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Aufwand für auswärtige Fortbildungen

Abzug bei einem Sprachkurs im Ausland

Der BFH hat in seinem Urteil vom 24.2.2011 (Az. VI R 12/10) für die Praxis wichtige Grundsätze aufgestellt, wann Aufwendungen eines Arbeitnehmers für einen Fremdsprachenkurs im Ausland einkommensteuerlich als Werbungskosten zu berücksichtigen sind. Hierbei sind zwei Aussagen wichtig:

  • Auch wenn ein auswärtiger Sprachkurs nur Grundkenntnisse oder allgemeine Kenntnisse in einer Fremdsprache vermittelt, diese aber für die berufliche Tätigkeit ausreichen, kann der Kurs beruflich veranlasst sein und deshalb die Kursgebühr als Werbungskosten abgezogen werden. Soweit der Arbeitnehmer aber zur Ausübung seines Berufs mit spezifischem Fachvokabular mehr als auf die allgemeine Beherrschung einer Sprache angewiesen ist, muss dies gesondert untersucht werden.
  • Die Wahl, einen Sprachkurs im Ausland zu besuchen, ist regelmäßig privat mit veranlasst. Bei der deshalb gebotenen Aufteilung der Reisekosten in Werbungskosten und Kosten der privaten Lebensführung kann dann auch ein anderer als der zeitliche Aufteilungsmaßstab angezeigt sein.

Zu den Werbungskosten gehören auch Bildungsaufwendungen, sofern sie objektiv mit dem Beruf zusammenhängen und subjektiv zu dessen Förderung getätigt werden. Auch Aufwendungen für der beruflichen Fortbildung dienende Reisen sind demnach dann als Werbungskosten abziehbar, wenn sie durch den Beruf beziehungsweise den Betrieb veranlasst sind. Nach diesen Grundsätzen sind Kursgebühren zum Erwerb von Kenntnissen in einer Fremdsprache als Werbungskosten abziehbar, wenn ein konkreter Zusammenhang mit der Berufstätigkeit besteht. Ob dies zutrifft, ist durch Würdigung aller Umstände des Einzelfalls zu beurteilen.

Bei einem Fortbildungslehrgang zum Erwerb oder zur Vertiefung von Fremdsprachenkenntnissen, der nicht am Wohnort des Arbeitnehmers oder in dessen Nähe stattfindet, ist festzustellen, ob neben den reinen Kursgebühren auch die Aufwendungen für die mit dem Sprachkurs verbundene Reise beruflich veranlasst und demzufolge als Werbungskosten abziehbar sind. Der vollständige Abzug setzt voraus, dass die Reise nahezu ausschließlich der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist. Das ist bei auswärtigen Sprachlehrgängen ebenso wie bei sonstigen Reisen vor allem dann der Fall, wenn ihnen offensichtlich ein unmittelbarer beruflicher Anlass zu Grunde liegt und die Verfolgung privater Reiseinteressen nicht den Schwerpunkt bildet.

Liegt der Reise hingegen kein unmittelbarer beruflicher Anlass zu Grunde, sind die mit dem Sprachkurs verbundenen Reisekosten aufzuteilen, sofern der erwerbsbezogene Anteil nicht von untergeordneter Bedeutung ist.

Als sachgerechter Aufteilungsmaßstab für Kosten einer gemischten Reise kommt grundsätzlich das Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile der Reise in Betracht. Bei einer Sprachreise ist zu berücksichtigen, dass eine Fremdsprache in dem Land, in dem sie gesprochen wird, im Allgemeinen effizienter als im Inland zu erlernen sein wird. Daher kann nicht darauf abgestellt werden, dass ein Besuch von Sprachkursen im Inland den gleichen Erfolg hätte haben können. Das gilt auch für die Tatsache, dass ein Auslandsaufenthalt erhöhte Kosten verursachen kann. Andererseits darf bei Sprachreisen der touristische Wert des Aufenthalts nicht unbeachtet bleiben.

(TIPP) Anders als bei sonstigen der Fortbildung dienenden Reisen besteht bei Sprachreisen für die Wahl des auswärtigen Kursortes regelmäßig keine unmittelbare berufliche Veranlassung. Deshalb wird die Ortswahl in diesen Fällen auch von privaten, in der Regel touristischen Interessen des Arbeitnehmers bestimmt sein. Davon ist beispielsweise auszugehen, wenn die Teilnahme an einem Kurs in englischer Sprache in weit entfernten Regionen – im Urteilsfall Südafrika – stattfindet. Dies ist außergewöhnlich und indiziert bereits, dass der Arbeitnehmer die Reisekosten auch aus privaten Erwägungen auf sich genommen hat. Daher kann auch bei einem Intensivsprachkurs, der unter der Woche wenig Zeit für touristische Aktivitäten belässt und diese deshalb im Wesentlichen auf das Wochenende beschränkt sind, eine Aufteilung der mit dem auswärtigen Aufenthalt verbundenen Kosten gerechtfertigt sein. Sofern kein anderer Aufteilungsmaßstab vorgetragen und nachgewiesen wird, bestehen laut BFH keine Bedenken, von einer hälftigen Aufteilung sämtlicher mit der Reise verbundenen Kosten in privat und beruflich – Lebensführung/Werbungskosten – auszugehen.

(VSRW-Verlag)


 


 

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