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EM 2016

„Eine Kneipe ohne Fernseher hat momentan ein Problem“

„Wenn Deutschland spielt, ist die Hütte hier voll“, sagt Hella zum Felde, während sie ein Kölsch zapft. Die Wirtin vom „Trierer Eck“ in der Kölner Altstadt hat ihre Fingernägel schwarz-rot-gold lackiert, ihre Kneipe ist mit Fahnen aller EM-Teilnehmer geschmückt. „Solche Ereignisse machen immer was aus, das lohnt sich für uns.“ Die Wirtin ist nur eine von vielen Kölnern, die sich die Fußball- Europameisterschaft zunutze machen.

Eine Kneipe ohne Fernseher hat momentan ein Problem“, bringt es Mathias Johnen auf den Punkt. Der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Nordrhein weiß von vergangenen Großereignissen – wie der Fußball- Weltmeisterschaft vor zwei Jahren – wie sehr Köln davon profitieren kann. „Wer momentan kein Fußball zeigt, der hat nicht nur keine Chance auf Laufkundschaft, im schlimmsten Fall verliert er auch noch seine Stammkunden.“ 51-mal rollt der Ball während der vier EM-Wochen in zehn verschiedenen Stadien des Gastgeberlands Frankreich. 24 Mannschaften haben sich für das Turnier qualifiziert. „Köln ist eine weltoffene Stadt – wir haben hier jede Nation der EM vor Ort“, sagt Johnen. „Das ist sicherlich auch ein Grund, warum ein Großteil der Kneipen und Restaurants nicht nur die Deutschland-Spiele, sondern alle Partien überträgt.“ Und das lohnt sich: Auf 10 bis 15 Prozent schätzt Johnen den zusätzlichen Gewinn der Kneipen und Restaurants durch die Übertragung der EM. Das kann Hella zum Felde bestätigen. Zwar nennt die Wirtin keine genauen Zahlen, fest steht aber: „Die EM bringt uns schon ein gutes Plus in die Kasse.“ Bei Spielen der deutschen Nationalelf ist das „Trierer Eck“ bis auf den letzten Platz gefüllt, aber auch bei anderen Spielen – selbst wenn diese schon um 15 Uhr beginnen – sitzen einige Gäste vor den Fernsehern. „Am Wochenende läuft es bei uns sowieso sehr gut“, sagt Hella zum Felde. „Aber unter der Woche merken wir, dass durch die EM schon mehr Leute kommen.“ Und nicht selten sitzen diese draußen vor der Kneipe, wo auch ein Fernseher steht. „Die Leute wollen raus, selbst wenn das Wetter, wie bei den ersten Spielen, nicht wirklich gut ist“, weiß Mathias Johnen. „Wer keinen Außenbereich hat, hat wieder einen Nachteil.“ Doch dafür gibt es eine Lösung: „Es besteht die Möglichkeit, Parkplätze für die Zeit der EM umwidmen zu lassen.“ Hat ein Kneipen- oder Restaurantbesitzer einen Parkplatz nebenan, kann dieser, mit einer entsprechenden Genehmigung der Stadt, für einen bestimmten Zeitraum genutzt werden. „Aktuell gibt es da noch nicht so viele Anfragen, aber wenn das Wetter besser wird, dann könnte sich das schnell ändern.“

Zwar profitieren die Gastronomen durch die meist späten Anstoßzeiten und die Tatsache, dass Köln im europaweiten Vergleich recht wenige Pendler hat – die Menschen also nicht nur in Köln arbeiten, sondern auch dort leben. Aber es gibt auch Punkte, die ihnen nicht unbedingt in die Karten spielen – allen voran das Wetter. „Klar, wenn es draußen schüttet, überlegt man sich zweimal, ob man wirklich noch vor die Tür geht oder sich das Spiel nicht lieber einfach zuhause auf dem Sofa anschaut“, sagt Johnen. „Wären Ferien oder wäre die EM zum Monatsanfang gestartet, ließen sich sicherlich auch noch ein paar Euro mehr Gewinn machen.“

Kleinere Public Viewings gibt es zwar, ein großes – wie etwa bei der WM 2006 an der Lanxess-Arena oder auf dem Roncalli- Platz – fehlt jedoch. Dafür gibt es mehrere Gründe, wie Mathias Johnen weiß: „Wer in seiner Kneipe einen Fernseher aufstellt, zahlt dafür kaum GEMA-Gebühren. Bei einem Public Viewing hingegen sind diese deutlich teurer und auch die UEFA verlangt dann Lizenzgebühren.“ Auch die Sicherheit muss gewährleistet werden, was nach den weltweiten Terroranschlägen deutlich aufwändiger und dementsprechend teurer geworden ist. „Es ist schwierig, diese Kosten durch Speisen, Getränke und Eintritt wieder reinzubekommen.“

Doch nicht nur Kneipen und Restaurants profitieren von der Fußball-Begeisterung. Auch Kioskbesitzer und Einzelhändler reiben sich die Hände. „Fanartikel, Bier und Grillwürstchen sind momentan natürlich sehr begehrt“, weiß Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin der IHK Köln. „Wer spontan Besuch zum Fußballgucken bekommt, läuft beispielsweise noch mal schnell zum Kiosk, um Bier-Nachschub zu holen. Das bringt zusätzliche Einnahmen.“ Wie viel das ist, hängt mit dem Abschneiden der DFB-Elf zusammen. „Scheidet Deutschland aus, dann bleiben viele Einzelhändler auf ihren Fan-Artikeln sitzen. Aber das wollen wir mal nicht hoffen.“ Auch Hella zum Felde drückt Deutschland extra fest die Daumen. „Fliegt Deutschland raus, wird das Interesse sicherlich deutlich sinken. Daher hoffe ich natürlich, dass wir möglichst weit kommen“, sagt sie lächelnd und widmet sich wieder ihrem Zapfhahn und den fußballbegeisterten Gästen.

Der Artikel erschien in der dritten Ausgabe von DIE WIRTSCHAFT im Juli 2016.

(Die Wirtschaft)


 


 

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