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Drei ProMarkt Bonn-Standorte von Bielinsky übernommen

Die Filialen in Bonn, Euskirchen und Wittlich gehören in Zukunft zur Expert Bielinsky Medialand GmbH. Durch den Kauf weitet der Verbund mehrerer selbstständiger Händler sein Ladennetz aus. Derzeit gehören der Gruppe 232 Mitglieder mit 450 Fachmärkten an.

ProMarkt Bonn: Übernahme war gute Gelegenheit

Die Eröffnung der Mediamarkt-Filiale in der Innenstadt von Bonn hat laut Bielinsky nichts mit der Übernahme zu tun. Der Gesellschafter spricht von einer guten Gelegenheit. Bereits 70 Mitarbeiter beschäftigt man in Troisdorf, Bonn und Bad-Neunahr-Ahrweiler. Die Entscheidung, Standorte in Euskirchen und Wittlich zu übernehmen, sei naheliegend gewesen. Ein Ladengeschäft von Expert Bielinsky hat sich bereits früher an dieser Stelle befunden.

420 Arbeitsplätze werden an die Expert-Gruppe überführt

Bis Ende Oktober soll die Umstrukturierung abgeschlossen sein. Die Stellen von 16 Standorten werden an Bielinsky überschrieben. Zum Preis sind derzeit keine gesicherten Informationen verfügbar. Der Konzern REWE hatte den Verkauf von Standorten seiner Tochter ProMarkt schon Anfang 2013 angekündigt. Gründe hierfür liegen in Umsatzeinbrüchen. Im Jahr 2012 gingen die Einnahmen um 15,5% zurück.

120 Mitarbeiter weiter beschäftigt

Der geschäftsführende Gesellschafter Edgar Bielinsky kommentiert den Umfang der Übernahme zuversichtlich. Die Standorte in Bonn sollen dauerhaft gesichert werden. Zunächst wolle man die neuen Mitarbeiter der Filialen Bonn, Euskirchen und Wittlich kennenlernen. Die Expert-Bielinsky-Märkte an Dickobskreuz und Bornheimer Straße sollen weiter betrieben werden. Die Umsätze sind gut. Die ProMärkte sollen ihren Namen auf jeden Fall noch bis Ende des Jahres behalten. Weitere Entscheidungen werden zu gegebener Zeit getroffen.

Update 16.05.2014

Ein halbes Jahr ist es nun schon her, seitdem 16 Standorte der ehemaligen REWE-Tochter Promarkt von expert übernommen wurden. In den letzten sechs Monaten gelang es den neun Gesellschaften, die Märkte in das bestehende Geschäftskonzept zu überführen. Dadurch konnten über 450 Arbeitsplätze gesichert werden.

Ein Beispiel, an dem sich die Erfolge der letzten Monate besonders gut veranschaulichen lassen, ist die „HERFAG“ Elektrotechnik GmbH. Sie wurde 2013 zum neuen Besitzer des Promarkts in Göttingen. Geschäftsführerin Anja Maucher betont noch immer, wie naheliegend die Gründe für die Übernahme des Marktes waren. Er sei bereits sehr gut in die regionale Einkaufslandschaft integriert gewesen und schnell über die Autobahn zu erreichen. Darüber hinaus habe er das Sortiment hervorragend ergänzt.

Eine besonders große Herausforderung sei es allerdings gewesen, die Übernahme in der kurzen Zeit durchzuführen, so Maucher weiter. Zwischen der ersten Begegnung mit den neuen Mitarbeitern im Juli 2013 und der Eröffnung haben nur zwei Monate gelegen. In dieser Zeit blieb der Markt wegen Umbaumaßnahmen komplett geschlossen.

Über Promarkt

Promarkt war bis 2013 eine Tochter der Kölner REWE Group. In den ehemals 69 Fachmärkten wurden überwiegend Artikel der Unterhaltungselektronik vertrieben. Am 16. Mai 2013 gab REWE bekannt, sich von Promarkt zu trennen. Im Anschluss daran gingen 18 Filialen an expert, 10 an ElectronicPartner und 4 an Euronics.

