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Doppelte Haushaltsführung

Werbungskosten auch bei Rückkehr in die frühere Wohnung

Kehrt ein Arbeitnehmer – zum Beispiel nach einer zwischenzeitlichen Versetzung, Beurlaubung oder längeren Krankheit – wieder an den ursprünglichen Tätigkeitsort zurück, kann er die dort anfallenden Aufwendungen erneut als Werbungskosten geltend machen.

Denn nach dem Urteil des BFH vom 8.7.2010 kann eine zunächst beendete doppelte Haushaltsführung am früheren Beschäftigungsort erneut begründet werden, und dies sogar in der dazu schon früher genutzten Wohnung (Az. VI R 15/09). Neben den Wohnungsaufwendungen und Familienheimfahrten können auch Mehraufwendungen für die Verpflegung pauschal und beschränkt auf die ersten drei Monate an derselben Tätigkeitsstätte abgesetzt werden.

Erst mit Beendigung der doppelten Haushaltsführung scheidet der Werbungskostenabzug aus. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Arbeitnehmer

  • die Familienwohnung an den Beschäftigungsort oder in dessen Einzugsbereich verlagert und seinen dort geführten zweiten Haushalt aufgibt oder 
  • den Zweithaushalt nicht mehr führt, weil er seine regelmäßige Arbeitsstätte aufgibt und an einem anderen Ort tätig wird.

Nach Beendigung einer doppelten Haushaltsführung kann er diese erneut aus beruflichem Anlass begründen, auch am früheren Beschäftigungsort und in der Wohnung, in der er bereits früher einen Zweithaushalt errichtet hatte. Dies berechtigt den Arbeitnehmer, die notwendigen Mehraufwendungen als Werbungskosten in Abzug zu bringen, unter Beachtung der Dreimonatsfrist. Dem steht nicht entgegen, dass der Arbeitnehmer seine Eigentumswohnung während seines Aufenthalts am Familienwohnort nicht veräußert, sondern im Hinblick auf die Rückkehr an seine frühere Arbeitsstätte beibehalten hat. Denn die erneute Begründung einer doppelten Haushaltsführung am gleichen Ort setzt nicht voraus, dass der Beschäftigte dort eine neue Wohnung nimmt oder ihm die Verhältnisse am Beschäftigungsort bekannt ist. Denn der Abzug von Verpflegungsaufwendungen während der Dreimonatsfrist ist generell möglich, unabhängig von der konkreten Verpflegungssituation am Arbeitsort. Das hatte der BFH bereits mit Urteil vom 16.11.2005 klargestellt (Az. VI R 12/04).

Im zugrunde liegenden Urteilsfall war ein Arbeitnehmer von seiner auswärtigen Tätigkeit für rund ein Jahr beurlaubt und ihm gleichzeitig seine dortige Weiterbeschäftigung zugesagt worden. Daher hatte er die auswärtige Wohnung für die Zwischenzeit leer stehen gelassen.

(!) In einem weiteren Urteil vom 8.7.2010 (Az. VI R 10/08) hat der BFH entschieden, dass die Begrenzung des Abzugs von Mehraufwendungen für die Verpflegung auf drei Monate bei einer doppelten Haushaltsführung verfassungsgemäß ist. Durch die zeitliche Begrenzung wird typisierend unterstellt, dass die bei Beginn vorhandene überwiegende berufliche Veranlassung entfällt und der Berufstätige nunmehr regelmäßig eine Verpflegungssituation vorfindet, die keinen beruflichen Mehraufwand verursacht. Denn im Regelfall kann sich der Arbeitnehmer nach einer mehrmonatigen Übergangszeit auf die Verpflegungssituation am Beschäftigungsort einstellen, die Höhe der Kosten beeinflussen und damit einen Mehraufwand minimieren oder sogar vermeiden.

(VSRW-Verlag)


 


 

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