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Montageanleitung für eine bessere europäische Währungsunion

Der Euro sei kurz vor seinem Ende, hört man in regelmäßigen Abständen. Eine sehr konstruktive Auseinandersetzung mit dem Problem „Euro“ bieten Nicolaus Heinen, Jan Mallien und Florian Toncar in ihrem Buch „Alles auf Anfang“. Auch sie meinen, dass es so mit dem Euro nicht weitergeht. Neben gut verständlichen Erklärungen, warum das so ist, zeigen sie überzeugende Wege, um aus dieser Schieflage wieder herauszukommen.

„Europa steckt in seiner größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagen die Autoren dieses Buches. Als einen der Hauptakteure dieser Krise haben die Autoren die Europäische Zentralbank (EZB) ausgemacht, die „mit immer neuen geldpolitischen Kunstgriffen“ versucht, die „fundamentalen Schwächen des Euroraums zu kaschieren“. Doch für die Aufgabe als Euroretter wurde die EZB weder geschaffen noch legitimiert. Die EZB kann die Probleme des Euroraums nicht auf Dauer lösen, sondern „das Leiden nur verlängern“.

Der Euro wird früher oder später vor die Wand fahren – wenn nichts passiert

Ein Weiter-so kann es nicht geben. Denn dann würde der Euro früher oder später vor die Wand fahren. Heinen, Mallien und Toncar glauben auch nicht daran, dass noch eine „schrittweise Korrektur des Euro“ möglich ist – dazu sind die Probleme einfach zu groß. Mit der Rückkehr zu nationalen Währungen wäre allerdings auch nichts gewonnen, im Gegenteil. Dies wäre sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus politischen Gründen ein schwerer Fehler. Um den Euro zu retten, fordern die Autoren daher „drastische Reformen“, und dies geht am besten in Form eines „systemischen Neustarts“.

Denkfutter für alle Staatsbürger und Politiker im Euroraum

Sie fordern, dass der Euro wieder auf die Rolle beschränkt wird, für die seine Erfinder ihn eingeführt haben: als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Derzeit hingegen werde der Euro als „Bühne für Verteilungskonflikte und politische Streitereien missbraucht“. Im Zentrum ihrer „Blaupause für eine krisenfeste Währungsunion“ steht die EZB. Die Europäische Zentralbank muss entpolitisiert, reorganisiert und besser kontrolliert werden, fordern sie. Eine zweite zentrale Forderung ist, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten des Euroraums für ihre eigenen Schulden selbst haften. Zum dritten ist eine wirksamere Risikokontrolle im Finanzsystem dringend geboten.

Roter-Reiter-Fazit: Heinen, Mallien und Toncar haben mit ihrem Buch eine „Montageanleitung für eine bessere europäische Währungsunion“ vorgelegt. Ihr Gedankenexperiment, als das sie ihre Ausführungen selbst bezeichnen, soll kein Notfallplan sein, der wie frühere Rettungspakete „mehr Zeit kaufen und das Leiden aller Beteiligten verlängern würde“. Eins steht fest: Hier haben sich drei Menschen intensiv mit der Euro-Problematik beschäftigt und zeigen sachkundig, konstruktiv und dazu auch noch verständlich Wege aus der Krise auf. Die Lektüre sei allen Staatsbürgern und Politikern in der Eurozone unbedingt ans Herz gelegt.

Das Buch: Nikolaus Heinen/Jan Mallien/Florian Toncar: „Alles auf Anfang. Warum der Euro scheitert – und wie ein Neustart gelingt“, Campus, ISBN 3593507447

(Damian Sicking / www.Roter-Reiter.de)


 


 

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