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Energiewende

„Durch eigens produzierten Ökostrom Stromkosten sparen“

Mit trauriger Regelmäßigkeit kündigt sich auch für die kommenden Monate eine neue Strompreiserhöhung an und der Ruf nach alternativen Energiequellen wird immer größer. business-on.de sprach mit Thorsten Schumacher, einer der Geschäftsführer von de-energie, dem Full-Service Anbieter für Photovoltaik-Anlagen, Speichersysteme und LED-Technik aus Gummersbach, über die Zukunft des Energiemarktes.

Nach über einem Jahr nach dem spektakulär verkündeten Stopp der atomaren Energie, scheint die Energiewende immer noch nicht richtig in Gang zu kommen. Erst Mitte des Jahres gab die Bundesregierung bekannt, die Vergütung für Solarstrom, der einst als dezentrale Möglichkeit, Strom zu produzieren, gefeiert wurde, stark reduzieren zu wollen. Der Umweltminister empfahl ebenfalls den Ausbau der Photovoltaik-Anlagen zu bremsen. Das Hin und Her verunsichert den Endverbraucher, der mit Graus auf seine kommende Stromrechnung, für die abermals eine Erhöhung von satten zwölf Prozent angekündigt wurde, wartet.

business-on.de sprach mit Thorsten Schumacher, einer der Geschäftsführer von de-energie.de, dem Full-Service Anbieter für Photovoltaik-Anlagen aus Gummersbach, über die Zukunft des Energiemarktes.

business-on.de: Herr Schumacher, hat die Energiewende bereits jetzt ihren Zenit erreicht?

Thorsten Schumacher: Im Gegenteil, wir stehen erst am Anfang der Energiewende. In Anbetracht der Alternativen wird es keine andere Möglichkeit geben, als verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen. Die fossilen Brennstoffe sind endlich und die atomaren, die im Übrigen weitaus mehr gefördert werden, als die erneuerbaren Energien, zu gefährlich. Die Sonne hingegen bietet eine unerschöpfliche Energiequelle ganz ohne Abgase. Hinzu kommt, dass schon jetzt der Ökostrom, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen besteht, preislich unterhalb des Grundtarifs vor Ort liegt und damit wirtschaftlich für den Endverbraucher eine immer attraktivere Alternative zum herkömmlichen Strom bietet. Der Grund, weshalb insbesondere Photovoltaik dermaßen in der Kritik steht, hat eher wirtschaftliche Gründe. Wer sich als Endverbraucher mittels einer eigenen Solaranlage so gut wie selbstständig mit Strom versorgen kann, bringt der Industrie kein Geld mehr ein.

Thorsten Schumacher: „Die Lobby der Energieversorger droht mit Arbeitsplatzverlust“

business-on.de: Vor allem in den Leitmedien schneidet die Photovoltaik oft nicht besonders gut ab und wird gegenüber dem Endverbraucher häufig als Kostentreiber der Energiewende dargestellt. Woran liegt das?

Thorsten Schumacher: Der Lobbyismus der Energieversorger leistet gute Arbeit. Photovoltaikanlagen mit Energiespeicher sind in der Lage bis zu 80 Prozent autark Strom zu produzieren. Dadurch sinkt der industrielle Einfluss auf den Markt. Entgegensteuernd drohen die Lobbyisten mit Arbeitsplatzverlust.

business-on.de: Wieso wurden dann regenerative Energieanlagen zumindest anfänglich gefördert?

Thorsten Schumacher: Anfang 2000 wurde das deutsche Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (A.d.R. Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG), welches die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz regelt, ins Leben gerufen. Um einen Anreiz zu bieten, wurden den Erzeugern feste Einspeisevergütungen versprochen. Insbesondere die Photovoltaikanlagen als dezentrale Möglichkeit, Strom zu produzieren, schienen interessant und wurden entsprechend gefördert.
In der Folge bauten Investoren große Parkanlagen im Millionenbereich, um daraus Geld zu machen. Immerhin lag die Rendite zwischenzeitlich bei 15 Prozent.
Durch die daraus resultierende Nachfrage musste der Staat die Einspeisevergütung nach unten korrigieren, die Anlagenpreise sanken und die EEG-Umlage stieg durch höhere Zubauzahlen deutlich an und wird mit wachsendem Anteil an erneuerbaren Energien weiter steigen. Im Endeffekt ist der Endverbraucher der Leittragende, da sich die Preisspirale zu Lasten auswirkt. Mittlerweile sinkt die Einspeisevergütung wieder drastisch.

business-on.de: Kann sich mit dieser Entwicklung eine Solaranlage, unabhängig vom womöglich erleichterten Gewissen - überhaupt lohnen? Das Auf und Ab der Politik muss den Kunden zwangsläufig verwirren.

