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Rohstoffstudie

Augen zu und durch? - Unveränderter Nachholbedarf beim Rohstoffeinkauf

Trotz hoher Abhängigkeit von Rohstoffkosten und der Erwartung weiter steigender Rohstoffpreise fehlt vielen deutschen Unternehmen noch immer ein systematisches Rohstoffkostenmanagement.

Das belegen die Ergebnisse der branchenübergreifenden Befragung von mehr als 220 Vorständen, Geschäftsführern und Einkaufsleitern deutscher Unternehmen durch die Einkaufsberatung Inverto in Kooperation mit dem Branchendienst KI Kunststoffinformation. Obwohl fast drei Viertel der Befragten in den nächsten 18 Monaten steigende Rohstoffpreise erwarten, verfügen nur wenige Unternehmen über Spezialisten für Risikomanagement im Rohstoffeinkauf. Professionelle Instrumente zum Umgang mit Preisvolatilität sind mehr die Ausnahme denn die Regel. „Die Ergebnisse zeigen, dass Preisstabilität nach wie vor durch Langzeitpreisvereinbarungen oder die Weitergabe gestiegener Kosten an die Kunden erreicht werden soll. Dies sind jedoch Konzepte, deren Akzeptanz und Durchsetzbarkeit schwinden“, so Sebastian Mayer, Leiter des Inverto Excellence Centers Industrierohstoffe. „Tragfähigere Vertragsmodelle, zum Beispiel mit intelligenter Koppelung an Indices, werden nur punktuell genutzt.“ Die Experten von Inverto fordern eine weitere Professionalisierung des Rohstoffkostenmanagements: Der große Rohstoffbedarf der Wachstumsregionen und immer knappere Ressourcen verschärfen die Herausforderungen an den Rohstoffmärkten.

Für viele Unternehmen stehen Rohstoffkosten nach der kurzen Verschnaufpause Anfang 20009 wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Dies zeigte die hohe Beteiligung an der Rohstoffstudie 2010 der Einkaufsberatung Inverto zwischen April und Mai diesen Jahres. Gleichwohl fehlen auch heute noch Kapazitäten und professionelle Lösungen im Rohstoffeinkauf: Nur 19 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über interne Spezialisten, die sich mit Preisabsicherung und Risikomanagement im Rohstoffeinkauf beschäftigen. Zwar erfolgen Abstimmungen mit den Abteilungen Finanzen/ Controlling (59 Prozent), Vertrieb (48 Prozent) und Produktion (40 Prozent), eher selten spricht der Einkauf in Rohstofffragen jedoch mit der Konstruktion und Entwicklung (177 Prozent). „Dies ist erstaunlich “, findet Mayer, „werden doch hier oft die Weichen für den Rohstoffeinsatz bei Produkten gestellt.“

Rohstoffkosten beeinflussen das Unternehmensergebnis erheblich

Knapp die Hälfte der befragten Entscheider sagte, dass die hohen Rohstoffpreise der Vergangenheit ihr Ergebnis negativ beeinflussten. Zugleich rechnen mehr als 70 Prozent der Studienteilnehmer mit steigenden Rohstoffpreisen. Dies wiegt umso schwerer, weil der Anteil der Rohstoffkosten an den Gesamtausgaben hoch ist; bei knapp zwei Dritteln der Teilnehmer beträgt er sogar mehr als 40 Prozent. Das vorausschauende Management der Rohstoffkosten ist daher eine unternehmerische Notwendigkeit.

