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AIFMD: Neue Chance für geschlossene Fonds

Sie waren sicher niemals jedermanns Sache. Vergleichsweise hoch waren die Einsätze. Beträchtlich die Risiken. Und entsprechend komplex das erforderliche Hintergrundwissen, um geschlossene Fonds als Anlagemöglichkeit zu erschließen. Wer um die Gefahren, aber eben auch Chancen wusste, konnte immer gut mit ihnen umgehen. Leider kam eine Komponente hinzu, die die gesamte Assetklasse in Verruf brachte, weil sie Hasardeure auf den Plan rief: Unzureichende Regulierung.

Der jüngste Fall der Frankfurter S&K Unternehmensgruppe ist sicherlich eines der krassesten Beispiele, wie sich geschlossene Fonds in krimineller Absicht missbrauchen lassen. Oder besser: ließen? Denn seit dem Juli 2013 ist auch in Deutschland die europäische „Alternative Investment Fund Managers Directive“ (AIFMD) in Kraft, die den gesamten alternativen Fondsmarkt neu regelt. So sehr sich die Initiatoren geschlossener Fonds dadurch mit zusätzlichen Aufgaben konfrontiert sehen, haben die rechtlichen Fesseln doch auch eine befreiende Wirkung. Denn die meisten der grauen bis tiefschwarzen Schafe – ob sie nun in böser Absicht oder schlicht aus mangelnder Fachkenntnis handelten – sollen Laien und semi-professionellen Anlegern künftig nicht mehr schaden können. Sie werden nun rasch vom Markt verschwinden.

AIFMD und der Weg dorthin

Die AIFM-Direktive ist eine direkte Reaktion auf die Finanzmarktkrise 2008, die schwerwiegende Regulationsdefizite auf dem Feld der Alternativen Finanzmarktprodukte offenbarte. Zwar waren geschlossene Fonds sicher nicht Auslöser der Krise. Jedoch hatten die Investoren aufgrund zum Teil bizarrer Anlagemodelle und intransparenter Strukturen schwer unter den Folgen zu leiden.

So fanden sich internationale, europäische und deutsche Gremien zusammen, um eine stärkere Regulierung des Finanzmarktsektors zu erörtern. Auf nationaler Ebene fand bereits 2009 im Finanzmarktausschuss des Bundestages eine Anhörung zu diesem Thema statt, parallel wurde von der europäischen Kommission die Expertengruppe „Finanzaufsicht in der EU“ geschaffen. Nach langem Tauziehen wurde der AIFMD-Richtlinienentwurf am 11. November 2010 im europäischen Parlament verabschiedet. Im Juni 2011 folgte die Umsetzung und schließlich das Inkrafttreten der Regulierung von Managern alternativer Investmentfonds (AIFM) durch die Richtlinie 2011/61/EU.

In Deutschland wurde im Zuge der Umsetzung der AIFMD in nationales Recht das bis dahin gültige Investmentgesetz (InvG) komplett gekippt. Offene und geschlossene Fonds sowie deren Verwalter werden seit dem 22. Juli 2013 durch das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) in 355 Paragraphen geregelt. Eingebunden sind eine Vielzahl weiterer Regelungen zu nicht regulierten Fonds, wie das Vermögensanlagengesetz.

Für Anleger soll alles besser werden

Das KAGB gestaltet die gesamte Fondsbranche grundlegend um. Es unterscheidet dabei radikal zwischen offenen und geschlossenen Fonds. Während für offene Vermögen weiterhin die Regelungen aus dem alten Investmentgesetz (InvG) gelten, werden die geschlossenen Vertreter deutlich härter an die gesetzliche Kandarre genommen. Sie dürfen künftig nur noch als Investment- Aktiengesellschaft mit fixem Kapital oder als Investment- Kommanditgesellschaft aufgelegt werden. Speziell Publikums-AIFs können beispielsweise nur noch in Sachwerte, Beteiligungen an ÖPP-Projektgesellschaften (Öffentlich-Private Partnerschaften) oder nicht börsennotierte Unternehmen investieren. Unter Sachwerte fallen bislang beispielsweise

  • Immobilien (einschließlich Wald, Forst und Agrarland)
  • Schiffe, Schiffsaufbauten sowie Schiffsbestand- und –ersatzteile
  • Schienenfahrzeuge, Schienenfahrzeugbestand- und -ersatzteile
  • Fahrzeuge, die im Rahmen der Elektromobilität genutzt werden
  • Luftfahrzeuge, Luftfahrzeugbestand- und –ersatzteile
  • Anlagen zur Erzeugung, zum Transport und zur Speicherung von Strom,
  • Gas oder Wärme aus erneuerbaren Energien
  • Container

Zugleich gilt der Grundsatz der Risikomischung. Das bedeutet, dass in mindestens drei Sachwerte investiert werden muss, um das Ausfallrisiko zu streuen. Ausnahmen bilden beispielsweise Großimmobilien, da hierbei das Risiko schon durch die Mieterzahl diversifiziert ist. An nichtrisikogemischten AIFs dürfen sich nur noch semi-professionelle Anleger beteiligen.