Thorsten Schumacher: Das stimmt. Auf der anderen Seite rückt auch die negative Presse das Thema der regenerativen Energiequellen weiter in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch wenn die Einspeisevergütung sinkt, so wird sie dennoch vom Staat für 20 Jahre garantiert. Dazu kommt noch das Jahr der Inbetriebnahme. Wer also im Januar baut, bekommt sozusagen ein Jahr geschenkt. Dadurch rentiert sich eine Anlage über die Jahre gerechnet. Hinzu kommt die Ersparnis durch den autonom produzierten Strom. Die Rechnung beim Energieversorger wird nach der Anschaffung einer Photovoltaikanlage geringer ausfallen. Außerdem werden die Photovoltaik-Anlagen immer günstiger. Hat eine fünf KW-Anlage für einen drei bis vier Personenhaushalt noch vor fünf Jahren an die 40.000 Euro gekostet, so ist sie heute mit 7.500 bis 10.000 Euro erschwinglich geworden.

„Mit einer Photovoltaik-Anlage freut sich der Verbraucher sogar über Strompreiserhöhungen“

business-on.de: In Hinblick auf die Erhöhung der EEG-Umlage und der daraus resultierenden Erhöhung der Strompreise um geschätzte 12 Prozent, graut es den meisten Kunden vor der kommenden Stromrechnung. Genau bei diesem Szenario wird für Solaranlagen argumentiert. Wo genau liegen die Vorteile der heimischen Energieanlage? Was lässt sich sparen und wie grün ist der eigens produzierte Strom wirklich?

Thorsten Schumacher: Mit einer Solaranlage macht sich der Kunde unabhängig vom Energieversorger. Er produziert 100 prozentigen Ökostrom und spart dabei noch Stromkosten ein. Den selbst produzierten Solarstrom gibt es mit der eigenen Photovoltaikanlage auf dem heimischen Dach schon für 14,8 Cent netto je Kilowattstunde. Wird der Strombezugspreis des aktuellen Energieversorgers mit 23,04 Cent netto zugrunde gelegt, ergibt sich eine Ersparnis von 8,24 Cent/kWh oder rund 35 Prozent. Da die Energiepreise weiter steigen werden, wächst die Ersparnis in der Höhe der Preissteigerung. Somit wird die Solaranlage wird mit jeder Preiserhöhung ökonomisch wertvoller und der Kunde kann sich über Erhöhungen sogar noch freuen.

business-on.de: Reicht die eigene Solaranlage auf dem Dach, um die komplette Familie mit Elektrik zu versorgen, oder muss anderweitig für zusätzlichen Strom gesorgt werden?

Thorsten Schumacher: Die Photovoltaik-Anlage mit einem integrierten Akku-System erreicht eine 70 bis 80 prozentige Eigenversorgung, sprich eine beinahe vollständige Unabhängigkeit vom Industriestrom. Jedoch ist die Anlage letztendlich abhängig von den Wetterverhältnissen. Der Kunde sollte sein Verbrauchsverhalten entsprechend der Anlage anpassen, zum Beispiel seinen Stromverbrauch so gut es geht auf die Zeit, in der die Anlage selbst Strom produziert konzentrierten und Spül-, Waschmaschine und Trockner tagsüber laufen lassen. Nachts dann greift die Anlage auf die im Energiespeicher gehaltene Energie zurück.
Aber der Sicherheitsgedanke der Menschen spricht im Grunde gegen eine sogenannte Inselproduktion. Obwohl es möglich wäre, sich vollkommen autark mit Energie zu versorgen, wollen wir Menschen auf Nummer sicher gehen und bleiben somit am industriellen Netz angeschlossen.

business-on.de: Eineinhalb Jahre nach dem Atomausstieg, wo steht Deutschland in Sachen Energiewende?

Thorsten Schumacher: Noch ganz am Anfang und das obwohl wir im internationalen Vergleich eine führende Position eingenommen haben. Die Lobby der Energieversorger nimmt noch einen zu großen Einfluss auf die Politik, als dass die angestrebte Energiewende wie versprochen realisiert werden könnte. Es wird noch Jahre dauern, bis der Anteil der erneuerbaren Energien auf 30 oder gar 50 Prozent gestiegen ist.

business-on.de: Wo sehen Sie die Zukunft der Erneuerbaren Energien?

Thorsten Schumacher: Ich hoffe, dass sie vom Endverbraucher entschieden wird. Innerhalb der vergangenen Jahre ist bereits viel passiert; das Thema Energie ist bei den Menschen angekommen, die sich aktiv mit dem Für und Wider der verschiedenen Energiequellen auseinanderzusetzen beginnen. Während vor fünf Jahren der Kundenstamm der Erneuerbaren Energien noch bei unter fünf Prozent lag, interessieren sich jetzt weitaus mehr Menschen für stromproduzierende Alternativen. Durch die Medien und eben auch durch die ständig steigenden Strompreise ist das Thema stärker ins Bewusstsein gerückt. Letztendlich ist es das, was eine Veränderung ausmacht.

business-on.de: Herr Schumacher, vielen Dank für das Interview!

(Redaktion)


 


 

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