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Eisbrecher für Seedfinanzierung - Interview mit Dr. Michael Brandkamp

„Ziel ist es nicht, die unterstützen Unternehmen durchzufinanzieren“

business-on.de: In den zurückliegenden zwei Jahren investierte der HTGF in 71 Neugründungen. Gibt es schon Erfahrungen darüber, ob das Beteiligungskapital von bis zu 500 TEUR ausreichend ist, um marktreife Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln?

Dr. Michael Brandkamp: Zusätzlich zu den 500 TEUR können sich Business Angels, Seedfonds und andere Investoren mit 100 TEUR engagieren. Auch die Gründer müssen eigenes Geld mitbringen. Unser Ziel war nie, die von uns unterstützten Unternehmen durchzufinanzieren. Vielmehr wollen wir mit unserer Startfinanzierung zu Ergebnissen gelangen, die anderen Investoren eine Beteiligung ermöglichen. Inzwischen haben 15 der anfinanzierten Unternehmen eine Anschlussfinanzierung erhalten. Damit können wir bislang zufrieden sein.

business-on.de: Ganz aktuell ist die Nachricht, dass sich der HTGF und der Seedfonds der Bayern Kapital gemeinsam mit einer Bioscience VC-Gruppe an der Diaferon GmbH in München beteiligen. Die Basis der Entwicklungsaktivitäten der Diaferon GmbH ist eine patentierte Plattformtechnologie zur therapeutischen Anwendung von Medikamenten, so in der Pressemeldung zu lesen. Es handelt sich dabei um ein neuartiges pharmakokinetisches System. Wer wird von dieser Entwicklung, wenn sie auf dem Markt ist, profitieren?

Dr. Michael Brandkamp: Das Unternehmen Diaferon strebt an, bereits auf dem Markt befindliche Medikamente, deren Einnahme mit hohen Nebenwirkungen verbunden ist, durch eine bessere biologische Verfügbarkeit besser verträglich zu machen und damit die Nebenwirkungen für den Patienten zu reduzieren.

Ein gewisser Unsicherheitsfaktor bleibt immer

business-on.de: Wird im Vorfeld geprüft, welche Marktchancen die Neuentwicklung haben wird? Z.B., ob die Krankenkassen in dem konkreten Fall die Kosten übernehmen?

Dr. Michael Brandkamp: Die Frage, ob die Krankenkassen diese Medikamente erstatten werden, wird zwar im Vorfeld geprüft. Aber es ist schwierig, eine verbindliche Antwort zu geben. Denn das Produkt wird frühestens in vier bis fünf Jahren auf den Markt kommen und bis dahin sind die regulatorischen Anforderungen vielleicht schon wieder ganz andere. Es bleibt daher ein gewisser Unsicherheitsfaktor. Für uns ist wichtig, dass für den Patienten ein echter Nutzen gegeben ist und dass es dafür tatsächlich einen Markt gibt. Viele unserer Unternehmen, die neue Medikamente entwickeln, adressieren einen Markt in Milliardenhöhe, weil oft neue und innovative Ansätze zur Behandlung weit verbreiteter Krankheiten im Mittelpunkt stehen.

business-on.de: Wie hoch schätzen Sie das Risiko für Investoren ein?

Dr. Michael Brandkamp: Das Risiko ist im Frühphasenbereich hoch, das muss man ganz klar sagen. Da ist zum einen das Management, das zum ersten Mal zusammenarbeitet. Es gibt ein Marktrisiko, da es sich um Innovationen handelt, für die noch ein Absatzmarkt geschaffen werden muss. Diesen hohen Risiken stehen keine Sicherheiten gegenüber, die typischerweise ein privater Investor braucht. Deswegen scheidet hier Bankfinanzierung aus und auch die meisten Eigenkapitalgeber halten sich zurück. Aufgrund dessen haben wir den HTGF ins Leben gerufen.

business-on.de: Gibt es in anderen Ländern mehr Bereitschaft zur Seedfinanzierung, z.B. in den USA?

Dr. Michael Brandkamp: In dem Bereich, in dem wir uns bewegen, ist auch in Amerika sehr schlecht Geld zu bekommen. Sie haben zwar eine ausgeprägtere Business Angel-Szene, d.h. private Investoren sind eher als in Deutschland geneigt, in frühe Projektphasen Geld zu investieren. Aber auch in Amerika gibt es Unterstützung von staatlicher Seite, die so genannten SBIC-Programme (Small Business Investment Program). Im europäischen Ausland hat man sehr viel kleine öffentliche Technologietransferfonds eingerichtet. Darin unterscheidet sich der HTGF, weil er als zentrale Institution für ganz Deutschland aktiv ist.


 


 

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1 Kommentar

von Alfred von Frankenbe
18.11.10 01:52 Uhr
zu HTGF

Eine super gute Info, in der heutigen sehr schweren BRD-Finanz-
lage!

Weiter so, beste Grüße
Alfred von Frankenberg

 

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