Als semi-professionell gilt nach dem KAGB jeder Anleger, der mindestens 200.000 Euro in das Investmentvermögen beisteuert und schriftlich versichert, dass er sich der Investment-Risiken bewusst ist. Außerdem gilt als semi-professionell nur, wer über ausreichend Sachverstand, Erfahrung und Kenntnis nach Bewertung der AIF-Verwaltungsgesellschaft verfügt, um das Investment selbständig einzugehen. Mit dem semi-professionellen Anleger wurde somit eine neue Stufe zwischen dem Publikum und dem Profi-Investor geschaffen.

Für windige Manager wird alles schwieriger

Neben regulierten Anlagemöglichkeiten schärft die Gesetzesneuerung vor allem Qualität in Beratung und Kontrolle. So sind professionelle Fondsmanager jetzt gezwungen, ihre Fähigkeit bei der BaFin nachzuweisen und erhalten bei Erfolg eine Lizenz. Selbst Manager, die bereits am Markt agieren, sind davon nicht ausgenommen und müssen ihre Zulassung bis zum 22. Juli 2014 nachweisen.

Hinzu kommen externe Kontrollinstanzen und Reportingmaßnahmen, die für mehr Transparenz zugunsten der Anleger sorgen sollen. So steigen die Anforderungen an das Risiko­ und Liquiditätsmanagement deutlich. Zum Beispiel mit einem neuen, verpflichtenden Jahresbericht, der der BaFin vorgelegt werden muss. Der Bericht ist nach den Rechnungslegungsstandards (HGB oder IFRS ) zu erstellen und muss spätestens sechs Monate nach dem Ende des Geschäftsjahres vorgelegt werden. Anlegern ist der Jahresbericht auf Anfrage ebenfalls zu übermitteln. Fragwürdigen Managern wird diese Berichterstattung dauerhaft das Handwerk legen und mindestens erschweren.

Ein Fondsmanager muss zudem dafür Sorge tragen, dass die Vermögenswerte aller seiner von ihm verwalteten AIF mindestens einmal jährlich von einem unabhängigen Gutachter einer ordentlichen Bewertung unterzogen werden. Eine weitere neue Kontroll-Instanz ist schließlich die Verwahrstelle. Sie muss durch den Fondsmanager zwingend mit der Verwahrung der Vermögenswerte beauftragt werden und ist vergleichbar mit der Depotbankfunktion im Investmentgesetz. Die Verwahrstelle hat insbesondere zu prüfen, ob der AIF Eigentümer der Vermögenswerte ist und wird somit zur zentralen Kontrolleinheit.

Das Märchen der perfekten Lösungen

Natürlich ist die AIFMD noch keinesfalls eine bis ins kleinste Detail perfekt funktionierende Lösung. Und aufgrund des einhergehend administrativen Mehraufwandes bestimmt auch lästig. Schließlich sind Asset-Manager und Dienstleister gezwungen, neue Prozesse zu implementieren und ihr Datenmanagement zu verbessern. Wahrscheinlich wird das im ersten Schritt tatsächlich sogar die Gewinnspannen drücken und zu einer Neuausrichtung vieler Investment-Produkte führen.

Dennoch ist die AIFMD bitter nötig. Denn sie bietet nach einer voraussichtlichen kurzen Phase der Unruhe die einmalige Chance, das darniederliegende Vertrauen der Anleger vor allem in geschlossene Fonds zu stärken. Zwielichtige Akteure haben den Ruf geschlossener Fonds geschädigt. Indem sie durch die gestiegenen Anforderungen aktiv aus dem Fell geschüttelt werden, könnten mehr Anleger geschlossene Fonds wieder als Investment-Alternative wahrnehmen. Wenig vertrauenswürdige Akteure könnten aus Angst vor der neuen Transparenz von selbst die Segel streichen. Seriöse Manager jedenfalls werden aus dieser Professionalisierung des Marktes mittelfristig ebenfalls Nutzen ziehen. Bringt es doch auch misstrauische Anleger und Eigentümer ins Spiel, die geschlossene Fonds bislang aus gutem Grund mieden. So könnten geschlossene Fonds stark vom Trend profitieren, dass Unternehmen wie Staaten immer weniger Geld binden möchten und deshalb durchaus gewillt sind, ihre Projekte durch geschlossene Fonds zu finanzieren.

(Tim Schieferstein)


 


 

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