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Digitalisierung

Sascha Zöller im Interview: Digitale Sprachassistenten – Ein neuer Hype oder doch eher heiße Luft?

Sascha Zöller ist seit 20 Jahren Berater, beschäftigt sich seit 2015 intensiv mit der Digitalisierung und ist seit 2017 Mitglied im Projekt „Internet of Voice“. Auf der StartUpCon in Köln spricht er dieses Jahr zum Thema „Digitale Sprachassistenten – Seit gestern müssen Produkte und Marken sprechen können“. Business-on konnte Ihn bereits vorab zu einem kurzen Interview sprechen.

Business-on.de: Herr Zöller, wie sehen Sie den Markt für Digitale Sprachassistenten?

Sascha Zöller: Ich denke es ist gerade für Start-Ups ein großes Thema. Zum einen liegt es daran, dass dies sehr zu der Denkweise von Start-Ups passt. Sie gehen sehr spielerischer an dieses Thema heran als die etablierten Unternehmen. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass sich etablierte Firmen schwertun, Skills (bei Amazon Alexa) als Dienst zu etablieren. Hier sind „Einzelkämpfer“ schneller und flexibler. Der Markt hat eine große Dynamik und bietet aktuelle noch jedem Teilnehmer schnell mitzuwachsen.

Business-on.de: Worin sehen Sie die größte Herausforderung für Digitale Sprachassistenten?

Sascha Zöller: Die größte Herausforderung liegt m. E. in der Sprache. Durch die Etablierung von Smartphones vor 10 Jahren, haben wir gelernt visuell zu kommunizieren in Form von Text und Bild. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und die Sprache muss in beiden Richtungen eindeutig sein. Dies gilt für den sprechenden Menschen und die Antwort durch den Digitalen Sprachassistenten. Stellen Sie sich vor Sie wollen den virtuellen Einkaufszettel befüllen und sagen „1 kg Reis“. Der Digitale Sprachassistent versteht aber „1 Kg Eis“. Dies mag sich banal anhören, führt aber in der Praxis zu Frustration und zur Ablehnung.

Business-on.de: Wie sehen Sie die Integration der Digitalen Sprachassistenten mit anderen Bereichen?

Sascha Zöller: In den USA ist dieses Rennen bereits mehr als eröffnet. Die Vernetzung ist bereits im vollen Gange. Logitech arbeitet an einer Alexa-basierten Steuerungskonsole fürs Auto. Ford, Hyundai und VW haben bereits in diesem Jahr angekündigt, Alexa in ihren Autos integrieren zu wollen. Lenovo will ebenfalls mit smarten Assistenten in Büros und Wohnungen. Hier in Deutschland ist eher Zurückhaltung zu diesen Themen angesagt. Auf einem Hackathon Anfang dieses Jahres in Köln, konnte sehr deutlich erkennen, dass sich wenig etablierte Unternehmen diesem Thema annehmen. Hier bin ich auf die Teilnahme und das Interesse auf der StartUpCon gespannt.

"Die Digitalisierung ist die Zukunft"

Business-on.de: In Deutschland gilt der Mittelstand als sehr zurückhaltend gegenüber der Digitalisierung im Allgemeinen. Wie sehen Sie dies in Bezug auf das Thema Digitale Sprachassistenten?

Sascha Zöller: Sie sprechen hier ein sehr heikles Thema an. Die Digitalisierung ist die Zukunft. Aktuell sind die Digitale Sprachassistenten und die daraus entstehenden Potentiale nicht erfasst. Mir ist aktuell kein Mittelständler bekannt, der sich ernsthaft damit beschäftigt. Hier wünsche ich mir mehr Mut und Umsetzungswillen beim Mittelstand.

Business-on.de: Sie sprachen darüber, dass wir aktuell sehr visuell kommunizieren. Hier wurde in den letzten Jahren sehr viel Erfahrung aufgebaut und gesammelt. Wie sehen Sie die Entwicklung bei Programmierung von Voice User Interfaces?

Sascha Zöller: Hier muss ein Umdenken stattfinden. Was bei Webseiten und Apps funktioniert, muss noch lange nicht bei Digitalen Sprachassistenten gelten. Wenn Sie aber gut programmiert sind, benötigen Sie keine Hände und keine Augen mehr. Das ist ein Riesenvorteil. Jeder Programmierer muss sich bewusst sein, dass das Auge mehr und schneller Informationen aufnehmen kann, als das menschliche Ohr. Denken wir hier an die StVo. Die Bedeutung eines Stop-Schildes in Sprache auszudrücken benötigt eine gewisse Präzision. Stellen wir uns vor, Sie wollen eine Reservierung bei Ihrem Lieblingsitaliener über einen Digitalen Sprachassistenten machen. Nicht so einfach, wenn Sie diesem Digitalen Sprachassistenten vorher nicht „beigebracht“ haben, Wer der Lieblingsitaliener ist und wo Sie sich gerade befinden. Denn, es kann auch sein, dass Sie einen Lieblingsintaliener in Köln und einen in Bonn haben.

Business-on.de: Wie sehen Sie die Entwicklung bei den Skills bei Amazon und Co.?

Sascha Zöller: Vor 9 Jahren hatten wir bereits einen ähnlichen Markt und dieser ist heute sehr erfolgreich. Vor 10 Jahren stellte Steve Jobs das erste Smartphone der Öffentlichkeit vor. Ein Jahr später stellten Sie ein Software Developer Kitt (SDK) für die Entwicklung von Apps vor. Das war der Startpunkt für den sehr erfolgreichen App-Store von Apple. Der Erfolg war m. E. damit begründet, dass Apple allen Entwicklern eine Plattform anbot und gleichzeitig auch die Möglichkeit des Geldverdienens. Wenn Sie dies ändert, sehe ich großes Potential für Amazon, sich von Siri, Google Assistenten abzusetzen.

„Digitale Sprachassistenten"

Business-on.de: Sie haben bereits die StartupCon angesprochen. Was werden wir von Ihnen dort sehen und hören?

Sascha Zöller: Ich werde dort zusammen mit Robert C. Mendez zum Thema „Digitale Sprachassistenten" sprechen. Dort wollen wir den Zuschauern einen Einblick in mögliche Umsetzungsstrategien und handfeste Grundregeln für die Erstellung von Voice User Interfaces geben. Weltpremiere wird auch die Vorstellung unsere Voice-Skill-Managent-System‘s sein, welches die Programmierung von Voice User Interfaces noch einfacher und schneller machen wird.

(Redaktion)


 

 

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