Warum gibt es Promarkt nicht mehr?

Es gibt eine Reihe von Gründen, die für das Scheitern der Elektronikkette Promarkt verantwortlich sind. Anbei ein Überblick über die wichtigsten 5 davon:

Schwierige Vergangenheit

Um Promarkt stand es schon damals nicht gut, als Rewe im Jahr 2003 58 Standorte des britischen Kingfisher-Konzerns übernahm. Das Unternehmen schaffte es nie, sich dauerhaft neben Branchengrößen wie Mediamarkt und Saturn zu etablieren. Entsprechend negativ waren die Bilanzen. Der Umsatzrekord von 550 Millionen Euro, der im Jahr 2009 erzielt wurde, war lediglich ein einmaliger Erfolg, an den die Unternehmensführung später nicht mehr anknüpfen konnte. Negativ wirkte sich auch der Konkurrenzkampf mit der Wegert-Gruppe aus, die zunächst unter dem Markennamen MakroMarkt firmierte. Nachdem die Märkte der Wegert-Gruppe Insolvenz anmeldeten, wurden sie ebenso wie die Online-Marke Promarkt.de von Rewe übernommen. Diese Übernahme markiert auch den Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens. Die Umsätze fielen in einem sich verschlechternden Marktumfeld rapide.

Zu wenige Standorte

In puncto Filialdichte und Umsatzvolumen war Promarkt klares Schlusslicht der deutschen Elektronikmärkte. Während Media Markt und Saturn zu Beginn des Jahres 2013 254 bzw. 150 Standorte hatten, waren es bei Promarkt gerade einmal 50 – 70. Entsprechend groß waren die Einkaufsvorteile, von denen die großen Ketten profitierten.

Mangelhafter Service

Eine weitere Schwäche offenbarte sich bei ProMarkt Bonn und ProMarkt Köln im Service. Laut einer Studie, die das Deutsche Institut für Servicequalität im Jahr 2013 durchführte, waren ProMarkt-Verkäufer nur unzureichend in der Lage, sich auf die Vorstellungen der Kunden einzustellen. Auch haben lange Wartezeiten und Falschaussagen in Beratungsgesprächen zu dem schlechten Ergebnis geführt. Wenn man bedenkt, dass der Service in Zeiten austauschbarer und massenhafter Angebote mit wenigen Alleinstellungsmerkmalen entscheidendes Kaufkriterium ist, wird einmal mehr deutlich, wieso das Projekt ProMarkt letzten Endes scheiterte.

Keine Alleinstellungsmerkmale

Da Filialen wie ProMarkt Köln und ProMarkt Bonn verhältnismäßig klein war, konnte das Unternehmen nicht von Einkaufsvorteilen profitieren, wie sie beispielsweise Saturn in Anspruch nimmt. Weiterhin waren die Marktflächen mit durchschnittlich 3.000 Quadratmetern deutlich kleiner als die der Konkurrenz . So konnte ProMarkt zwar ein Vollsortiment anbieten, aber nicht in die Tiefe gehen und vor allem speziellere Kundenwünsche nicht erfüllen.

Die falsche Online-Strategie

Der fünfte Grund für das Scheitern von ProMarkt besteht in einer schlechten Online-Strategie. So bot Rewe ab 2009 kein eigenes E-Commerce-Angebot, sondern lediglich zusätzliche Informationen zum Angebot in ihren Filialen an. Auch ein umfangreicher Relaunch der E-Commerce-Plattform Promarkt.de brachte 2010 nicht den gewünschten Erfolg. Die Preise für die Online-Angebote waren genau so hoch wie im stationären Handel. Auf diese Weise verschenkte man die Möglichkeit, Schnäppchenjäger im Internet mit einer aggressiven Preispolitik zu locken. Stattdessen erhöhte man den Druck auf das marode Filialnetz. Durch die zusätzlichen Multichannel-Abhol- und Rückgabemöglichkeiten erhöhten sich zusätzlich die Komplexität und die Kosten.

(Christian Weis)


 


 

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