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Elisabeth Slapio

Entwicklung als Herausforderung

Weiterentwicklung durch neue Aufgaben

business-on.de: Damals waren Sie die erste Frau mit Verantwortung für ITK in einer Top-Position als Geschäftsführerin und eine der ganz wenigen Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten mussten. Beachtenswert ist auch, dass Sie erst 36 waren, als Sie zur Geschäftsführerin ernannt wurden. Haben Sie bewusst auf diese Karriere hingearbeitet?

Elisabeth Slapio: Diesen Karriereplan, den heute junge Leute oft haben und der auch von Managementberatern gelegentlich empfohlen wird, hatte ich nie. Für mich gab und gibt es eine Leitlinie und die beinhaltet, dass Menschen gute Leistungen dann erbringen können, wenn sie zur richtigen Zeit, am richtigen Ort mit den richtigen Rahmenbedingungen arbeiten können. Mit jeder neuen Aufgabe wurde für mich ein Prozess angeschoben, der eine Weiterentwicklung war. Ob es Glück, Förderung oder Schicksal war, ist Ansichtssache. Sicher ist, ich habe immer zu bestimmten Zeiten Chancen gesehen oder angeboten bekommen. Im Prinzip habe ich das getan, was man jungen Leuten als modernes Job-Hopping empfehlen sollte: Erweitert eure Aufgaben, öffnet euch für neue Aufgaben.

business-on.de: Wurde der Grundstein für Ihre Flexibilität und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem im Elternhaus gelegt?

Elisabeth Slapio: Ja, ich wurde sehr fortschrittlich erzogen. Das heißt, es gab keine Rollenbilder nach dem Motto, das machen nur Jungs und dies nur Mädels. Und die Eltern haben mir das Studium ermöglicht.

business-on.de: Ich habe den Eindruck, dass früher die Berufsmöglichkeiten besser waren. Täuscht der Eindruck? Oder steht sich die heutige Generation selbst im Weg?

Elisabeth Slapio: Ich glaube, dass jede Generation Phasen hat, in der eine Einengung der Möglichkeiten gegeben ist. Wir beobachten heute, dass viele Absolventen aus dem dualen System oder aus dem Hochschulsystem ausgeprägte Zukunftsängste haben, weil die Zeiten, in denen man immer schneller aufstieg und es immer besser dotierte Jobs gab, vorbei sind. Man könnte auch sagen, dass die Generation Golf passé ist, abgelöst von der Generation Praktikum. Speziell den Jüngeren fehlt die Vorstellungskraft, dass wir uns in einem Prozess befinden, der sich gigantisch verändert. Und das ist die eigentliche Chance für zukünftige Generationen. Aus meiner Sicht wird auch unterschätzt, dass die heutige Quantität und Komplexität des Wissens nur beherrschbar ist, wenn zugleich ein Mindestmaß an methodischer Fertigkeit vorliegt. Die Google-Generation hat zwar den Vorteil, dass sie zwei Stichworte eingibt und die Lösung hat, aber sie hat nicht gelernt, Prozesse methodisch zu erarbeiten. In meiner Studienzeit wurden wir noch regelrecht auf methodische Vorgehensweisen getrimmt. Heute weiß ich, wie wichtig das war.

Praxisnahe Handlungsempfehlungen und persönliche Kontakte

business-on.de: Im Rahmen der Branchenbetreuung werden in Ihrer IHK viele mittelständische Unternehmen betreut. Wie sieht das Angebot konkret aus?

Elisabeth Slapio: Industrie- und Handelskammern bieten von der Gründungsberatung bis zur Insolvenzprophylaxe ein breites Spektrum an Informationen und Beratung. In der Branchenbetreuung ist entscheidend, dass wir praxisnahe Handlungsempfehlungen durch unsere Fachgremien erhalten. Viele Unternehmen engagieren sich ehrenamtlich in Ausschüssen und Wirtschaftsgremien, die die Nähe zum Bedarf der Einzelnen, aber auch zu den jeweiligen Standorten im IHK-Bezirk sichern. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, die besonderen mittelständischen Belange der Unternehmen im Blick zu haben. Dies geht nicht ohne viele persönliche Kontakte zu Unternehmerinnen und Unternehmern, aber auch zu den fachlichen Partnern im Kommunalbereich, in Verbänden, an Universitäten und Fachhochschulen.

business-on.de: Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Elisabeth Slapio: Eines meiner Ziele ist eine gewisse Authentizität im Sinne einer persönlichen Geradlinigkeit. Ich möchte weiterhin ein "Näschen" haben für Chancen und Entwicklungen, die sich abzeichnen. Ohne jetzt pathetisch zu klingen, ich möchte meinem Umfeld etwas zurückgeben von den Chancen, die sich mir geboten haben. Natürlich hoffe ich, bei geistiger Frische möglichst lange gesund zu bleiben und bei aller Freude an der Arbeit, auch die richtige Work-Life-Balance in einem ausgeglichenen privaten Umfeld zu finden.

business-on.de: Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit?

Elisabeth Slapio: Ein Teil meiner Freizeit verbringe ich mit gesellschaftlichen Engagements. Ich gehöre beispielsweise Soroptimist International an. Das ist eine weltweite Frauenorganisation, die sich mit gesellschaftlichen und sozialen Themen beschäftigt. Außerdem bin ich sehr interessiert an Literatur und Kunst und gemeinsamen Aktivitäten im Familien- und Freundeskreis. Die Impulse von außen sind wichtig, um neue Kräfte aufzutanken.

business-on.de: Sie reisen auch gern. Was sind Ihre Lieblingsziele?

Elisabeth Slapio: Ich wechsele gerne zwischen Entspannungsurlaub und Erkundungsreisen in die große weite Welt. Dazu zählen der Abstecher nach New York genauso wie die Erholung in unserer Region, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

(Karin Bäck)


 


 

Elisabeth Slapio
IHK Köln
Dr. Renate Jäger
Professor Dr. Heinz Hübner
Karin Bäck

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1 Kommentar

von Kathrin Fuchs
17.02.08 13:17 Uhr
Karriere

Spannend zu lesen. Spornt mich an im Beruf etwas mehr zu geben und auch Karriere zu machen.

 

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