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Rechtsfall des Tages: Der Flug hat Verspätung – Welche Ansprüche haben Fluggäste?

Viele haben das sicher schon erlebt: Man freut sich auf den lang ersehnten Urlaub und kann es kaum erwarten, endlich loszufliegen. Aber am Flughafen heißt es dann: Der Flug hat Verspätung! Unter Umständen muss man mehrere Stunden warten. Welche Ansprüche kann man ggf. geltend machen?

Die EU-Fluggastrecht-Verordnung (Nr. 261/2004) regelt die Ansprüche der Fluggäste für die Fälle der Annullierung, Verspätung und Nichtbeförderung.

Alle Fluggäste, die eine gültige Buchungsbestätigung haben, können sich auf die Verordnung berufen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie, wenn nichts anderes vereinbart worden ist, spätestens 45 Minuten vor Abflug zur Abfertigung erschienen sind. Die Verordnung gilt für Charter- und Linienflüge, die von einem europäischen Flughafen starten sowie für alle Flüge einer EU-Fluggesellschaft, die als Ziel ein EU-Land haben. Inzwischen hat der Europäische Gerichtshof zudem bestätigt, dass auch bei Billigflügen eine Entschädigung zu zahlen ist (Az.: C-344/04).

Artikel 6 der Verordnung regelt die Verspätung.

Danach hat man einen Anspruch auf sogenannte Unterstützungsleistungen, wenn sich der Flug um mehr als 2 Stunden verspätet. Wie diese genau aussehen, hängt von der Verspätung ab.

Verspätet sich der Abflug bei Flügen über eine Entfernung von 1.500 km oder weniger um 2 Stunden oder mehr, bei innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1.500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1.500 km und 3.500 km um drei Stunden oder mehr sowie bei sonstigen Flügen um 4 Stunden oder mehr, so hat der Fluggast Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dies sind Mahlzeiten und Erfrischungen, allerdings nur in einem angemessenen Verhältnis zur Wartezeit. Außerdem haben die Fluggäste einen Anspruch auf 2 Telefonate, Telefaxe oder Emails.

Dauert die Verspätung bis zum nächsten Tag, so müssen die Fluggesellschaften die Kosten für eine Hotelübernachtung sowie den Transfer zwischen Hotel und Flughafen übernehmen.

Dauert die Verspätung mehr als 5 Stunden oder wird der Flug gar annulliert, dann haben die Fluggäste einen Anspruch auf Rückerstattung des Ticketpreises. Dies gilt allerdings nur dann, wenn der Flug für den Gast wegen der Verspätung oder Annullierung zwecklos geworden ist.

Eine Verspätung bei der Anreise in den Urlaub reicht für einen Wegfall des Reisezwecks in der Regel nicht aus.

Bei großen Verspätungen können die Fluggäste eine finanzielle Entschädigung von der Fluggesellschaft verlangen. Dies gilt jedoch nur, wenn die Verspätung nicht durch außergewöhnliche und für die Fluggesellschaft unvermeidliche Umstände verursacht wurde. Das heißt, dass die Fluggesellschaft für die Verspätung verantwortlich sein muss.

Die Höhe der Entschädigung hängt auch hier von der Länge der Flugstrecke und der tatsächlichen Verspätung ab. Für Flüge bis zu 1500 Kilometer sind 250 Euro, zwischen 1500 und 3500 Kilometer 400 Euro und bei Flugstrecken von mehr als 3500 Kilometer 600 Euro möglich.

(Christian Solmecke)


 


 

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