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Fortbildung im Ausland

BFH ist bei gemischt veranlasster Veranstaltung großzügiger

Wenn Arbeitnehmer, z.B. Geschäftsführer, oder Unternehmer an einer Fortbildungsveranstaltung mit „gemischtem“ Programm im Ausland, beispielsweise in einer touristisch interessanten Region, teilnehmen, konnte die Anerkennung der Kosten bisher zu einem ernsten Problem werden.

Aufgrund rigoroser Verwaltungspraxis war auch bei solchen Aktivitäten – wie bei Auslandsgruppenreisen – die Gefahr groß, überhaupt nichts steuerlich abgesetzt zu bekommen. Die Situation hat sich jetzt allerdings auch hier entscheidend verbessert. Der Grund: In einem weiteren Urteil vom 21.4.2010 entschied der VI. ( Lohnsteuer -)Senat des BFH, dass bei gemischt – sowohl privat als auch beruflich – veranlassten Fortbildungsveranstaltungen zumindest eine Teil-Anerkennung der Aufwendungen als Werbungskosten infrage kommen kann.

Der VI. Senat des BFH vollzog damit eine grundlegende Trendwende. Er berief sich dabei auf die Entscheidung des Großen BFH-Senats vom 21.9.2009: Danach kommt bei gemischt – sowohl beruflich als auch privat – veranlassten Reiseaufwendungen eine Teil-Anerkennung der Kosten infrage. Dabei können einfachheitshalber der berufliche (abzugsfähige) und private Kostenanteil auf der Basis der jeweiligen Zeitanteile geschätzt werden.

Im Streitfall hatte der Arbeitnehmer an einer einwöchigen Fortbildungsveranstaltung am Gardasee teilgenommen. Diese umfasste täglich außer eindeutig beruflichen Programmpunkten auch einen „allgemeinen“, nicht berufsspezifischen (privaten) Veranstaltungsteil. Der berufliche und private Teil ließen sich zeitlich voneinander abgrenzen und hielten sich die Waage (50:50). Das Finanzamt ging von einer steuerschädlichen privaten Mitveranlassung aus und versagte unter Hinweis auf das gesetzliche Abzugs- und Aufteilungsverbot (§ 12 Nr. 1 EStG) den Werbungskostenabzug in voller Höhe. Das Finanzgericht und der BFH waren anderer Meinung: 50 Prozent der Veranstaltung waren eindeutig beruflich veranlasst. Auf der Basis der Zeitanteile waren damit auch 50 Prozent der Aufwendungen absetzbar.

Bei Fortbildungsveranstaltungen, aber auch bei Fachkongressen, die im Ausland stattfinden, darf das Finanzamt die berufliche (Mit-)Veranlassung grundsätzlich strenger als bei normalen Inlandsreisen kontrollieren. Daran hat sich durch die BFH-Entscheidungen nichts geändert. Um hier die (Teil-)Anerkennung der Kosten „dem Grunde nach“ zu sichern, kommt es nach wie vor auf folgende Punkte an:

  • schlüssige Angaben über einen homogenen Teilnehmerkreis,
  • glaubhafte Angaben zum beruflichen Bezug und Vorlage eines in dieser Hinsicht aussagekräftigen Veranstaltungsprogramms,
  • bei gemischt veranlassten Veranstaltungen schlüssige und lückenlose Angaben zum beruflichen Veranstaltungsteil,
  • Teilnahmebestätigungen des Veranstalters, eventuell Vorlage von Testaten.

BFH, Urteil vom 21.4.2010, Az. VI R 66/04 – (Best.-Nr. GT

(VSRW-Verlag)


 


 

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