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Doppelinterview

"Die Vision von 'Silicon Kölle' wird Wirklichkeit"

Die Partneransiedlung kommt gut in Gang

Dr. Norbert Walter-Borjans: In den deutschen Partnerunternehmen, mit denen Microsoft arbeitet, arbeiten mehr als fünfzig Mal so viele Menschen wie bei Microsoft selbst. Wenn sich nur ein Bruchteil davon für einen Standort in unmittelbarer Nähe zum Auftraggeber entscheidet, reden wir gleich über mehr als 1.000 Arbeitsplätze. Deshalb denken wir zusammen mit Microsoft über ein Campus-Konzept nach, das heißt über zwei bis drei weitere Gebäudekomplexe, in denen dann die „Microsoft-Familie“ wachsen und gedeihen kann. Das Wachstum der Software- und Systembranche kommt ja erst richtig in Gang.

Michael Müller-Berg: Die Partneransiedlung kommt gut in Gang. Ab 1. September 2008 sitzt unsere gesamte NRW-Belegschaft in Köln und täglich gibt es neue Anfragen von Partnern. Darüber hinaus wird das Projekt auf unserer alljährlichen Partnertagung im September in München erneut vorgestellt. Danach wird sicher der eine oder andere der gut 1.400 Teilnehmer aus dem Partnerverbund auf den Kölner-Campus-Ansatz aufmerksam werden. Ungeachtet davon wird die Informationstechnologie weltweit zunehmend wichtiger für das gesamte Wirtschaftswachstum. Köln ist hier gut beraten sich mit dem „Wachstumsthema IT“ intensiv zu beschäftigen und eine treibende Rolle in diesem Bereich anzustreben.

business-on.de: Zählt man in Zeiten der Konvergenz von IT und Medien die Unternehmen auf der Rheinschiene Köln-Bonn-Düsseldorf zusammen, gibt es rund 50.000 Firmen mit mehr als 135.000 Beschäftigen. Welchen Impuls kann dieser Umzug für die Branche, aber auch für die ganze Region bringen?

Dr. Norbert Walter-Borjans: Es ist ja richtig, nicht klein-klein, sondern als leistungsstarke Region zu denken. Auch von Paris oder London reden wir nicht nur bezogen auf das engere Stadtgebiet, sondern auf den jeweiligen Großraum. Die haben aber kein Problem damit, den Eiffelturm oder den Big Ben und die Städtenamen als Symbole oder Markenzeichen für die ganze Region zu nutzen. Bei uns gibt es immer wieder Diskussionen darüber, ob wir das, was alle von unserer Region kennen, nämlich den Namen Köln, den Dom und den Rhein, bei der Standortwerbung nicht besser weglassen. Das gäbe es bei keinem Markenunternehmen. Stellen Sie sich vor, die Partner von Mercedes würden bei gemeinsamen Auftritten verlangen, den Stern wegzulassen. In der Region Köln gibt es diese Empfindlichkeiten aber. Die Folge ist, dass die Unternehmen dann – nicht nur deshalb, aber auch deshalb – direkt in die Domstadt ziehen. Das ist bei Microsoft so, aber auch bei unserem jüngsten Zuzugserfolg Lanxess. Wenn Sie nur hier den Namen Köln und den Dom als Absender haben, dann bleiben sie nicht in der Region, auch wenn der Platz nur dreißig Kilometer entfernt ist. Darüber sollten wir alle noch einmal nachdenken. So oder so haben diese Zuzüge natürlich enorme Strahlkraft. Das nimmt man in anderen Teilen der Republik schon wahr.

Michael Müller-Berg: Ergänzen Sie gerne bei der Rheinschiene Köln-Bonn-Düsseldorf noch die Städte Neuss und Aachen, die nicht unterschätzt werden sollten. Insgesamt ist dieser Grossraum national wie aus europäischer Sicht gut aufgestellt. Hierbei spielt die Logistik eine Rolle – Autobahnen, Bahnhöfe, Flughäfen, die Messen und vor allem auch die Hochschulen bzw. Bildungsmöglichkeiten. In der Informationstechnologiebranche ist der Humankapitalfaktor ein sehr wichtiger Parameter. Unser Fokus ist letztlich von Köln aus Nordrhein-Westfalen optimal zu bedienen und wir sind froh im Kölner Rheinauhafen den richtigen Ankerpunkt gefunden zu haben.

business-on.de: Wird es auch künftig Bestrebungen geben, den IT- und Medien-Standort zu stärken?

Dr. Norbert Walter-Borjans: Aber sicher. Sie haben von der Konvergenz gesprochen. Da wird noch enorm viel passieren. Und unsere Region hat dafür alle Bausteine: Große Medienunternehmen, starke Telekommunikationsanbieter, eine wachsende Software-Branche – so viel und so gern wir über Microsoft reden, sollten wir nicht vergessen, dass IBM schon seit vielen Jahrzehnten hier ist und Unternehmen wie SQS hier gegründet und groß geworden sind, um wiederum nur einige zu nennen – und dann haben wir auch noch eine starke und attraktive Hochschullandschaft mit Studierenden, die nach dem Abschluss am liebsten hier bleiben.

Michael Müller-Berg: Die IT- und Medienbranche wird weiter boomen, das Internet befindet sich nach wir vor noch in der Entwicklung seiner Möglichkeiten. Die Lernkurve für alle wird weiterhin steil verlaufen. Zudem gibt es diverse Bestrebungen die wirtschaftlichen und politischen Kräfte der Region zu bündeln, sodass wir der Zukunft durchaus positiv entgegenblicken sollten.

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Microsoft-deutschland-zieht-nach-koeln_id14397.html" target="_self">Fotoserie: Microsoft Deutschland zieht nach Köln

(Ralf Schädel)


 


 

Dr. Norbert Walter-Borjans
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