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Doppelinterview

"Die Vision von 'Silicon Kölle' wird Wirklichkeit"

Nach nur 18 Monaten Bauzeit ist es soweit. Rund 200 Mitarbeiter der Microsoft Deutschland GmbH aus Neuss beziehen Anfang September ihre schmucke NRW-Niederlassung im Rheinauhafen, das RheinauArtOffice. Tür an Tür neben den Consultants, Software-Support-Spezialisten, technischen Vertriebsmitarbeitern und Account Managern werden auch zwölf Partnerunternehmen des Software-Marktführers das „Bürogebäude der Zukunft“ zwischen Severinsbrücke und Kölner Yachthafen bewohnen.

business-on.de befragte in einem Doppelinterview Wirtschaftsdezernent Dr. Norbert Walter-Borjans und Office Manager Michael Müller-Berg zur Bedeutung dieser neuen „IT-Schmiede“.

business-on.de: Herr Müller-Berg, als zum Projektbeginn Anfang 2003 die Fragestellung nach dem geeigneten Standort für das neue Domizil von Microsoft Deutschland anstand, wurde sicherlich viel hin und her überlegt. Welche Faktoren haben aus Konzernsicht den Ausschlag für den Wirtschaftsstandort Köln gegeben?

Michael Müller-Berg: Die Firma Microsoft ist ja nun in NRW seit weit mehr als 20 Jahren ansässig, davon viele Jahre in Düsseldorf bzw. Neuss. Bei der Überlegung Anfang 2003 stand vor allem die Kundenorientierung im Mittelpunkt. Microsoft hat die letzten Jahre einen starken Wandel vom primären Produktanbieter zum Produkt- und Lösungsanbieter durchlaufen. Wir hatten uns von Anfang an auf Gewerbeflächen in der Region Neuss-Düsseldorf-Köln konzentriert. Unsere Ausschreibung umfasste weit mehr als 50 Parameter. Über 250 Gewerbeflächen wurden evaluiert und in der Schlussrunde mit den 4 verbliebenen Objekten hatte Köln die Nase vorn. Als wichtige Faktoren für die Köln-Entscheidung sind die ansprechende Architektur des Gebäudes, der besondere Flair des Rheinauhafens und die Dom-Nähe hervorzuheben. Zudem ist Köln die einwohnerstärkste Stadt in NRW.

business-on.de: Herr Dr. Walter-Borjans, welche Anstrengungen haben Stadt und Wirtschaftsförderung gemacht, um ein so renommiertes Unternehmen und potenten Steuerzahler wie Microsoft an die Domstadt zu binden?

Dr. Norbert Walter-Borjans: Wir haben nicht nur bei Microsoft die Erfahrung gemacht, dass eine attraktive Adresse, die Köln nun mal ist, zusammen mit einer Kunden orientierten und fixen Stadtverwaltung eine gute Kombination ist. Microsoft hat sehr schnell gemerkt, dass es nicht nur ein interessantes Grundstück am Rheinauhafen gab, sondern dass vom Oberbürgermeister über die Dezernenten für Planung und für Wirtschaft bis zum Unternehmensservice und den Fachämtern alle an einem Strang ziehen, um beste Bedingungen zu schaffen.

business-on.de: Was waren Ihre Argumente Microsoft die Entscheidung eines Standortwechsels zu erleichtern?

Die Bedeutung der IT-Branche im Grossraum Köln ist enorm

Dr. Norbert Walter-Borjans: Unternehmen wie Microsoft brauchen Top-Leute aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Da hilft es ungemein, wenn man eine attraktive und selbst erklärende Adresse hat. Neuss ist eine schöne Stadt, aber das weiß die Spitzenkraft in München oder Hamburg nicht. Köln dagegen ist nicht nur bekannt, sondern gerade bei den umworbenen Fachleuten aus IT und Medien auch sehr beliebt. Die Adresse und die Spitzenlage, von der aus man die Qualitäten Kölns sieht und zugleich gesehen wird, das zieht an. Dazu kommen die gute Anbindung an den Kölner, aber auch an den Frankfurter Flughafen und die Hochschulen.

business-on.de: Als das RheinauArtOffice im November vergangenen Jahres Richtfest feierte, soll es bereits 60 und im Frühjahr 2008 gar 90 Anfragen von Partnerunternehmen gegeben haben. Es wurde schon von einem Silicon-Valley-Effekt gesprochen. Was bedeutet das genau?

Dr. Norbert Walter-Borjans: Man könnte ja annehmen, dass es gerade in der IT-Branche überhaupt nicht darauf ankommt, ob man in Köln, in Indien oder Alaska sitzt, weil doch sowieso alles online geht. Für viele Funktionen stimmt das aber nicht. Da will man eben doch mal schnell zu einem Meeting zusammenkommen und sich von Angesicht zu Angesicht austauschen. Das hat Microsoft den Partnerunternehmen früh deutlich gemacht – und auch da zeigt sich, dass der Wunsch, in die Nähe des Auftraggebers zu ziehen, mit der Adresse Köln auf mehr Gehör trifft als alle zunächst erwartet haben.

Michael Müller-Berg: Die Bedeutung der IT-Branche im Grossraum Köln ist enorm. Allerdings gibt es noch etwas Nachholbedarf in der öffentlichen Positionierung. Der Raum München hat hier bereits vor Jahren sehr erfolgreich viel Marketingaufwand betrieben. Bei näherem Hinsehen stellt man aber fest, dass der Raum Köln durchaus auf Augenhöhe mit München agiert. Von daher gilt es nun das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft zu optimieren. Sehr frühzeitig haben wir unsere Partner über das Microsoft-Projekt in Köln informiert, um maximale Synergien für alle Beteiligten zu generieren und der Erfolg weist in die richtige Richtung. Wenn man die Projektumsetzung jetzt mit Nachhaltigkeit verfolgt, kann die wirtschaftspolitische Vision von „Silicon Kölle“ durchaus Wirklichkeit werden.

business-on.de: Welche Veränderung, aber auch Synergien und Erfolge versprechen Sie sich von dieser Sogwirkung?


 


 

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Wirtschaftsstandort Köln
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