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Was fehlt sind Rollenvorbilder

Ingenieurinnen werben bei jungen Frauen für ihren Beruf

(ddp). Sandra Neuwirth ist Wirtschaftsingenieurin. Die 37-Jährige ist in leitender Position in der Entwicklung bei Daimler tätig und stellt damit eine Ausnahme in dem nach wie vor männerdominierten Berufsfeld dar. Denn laut Verband deutscher Ingenieure (VDI) sind nur rund elf Prozent der Ingenieure in Deutschland weiblich. Damit das nicht so bleibt, wirbt Neuwirth bei Mädchen und jungen Frauen für ihren Beruf. «Was fehlt sind Rollenvorbilder, die den Mädchen die Scheu vor technischen Berufen nehmen», sagt die Ingenieurin.


Ihrer Erfahrung nach haben auch technisch interessierte Mädchen oft keine konkrete Vorstellung davon, was eine Ingenieurin in ihrem Berufsalltag macht. «Da gibt es viele Unsicherheiten. Ich will nicht nur informieren, sondern den jungen Frauen, die in ihrer Studien- und Berufswahl noch schwanken, auch Mut machen und sie darin bestärken, diesen Weg zu gehen», erklärt Sandra Neuwirth ihr Engagement.

Wie wichtig Vorbilder für die Berufswahl sind, hat auch der VDI erkannt und plant ein Projekt, bei dem Frauen aus typischen Männerberufen aktiv werden. Ab Februar 2010 sollen die «Role Models» Vorträge in Schulen und an Universitäten halten und auf Berufsinformationsmessen für die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) werben.

Das Projekt ist Teil eines von der Bundesregierung geförderten Pakts zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, der junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge gewinnen soll. «Rund 80 Frauen haben sich bereits als Rollenvorbilder beworben», erzählt Tina Lackmann, die beim VDI für die Koordination des Projekts verantwortlich ist. «Die Frauen kommen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern. Informatikerinnen sind ebenso darunter wie Ingenieurinnen aus dem Maschinenbau.»

Was beim VDI noch in der Planungsphase steckt, macht Sandra Neuwirth bereits seit fünf Jahren. Sie hält Vorträge auf Abimessen und Schülertagen und engagiert sich bei Femtec, einem an der Berliner Technischen Universität beheimateten Netzwerk für Frauen in Ingenieur- und Naturwissenschaften. Ihre Zielgruppe sind Mädchen und junge Frauen von der elften Klasse bis zum sechsten Studiensemester.

Die Schülerinnen haben meist ganz grundsätzliche Fragen und wollen beispielsweise wissen, welche Fächer sie im Abitur belegen sollten, um ein technisches Studium aufnehmen zu können. «Bei Informationsveranstaltungen geht es auch darum, den Mädchen ein Podium für Fragen zu bieten, die zu stellen ihnen in der Klasse vor den Jungs peinlich wäre», berichtet Neuwirth. Die Studentinnen berät sie dagegen in Fragen der Berufsplanung. «Sie wollen wissen, welche Spezialisierung möglich ist und was die verschiedenen Branchen auszeichnet.»

Auch beim «Role Models»-Projekt des VDI soll die Beratung der Studentinnen künftig einen Schwerpunkt bilden. «Viele der jungen Frauen gehen nach dem Abschluss nicht in technische Berufe, sondern wandern in völlig andere Bereiche ab, wie in die Verwaltung oder den Öffentlichen Dienst,« berichtet Tina Lackmann. Den Grund sieht sie auch hier in fehlenden weiblichen Vorbildern in traditionellen Männerberufen.

Sandra Neuwirth sieht für die Abwanderung noch eine weitere Ursache. »Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die Frauen ein wichtiges Thema. Viele fürchten, dass das in Industrie und freier Wirtschaft kaum möglich ist.« Neuwirth kann als Rollenvorbild auch auf solche Sorgen glaubwürdig eingehen. Sie ist Mutter eines fünfjährigen Sohnes und einer eineinhalbjährigen Tochter. Allerdings zeigt sich an ihrem Beispiel, dass auch die Männer mitziehen müssen, wenn sich Familie und Beruf nicht gegenseitig ausschließen sollen. Ihr Mann, selbst Ingenieur, ist momentan in Elternzeit und kümmert sich um die Kinder.

Die Motivation für Neuwirths Engagement geht auf positive Erfahrungen zurück, die sie selbst mit weiblichen Vorbildern gemacht hat. »Kurz vor dem Abi war ich auf einem Techniktag für Mädchen an der Uni. Dort haben auch Frauen von ihren Berufserfahrungen berichtet«, erzählt die Ingenieurin. Außerdem habe ihr Mathelehrer sie in ihren Interessen gefördert und bestärkt. »Ich war als Mädchen an technischen Dingen interessiert, brauchte aber einen Mentor. Die Unterstützung, die ich erfahren habe, möchte ich jetzt selbst leisten."

ddp/tjs/mwo

Von ddp.djn-Korrespondentin Tatjana Schäfer

(ddp)


 


 

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