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Jahreszeit bringt leichte Erholung auf dem Arbeitsmarkt - BA-Chef Weise sieht noch keine Trendwende

(ddp). Leichte Entspannung am Arbeitsmarkt, aber noch keine Trendwende: Das ist das Fazit der Zahlen für Mai, welche die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg bekanntgab. Demnach sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 127 000 auf jetzt 3,458 Millionen Menschen. «Das entspricht nahezu dem jahreszeitlich üblichen Rückgang», sagte der BA-Vorsitzende Frank-Jürgen Weise.

Saisonbereinigt sehe es etwas besser aus als in den Vormonaten. Damit sei die Quote verglichen mit April um 0,4 auf 8,2 Prozent gesunken. Somit ergab sich im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Zunahme von 175 000. Berechnet man die durch Änderungen des Sozialgesetzbuches aus der Statistik Genommenen hinzu, die nicht durch die BA sondern durch Dritte vermittelt oder qualifiziert werden, ergibt sich ein Zuwachs von rund 200 000.

Der BA-Chef unterstrich, dass die Rezession tiefe Spuren im Arbeitsmarkt hinterlasse. «Die entscheidende Frage ist jetzt nicht mehr 'Wie tief ist die Krise?', sondern 'Wie lange dauert sie?'», sagte Weise. Er erwarte eine kritische Entwicklung im August, wenn viele Firmen nach den Werksferien Mitarbeiter entließen, Zeitverträge nicht verlängerten und nicht neu einstellten. Unter dem Strich wiederholte er aber seine Einschätzung, dass der Arbeitsmarkt sich erstaunlich widerstandsfähig zeige: «Tatsächlich scheint Deutschland mit dieser Krise ganz gut umzugehen.» Die Firmen versuchten, Mitarbeiter so lange wie möglich zu halten, die Arbeitnehmer zeigten sich flexibel und auch das Handeln des Staates trage zur Abmilderung der Krise bei. Er sei «sehr sicher», dass vor September die Vier-Millionen-Marke nicht überschritten werde, auch im November und Dezember sei dies «eher unwahrscheinlich».

Nach Einschätzung der BA-Spitze ist bei der Kurzarbeit der Höchstwert erreicht, dieser werde nicht weiter steigen. Weise bezifferte die Zahl im März auf 1,11 Millionen Kurzarbeiter, das entspreche 362 000 Vollzeitstellen. Insgesamt hätten 96 000 Betriebe für knapp 2,8 Millionen Mitarbeiter seit Oktober 2008 Kurzarbeit angezeigt, ergänzte BA-Vorstand Raimund Becker. Regionale Schwerpunkte gebe es etwa in Landshut, wo jeder fünfte Arbeitnehmer davon betroffen sei. Ebenfalls überdurchschnittlich sei der Wert in Rottweil, Nagold, Villingen/Schwenningen sowie im Sauerland.

Weise verteidigte die von der Bundesregierung im Dezember beschlossene neue Erfassung der Arbeitslosenzahlen. Dabei werden etwa Menschen, die durch Dritte vermittelt und qualifiziert werden und dem Arbeitsmarkt so nicht zur Verfügung stehen, nicht mit gerechnet. «Für unsere Arbeitsweise ist das in Ordnung», kommentierte der BA-Chef die Reform. Entscheidend sei ohnehin die Zahl derjenigen, die als arbeitssuchend gelten, zur Zeit 5,8 Millionen Menschen. Um die werde man sich kümmern, «es geht keiner verloren». Vorstandskollege Heinrich Alt unterstrich, im Gegenzug habe man ja seit Ende des vergangenen Jahres wieder über 58-Jährige in der Statistik. Zudem habe Deutschland im internationalen Vergleich mit die strengste Definition von Arbeitslosigkeit. «Wenn Holland nach unserem Recht zählen würde, hätten sie doppelt so hohe Zahlen», sagte er.

Den neuen Werten zufolge ergibt sich in den neuen Bundesländern ein Rückgang der Quote im Vergleich zu April von 13,9 auf 13,3 Prozent. In Westdeutschland fiel der Rückgang deutlich schwächer aus, von 7,2 auf jetzt 6,9 Prozent. Spitzenreiter ist erneut Bayern mit 4,7 Prozent vor Baden-Württemberg mit 5,1 Prozent. Schlusslicht ist jetzt nicht mehr Mecklenburg-Vorpommern mit 13,6 Prozent, sondern Berlin mit 14,2 Prozent. Knapp davor rangiert Sachsen-Anhalt mit 14,0 Prozent.

Von ddp.djn-Korrespondent Ralph Bauer

(ddp)


 


 

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