezahlbare Energie – eine Alternative?“ „Deutschland lebt nicht auf einer Insel der Klimaschützer“ gab Hildegard Müller zu bedenken. Die ehemalige Staatssekretärin setzt auf die Förderung der Elektro-Mobilität, also z. B. Autos, die mit Strom fahren. Die Frage des Moderators und Ex-ZDF-Journalisten Peter Hahne „Wie wird 2020 Strom erzeugt?“ beantwortete Prof. Vahrenholt, der in Hamburg Umweltsenator gewesen ist, so: „30% aus erneuerbaren Energien, 20% aus Kernkraft, je 25% aus Stein- und Braunkohle“. Der RWE-Vorstand prophezeit, dass nach der nächsten Bundestagswahl 2009 die Laufzeit der Kernkraftwerke mit Sicherheit verlängert werde. „Gleich, welche Partei die Wahl gewinnt“.

Probleme mit der Parallelgesellschaft

Rockstar Peter Maffay war der populärste Gast bei diesem Kongress im alten Plenarsaal des Bundestags in Bonn. Zum Thema „Wie viel Parallelgesellschaft verträgt unser Land?“ berichtete der damalige Spätaussiedler, in den 60er, 70er Jahren seien die Deutschen Migranten gegenüber wesentlich freundlicher gewesen. „Die Tonleiter kennt keine Nationalität“. Prof. Dr. Michael Hartmann, Soziologe von der TU Darmstadt, Armin Laschet, Familien- und Integrationsminister in NRW, und Walter Wüllenweber, Autor des Magazins „stern“ verlangten massiv, mehr Geld für die Bildung der Kinder auszugeben.

„Kinder kommen ohne Angst auf die Welt. Sie müssen auch angstfrei erzogen werden“ forderte der Sänger, dessen Stiftung sich die Betreuung von Kindern zur Aufgabe gemacht hat, die durch Gewalt oder sexuellen Missbrauch im familiären Bereich sowie durch schwere Krankheiten traumatisiert sind. „Religion trennt die Bürger nicht, unterschiedliche Bildungsniveaus trennen,“ glaubt Stern-Autor Wüllenweber. „Die Mittelschicht kapselt sich ab, zieht in eigene Stadtviertel, schickt ihre Kinder in ausgesuchte Schulen,“ hat Peter Hahne beobachtet. „Vielfach werden Migranten gar nicht mehr wahrgenommen.“

Gesellschaftliche Verantwortung in der Krise

Der bekannteste Bankier des Landes, Deutsche Bank-Vorstand Josef Ackermann, hatte den diesjährigen Zukunftspreis erhalten sollen, die Annahme jedoch nach einer Reihe von Vorwürfen und Angriffen im Zusammenhang mit der akuten Wirtschaftskrise abgelehnt. Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und Ex-Minister in der Regierung Schröder (1998/9), hätte die Laudatio auf den Preisträger halten sollen. Jetzt warnte er als Referent zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung in der Krise“: „Wer in dieser Krise versucht, sein parteipolitisches Süppchen zu kochen, versündigt sich an der Gesellschaft. Die Besten des Landes müssen kooperieren, um diese Krise zu meistern. Wir brauchen eine Front aller Demokraten.“

Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes NRW, freute sich sichtlich, wieder im alten Bundestag sprechen zu können. „Das ist der schönste Plenarsaal Europas“. Er rief zur Verteidigung der sozialen Marktwirtschaft auf, den Garanten für Freiheit und Sicherheit. „Wir brauchen neue Spielregeln für die globale Finanzwelt, die auch kontrolliert werden müssen.“ Rüttgers Ziel ist Wohlstand für alle statt Reichtum für wenige. „Vielleicht wird dieser Herbst 2008 die große Wende zu einer neuen Weltfinanzordnung“, hofft der Ministerpräsident des Bundeslandes, das auf Platz 17 der weltweit größten Volkswirtschaften steht.

Der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Merck KgaA, Dr. Karl-Ludwig Kley, einer der einflussreichsten Manager Deutschlands, will die Vorstände der großen Konzerne auch in Zukunft gut bezahlen, aber dafür auch für ihre Fehler haften lassen. In dem Familienunternehmen mit über 30.000 Mitarbeitern werden weiter ethische und soziale Werte geachtet. „Die Krise kann uns nichts anhaben. Wir sind gut aufgestellt.“

Prof. Anton Rauscher, Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach, analysierte jedoch: „Die ethischen Grundwerte werden nicht mehr bewusst gelebt“. Mit einem großen Lob für Bankier Ackermann schloss Bodo Hombach den Kongress: „ Wir brauchen Männer wie ihn mit seiner Erfahrung und seinem Wissen für das neue Weltwirtschaftssystem.“.

(Ulrich Gross)


 


 

Zukunftspreis 2008
Christa Thoben
Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
Deutscher Zukunftspreis

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