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Euro zeigt sich auch 2010 von seiner starken Seite

(ddp.djn). Der Euro dürfte auch im kommenden Jahr Stärke zum Dollar zeigen und damit den Trend der vergangenen zwölf Monate fortsetzen. Die von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragten Banken und Broker erwarten im Mittel ihrer Prognosen, dass die Gemeinschaftswährung Ende 2010 bei 1,45 Dollar notieren wird.

Damit würde sie auf dem Niveau gehandelt, auf dem sie auch das noch wenige Tage laufende Jahr beenden dürfte.

Wichtigster Grund für die Prognose einer anhaltenden Schwäche des Dollar sind die verglichen mit 2009 kaum veränderten Rahmenbedingungen für das Währungspaar. Ungeachtet dessen könnte sich der Greenback im kommenden Jahr jedoch über einen längeren Zeitraum von einer stärkeren Seite zeigen. In einer Hinsicht werden sich die Szenarien allerdings deutlich unterscheiden: Die Volatilität des Wechselkurses dürfte deutlich zunehmen.

Als Hauptbelastungsfaktor für den Dollar hat sich im noch laufenden Jahr der Zinsunterschied zwischen den USA und dem gemeinsamen europäischen Währungsgebiet erwiesen. Diese Renditedifferenz wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch 2010 bestehen und für anhaltenden Verkaufsdruck auf die US-Landeswährung sorgen.

«Vor dem dritten Quartal wird keine der bedeutenden Zentralbanken ihr Leitzinsniveau anheben», sagt etwa Stefan Keitel, Global Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung der Credit Suisse.

Selbst sich in den nächsten Monaten weiter deutlich aufhellende Konjunkturindikatoren dürften die US-Notenbanker seiner Meinung nach nicht zur baldigen Aufgabe ihres ultralockeren geldpolitischen Kurses verleiten. «Die Federal Reserve wird erst dann mit der Zinswende beginnen, wenn sie sicher ist, dass sie auch das letzte Risiko einer Deflation aus dem Markt gespült hat», erklärt Keitel. Diese Gefahr werde von den Währungshütern um US-Notenbankchef Ben Bernanke als das verglichen mit einer Inflation größere Übel angesehen.

Damit bliebe der Anreiz für die Carry Trader, sich angesichts des weltweit konkurrenzlos billigen Geldes in den USA in Dollar zu verschulden, auch über einen großen Teil der kommenden zwölf Monate erhalten. Schon 2009 waren sie die eigentliche Triebfeder der Aufwertung des Euro zum Dollar. Denn in der «Mutter aller Zinsdifferenzgeschäfte» nahmen die Carry Trader in Dollar denominierte Darlehen auf und investierten diese Mittel vorwiegend an den europäischen Aktienmärkten. Die Folge des Tauschs von Greenback in Gemeinschaftswährung: Ein erstarkender Euro und ein sich abschwächender Dollar.

2010 allerdings wird den Carry Tradern ihr Geschäft wohl nicht mehr so leicht wie in den vergangenen zwölf Monaten fallen. Denn nach der im März einsetzenden Rallye erscheinen europäische Aktien, 2009 die Zielvermögenswerte der Wahl, mittlerweile recht teuer.

Was für ein Unterschied zur Situation im Sommer dieses Jahres, als die Zinsdifferenzgeschäfte wieder das Niveau der Zeit vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers erreichten: Seinerzeit trieben die Carry Trader nicht nur den Wechselkurs der Gemeinschaftswährung nach oben, sondern auch die Bewertungen an den Börsen des alten Kontinents. Und die Aussicht auf einen gleich doppelten Profit aus Aktien- und Wechselkursgewinn verführte immer mehr Investoren dazu, auf die gleiche Masche zu setzen - die Hausse nährte die Hausse.

Von Jörg E. Jäger

(ddp)


 


 

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