Langfristige Verträge und Weitergabe von Preiserhöhungen – bewährte Instrumente dominieren im Rohstoffeinkauf

Um volatile Rohstoffpreise zu managen, setzen die befragten Unternehmen maßgeblich auf zwei Instrumente: 61 Prozent der Befragten verhandeln langfristige Verträge, weitere 559 Prozent der Unternehmen bauen auf die Weitergabe von Preiserhöhungen an Kunden. Nur 337 Prozent aller Teilnehmer haben Erfahrungen mit Hedging -Instrumenten, wovon der überwiegende Teil diese bei der Beschaffung von Energie einsetzt. Die Abbildung von Preisvolatilitäten in Verträgen praktizieren 31 Prozent der befragten Unternehmen. 11 Prozent geben an, gar keine spezifischen Instrumente zu nutzen. „Die Unternehmen sollten mehrere Instrumente einsetzen und nicht nur eingleisig fahren“, rät Rohstoffexperte Mayer. „Für die Streuung des Risikos ist zum Beispiel auch die Beschaffung der Rohstoffe aus mehreren Ländern, eine harmonisierte Preisbildung zwischen Einkauf und Verkauf und die Änderung des Materialeinsatzes bei Produkten geeignet.“

Um denn eigenen Rohstoffeinkauf optimal aufzustellen, ist zudem der Vergleich mit dem Wettbewerb und systematisches Benchmarking hilfreich. Die Position des eigenen Rohstoffeinkaufs im Vergleich zum Wettbewerb ist jedoch nur teilweise bekannt. So können 47 Prozent der befragten Unternehmen kein e eindeutig e Aussage treffen, ob sie ihren Rohstofffeinkauf professioneller organisiert haben als ihr Wettbewerb.

Transparenz bleibt der Schlüssel zum effizienten Rohstoffkostenmanagement

85 Prozent der befragten Unteernehmen beobachten Marktpreisentwicklungen über Branchendienste. Allerdings setzten nur etwa 200 Prozent der befragten Unternehmen statistische Prognosemodelle ein. Auch Software-Lösungen nutzen gerade einmall 23 Prozent der befragten Unternehmen, um die Marktbeobachtung effizient und transparent zu gestalten. Dabei können IT-Tools und statistische Modelle helfen, beim Management von Rohstoffkosten den entscheidenden Informationsvorsprung zu generieren. „Preissteigerungen und –schwankungen an den Rohstoffmärkten sind keine unvorhersehbaren ‚Schicksalsschläge‘ “, erklärt Jan Müller-Gödeke, Leiter des Inverto Excellence Centers Agrarrohstoffe.

„Das Einrichten solcher Tools lohnt sich, bedeutet aber für die Unternehmen zunächst Arbeitsaufwand“, so Müller-Gödeke. „Dies ist jedoch weniger der Anpassung an produktspezifische Eigenheiten geschuldet, sondern fehlender Transparenz.“ So geben 46 Prozent der befragten Unternehmen an, nur teilweise oder überhaupt keine Transparenz über ihre direkten und indirekten Rohstoffausgaben für Vorprodukte und Maschinen zu haben.

Lieferanten geben gesunkene Rohstoffpreise selten weiter

Die Verhandlungen mit den Rohstofflieferanten sind für den Einkauf schließlich die Stunde der Wahrheit: Hier zahlt sich ein professionelles Rohstoffmanagement aus, um langfristig wirksame Einkaufserfolge zu erzielen und die Versorgung mit Rohstoffen zu sichern. Dies ist notwendig, denn mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, dass ihre Lieferanten gesunkene Rohstoffpreise nicht ohne weitere Verhandlungen von sich aus weitergeben; 47 Prozent profitieren zumindest teilweise von einer „automatischen“ Weitergabe von Preissenkungen. Nur rund die Hälfte der befragten Unternehmen schätzt, dass sie die gesunkenen Rohstoffpreise der letzten zwei Jahre vollständig ausschöpfen konnten. „Einige Unternehmen sind inzwischen ausschließlich auf die Abwehr von Preiserhöhungen fokussiert. Bleiben die Preise konstant, wird dies nicht selten bereits als Erfolg gefeiert, selbst wenn eigentlich deutliche Preissenkungen angemessen wären“, so Müller-Gödeke. „Einsparerfolge sind häufig mit überschaubarem Aufwand möglich, wenn die Unternehmen ihr Rohstoffkostenmanagement weiter professionalisieren.“

(Redaktion)


 


 

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