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Microsoft-Chef über Powerfrauen

Warten auf gesellschaftlichen Wandel ist naiv

Die Microsoft Deutschland GmbH wurde mehrfach für ihre Frauen- bzw. Familien-freundliche Personalpolitik ausgezeichnet. Seit kurzem zählt die Niederlassung NRW zu einem wichtigen Arbeitgeber in Köln. Ein Lichtblick für hochqualifizierte Frauen in unserer Region! Achim Berg, Vorsitzender Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, betont die wirtschaftliche Notwendigkeit.

Nur jeder zehnte Chef in Deutschland ist eine Frau.

business-on.de: Herr Berg, glauben Sie, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Achim Berg: Schaut man sich die Zahlen auf Vorstandsebene an, dann sieht es sogar noch drastischer aus: Demnach waren in 2007 von 10.000 Vorständen bundesweit nur 300 Frauen. Dieses Ungleichgewicht lässt sich nur durch die systematische Förderung von Frauen innerhalb der Unternehmen ausgleichen. Sich lediglich auf einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel zu verlassen wäre naiv. Und ganz nebenbei: Es wäre wirtschaftlich falsch! Auch unsere IT-Branche ist vom demographischen Wandel betroffen. Wir benötigen weiterhin hochqualifizierte Fachkräfte und müssen dafür jetzt und in Zukunft auch mehr weibliche Führungskräfte gewinnen. Bei Microsoft machen wir sehr gute Erfahrungen mit individuellen Coachings, Mentoring-Programmen und der Unterstützung von nationalen und internationalen Frauennetzwerken. Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt und verstärkt für die Management-Laufbahn qualifiziert. Erst kürzlich haben wir uns einem Audit durch den TÜV unterzogen, der die Prozesse in unserem Personalbereich auf Diskriminierungsfreiheit überprüft hat. Ein Ergebnis: Es gibt keine Unterschiede in der Entlohnung von Männern und Frauen in vergleichbaren Positionen bei Microsoft

Nur jeder Zehnte in Elternzeit ist ein Mann.

business-on.de: Sind Kinder der Karriere-Killer für ambitionierte Frauen?

Achim Berg: Starre Unternehmen und Personalabteilungen sind Karriere-Killer – nicht Kinder. Aber ich bin sicher: Viele Unternehmen werden noch lernen, dass sie damit im Wettbewerb um die besten Köpfe und Führungskräfte auf Dauer das Nachsehen haben. Eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist ein Wettbewerbsfaktor - und zwar für Frauen und Männer. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle und Arbeitsplatzgestaltungen, beispielsweise die Möglichkeit bei Krankheit eines Kindes Home Office zu machen. Unternehmen können ihre Mitarbeiter bei der Suche nach Kinderbetreuung unterstützen. Für unsere Zentrale haben wir beispielweise eine Vereinbarung mit einer Kindertagesstätte in unmittelbarer Nähe geschlossen, so dass unsere Mitarbeiter ihre Kinder dort unterbringen können. Eventuelle Mehrkosten übernimmt unser Unternehmen. Außerdem vermitteln wir über einen Dienstleister Au-Pairs, Tagesmütter oder Hausaufgabenbetreuung. Was das Thema Elternzeit betrifft: Hier liegen uns für dieses Jahr wesentlich mehr Anträge von Männern vor als in den letzten Jahren. Dies hängt sicherlich nicht nur mit der Unternehmenskultur sondern auch mit dem neuen Elterngeld zusammen. Auch wenn heute noch mehr Frauen als Männer diese Angebote nutzen: Als Unternehmen unterstützen wir diese Entwicklung und leisten damit einen Beitrag für die wachsende gesellschaftliche Akzeptanz. Das wird auch von unseren Mitarbeitern honoriert, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass  wir seit Jahren bei der Wahl zum „Besten Arbeitgeber Deutschlands“ auf den vorderen Plätzen liegen und letztes Jahr einen Sonderpreis für Chancengleichheit erhalten haben.

Jeder zehnte Ehemann einer Powerfrau ist hauptberuflich Haushaltsvorstand.

business-on.de:  Das ist eine Möglichkeit. Geht es auch anders und wenn ja, wie?

Achim Berg: Unabhängig, ob wir von Powerfrauen oder Powermännern reden: Im Kern bleibt es eine partnerschaftliche Entscheidung zwischen zwei Menschen, wie sie die Balance zwischen Familie und Beruf leben wollen. Die Aufgabe von Arbeitgebern besteht darin, dass diese Entscheidung nicht von möglichen Benachteiligungen im Job oder einem antiquierten Rollenverständnis innerhalb der Unternehmen beeinflusst wird. Ob dafür nun ein Mehr oder ein Weniger an hauptberuflichen, männlichen Haushaltsvorständen ein guter Erfolgsindikator ist, wag ich nicht zu beurteilen.

Die Geschäftsführung von Microsoft Deutschland GmbH ist männlich besetzt.

business-on.de: Wie viele Frauen gibt es in Ihrem Unternehmen in der ersten und zweiten Führungsebene?

Achim Berg: Ich muss ein wenig korrigieren. Der Vorsitz der Geschäftsführung ist männlich besetzt. Insgesamt besteht die Geschäftsführung aber aus rund einem Dutzend Personen, davon ein Drittel Frauen – allesamt „Working Moms“, die es trotz kleiner oder schulpflichtige Kinder schaffen, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Grundsätzlich gilt in unserer technologielastigen Branche aber, dass Frauen noch unterrepräsentiert sind. Immerhin ist jede dritte Neueinstellung in unserem Unternehmen aber schon weiblich. Tendenz steigend. Damit bewegen wir uns deutlich über dem Durchschnitt der Branche, der bei etwa 20 Prozent liegt. Doch das ist nur ein Etappenziel. Wir müssen künftig insgesamt mehr junge Frauen für unsere Branche begeistern.

(Karin Bäck)


 


 

Achim Berg
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