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Fotografie

Das Gespür für den richtigen Augen-Blick - Fotografen im Rhein-Erft-Kreis

„Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut“. Dieses treffende Zitat stammt von Henri Cartier-Bresson, dem französischen Fotograf, Regisseur und Schauspieler. Diese Aussage gilt heute mehr denn je – ist doch die Anzahl an Fotografien, nicht zuletzt durch den Einsatz digitaler Kameras sprunghaft angestiegen. Eine wahre Bilderflut die sich vor allem übers Internet ausbreitet. Trotzdem schaffen es Fotos immer wieder, den Betrachter zu berühren und ihn länger verweilen zu lassen.

Im Lexikon findet man eine eher sachlich, technische Erklärung zum Begriff Fotografie: „Im ursprünglichen, engeren Sinne die Gesamtheit der Verfahren zum dauerhaften Festhalten und Sichtbarmachen der von den optischen Systemen fotografischer Apparate entworfenen reellen Bilder“ (Auszug aus Meyers Enzyklopädischem Lexikon von 1976). Doch Fotografieren ist mehr als nur das Drücken auf den Auslöser. „Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera“, sagte die deutsch-französische Fotografin Gisèle Freund. Im Rhein-Erft Kreis gibt es zahlreiche Profi-Fotografen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Sie halten manch flüchtigen Augenblick für immer fest. 

Die Kamera ist mein Notizbuch, mein Gedächtnis - Ute Prang

Ob Weltjugendtag 2005, Staatsempfänge auf Schloss Augustusburg in Brühl oder ein Pressetermin mit Landrat Werner Stump, Ute Prang ist immer dabei. Sie ist das fotografische Auge des Rhein-Erft Kreises. Dabei hatte sie nach der Schule vor, Cutterin beim WDR zu werden. „Ich wollte etwas kreatives machen, nicht ins Büro“, sagt Ute Prang. Und so machte sie eine Ausbildung als Fotografin. Anschließend ging es eine Zeit lang ins Ausland. Dann suchte der damalige Kreis Köln für drei Monate während der Bundesgartenschau 1969 eine Fotografin. Prang bewarb sich auf diese Stelle, wurde genommen und blieb bis heute im Amt. Als dann 1975 die Kreise und Kommunen in Nordrhein-Westfalen neu aufgeteilt wurden, kam sie nach Hürth.

Seit der Gründung des Erftkreises ist sie dabei und hält fast jedes Ereignis fotografisch fest. „Zu Anfang haben wir auch kleinere Filme gedreht, auf 16 mm, zum Beispiel vom Bau des Kreishauses in Hürth“, erinnert sich Prang. Irgendwann war dann der Aufwand zu groß und auf die bewegten Bilder wurde verzichtet. Doch auch als Fotografin hatte Prang über die Jahrzehnte reichlich zu tun. Wie viele Bilder sie vom Erft- bzw. Rhein-Erft Kreis gemacht hat weiß sich nicht mehr. „Es sind wohl hunderttausende“, schätzt sie. Durch ihre Arbeit hat die Kölnerin den Kreis in- und auswendig kennen gelernt. Die Dörfer, die Schlösser, die Kirchen und vor allem die Menschen. „Man knüpft mit so vielen Menschen hier Kontakt, vom Arbeiter bis zum Adligen und das ist einfach toll“.

Ganz gleich ob Ute Prang für den Kreis unterwegs ist oder privat. „Meine Kamera habe ich immer dabei, sie ist mein Notizbuch, mein Gedächtnis“, sagt sie. Doch Fotografie bedeutet nicht nur Bilder schießen. Sie begleitet den ganzen Werdegang eines Fotos – Früher habe sie viel Zeit in der Dunkelkammer verbracht, heute nutzt sie sehr gerne die Bildbearbeitung auf dem Computer. Neben der Pressearbeit hat sie auch einige Bildbände herausgegeben. Darunter „Kirchen und Andachtsstätten im Rhein-Erft Kreis“ und „Mühlen, Bauten und versteckte Winkel im Rhein-Erft Kreis“. Ein Ereignis wird sie wohl nie vergessen – den Weltjugendtag 2005 auf dem Marienfeld. „Ich habe auf dem Gelände übernachtet und mir die Menschen angesehen, alleine der Blick vom Papsthügel war überwältigend“, schwärmt sie noch heute. 

So authentisch wie möglich berichten – Udo Beißel

Bei dem Stichwort Weltjugendtag bekommt auch der Frechener Udo Beißel glänzende Augen. Der Fotograf des Kölner Stadtanzeigers hat für seine Zeitung von diesem Ereignis berichtet. „So eine Veranstaltung werden wir hier nicht mehr erleben, ich war von der gesamten Atmosphäre überwältigt“, sagt Beißel.

Der Fotolehrer hat das Interesse geweckt, das war in der 8. Klasse. „Ich habe viel von ihm gelernt, mir aber auch vieles selbst angeeignet“, erinnert sich Udo Beißel. Bildbände wurden ganz genau betrachtet und viel mit der eigenen Kamera experimentiert. Nach der Schule machte Beißel eine kaufmännische Ausbildung in einem Verlag. Dann kam der Zusammenbruch der DDR und die Wende – er folgte einem Jobangebot in den Osten. Zuerst in Erfurt und anschließend in Gera hat er ein Volontariat absolviert. Schließlich wurde beim Kölner Stadtanzeiger in Frechen die Stelle des Polizeireporters ausgeschrieben. Seit September 1992 ist berichtet er hauptsächlich über Polizei- und Feuerwehreinsätze. 

„Meine wichtigste Aufgabe ist es, so authentisch wie möglich über einen Unfall oder Brand zu berichten, ohne dabei Grenzen zu überschreiten“. Dies ist nicht immer einfach. Daneben setzt er auch größere Ereignisse, wie z. B. Empfänge geschickt ins Bild gesetzt. „Kardinal Meissner auf dem Marienfeld und Minuten später der Motorradunfall auf der B 264 bei Kerpen, so sieht das Spannungsfeld aus“, erklärt Beißel. Eine besonders reizvolle Aufgabe für den Stadtanzeigerfotograf war es, den Rhein-Erft Kreis von oben abzulichten. „Hier kommt es auf das gute Zusammenspiel Fotograf – Pilot an, denn der Pilot muss wissen was und wie man fotografieren will“. 

Die Arbeit des Zeitungsfotografen hat sich sehr verändert. Dank der digitalen Technik sind Bilder schneller in der Redaktion und in den Text eingearbeitet. Vor allem beim Internetauftritt des Kölner Stadtanzeigers kommt es auf Schnelligkeit an. Da müssen Bilder heute viel schneller abgeliefert werden als früher. Werden in der Zeitung vielleicht ein, zwei oder in Ausnahmefällen auch mal drei Bilder gedruckt, so kann der Fotograf im Internet heute mehr zeigen. In so genannten Bilderstrecken werden ganze Fotoserien veröffentlicht. Mit Erfolg, denn dieses Angebot Internet ist bei den Usern sehr beliebt. 2005 hat Udo Beißel den Kölner Journalistenpreis im Bereich Regionale Wirtschaft verliehen bekommen. Gemeinsam mit seiner Kollegin vom Kölner Stadtanzeiger gab es die Auszeichnung für die Serie „Die Chemie muss stimmen“. 

Im Sport muss das Bild kompakt sein - Hans-Alfred Roth

Hans-Alfred Roth ist nur selten zu Hause in Pulheim. Eben erst ist er von Mallorca zurückgekehrt. Dort hat er das einzige deutsche Frauen-Profiradteam begleitet und fotografiert: Mannschaftsbilder und Portraits. Kaum ist er zu Hause, geht es am Abend weiter nach Berlin. Der Abschied von Eric Zabel steht an, mit dem Roth auch Freundschaftlich sehr verbunden ist. Zeit für eine Atempause bleibt nicht, denn anschließend geht es gleich weiter nach Holland zur Querfeldein Weltmeisterschaft. Roth ist Sportfotograf mit Leib und Seele und das seit 1972. 
Schon als Kind fing er mit dem fotografieren an. „Zu meiner Kommunion bekam ich eine Kodak Box geschenkt“, erinnert sich Roth. Da sein Vater viel mit Radsport zu tun hatte, er war unter anderem Sprecher des Kölner 6. Tage Rennens, kam der junge Roth früh damit in Kontakt. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Schriftsetzer und arbeitete für den Sportverlag. Und so kam es, dass Roths Bilder in diversen Veröffentlichungen erschienen. 1972 sattelte er dann komplett auf Sportfotografie um. Gleich am Anfang seiner Karriere steht gleich sein erster großer internationaler Einsatz – die olympischen Spiele von München. Hier hat er Bilder von den Radrennen geschossen. Bis heute ist er dieser Sportart treu geblieben, auch wenn er ebenso Fußball, Basketball oder Eishockey aufs Bild bannt.

„Bei einem guten Foto sieht man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat“, sagt Roth. Er hat die ganze technische Entwicklung in der Fotografie miterlebt. Aber für ihn ist immer noch der richtige Blick, das Auge entscheidend. Vieles war Intuition – denn einen Autofokus gab es früher nicht. Und so gehörte bei den schnellen Sequenzen wie bei einem Zielsprint neben dem Können auch ein bisschen Glück dazu, weiß Roth. Mittlerweile hat sich die Sportfotografie gewandelt. „Waren wir in München nur eine handvoll deutscher Fotografen, waren es in Peking alleine 40 aus Deutschland“. Die Konkurrenz ist größer geworden, aber so Roth Qualität setze sich auch heute noch durch. 2001 hat Roth den renommierten Sven-Simon Preis für das beste Sportfoto des Jahres bekommen. Ausgezeichnet wurde ein Bild der Bahnradfahrerin Kathrin Meinke aus Cottus und eines Funktionärs mit Turban. Das Bild entstand beim Weltcup Finale in Ipoh/Malaysia. „In vier Jahren ist Schluss“, so der 59-jährige Pulheimer. „Da bin ich konsequent, obwohl mir das bislang keiner abnimmt“. 


 


 

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