Weitere Artikel
Gabriele Heider

Künstlerin aus innerer Kraft

Internationale Ausstellungen

Die ersten Erfolge stellen sich bereits nach der Eröffnung ihres Ateliers ein. Gabriele Heider gewinnt viele Preise und Stipendien. Sie wird zu internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen in Berlin, Oxford, New York, St. Petersburg, Hasselt, Florenz, Neapel oder Dubai eingeladen. Künstlerportraits über sie werden im WDR und in ARTE ausgestrahlt. Zu ihren Kunden zählt die Deutsche Telekom, Renault, die Stadt St. Augustin und viele private Kunstsammler. Sie schafft es in die Riege der international anerkannten Künstler – und das im wesentlichen ohne die Vermarktung durch Galeristen.

business-on.de: Warum keine Galerie?

Gabriele Heider: In Verbindung mit meinen Preisen, Stipendien, Wettbewerben und meinen Ausstellungen auf Gut Friedrichstein – das heißt in meinem eigenen Umfeld – war es schwierig für beide Seiten, eine gute Zusammenarbeit aufzubauen. Es gab Galerien, die bestehen aber mittlerweile nicht mehr. In der heutigen Zeit ist es aber auch für mich wichtig, mit Galerien zusammenzuarbeiten, die regelmäßig an wichtigen Messen teilnehmen, beispielsweise Köln -Basel -Miami-  Spanien -etc... Das ist ein Markt mit eigenen Gesetzen, in den ich jetzt hineinwachse.

business-on.de: Eine der ersten Ausstellungen im Rathaus Siegburg hat den Titel "Kuhbilder Schwarz-Bunt". Wie kam es zu den Mischtechniken mit Kuhmist auf edlem Linnen der Aussteuer?

Mischtechnik aus Kuhmist auf Damast

Gabriele Heider: Der zielzitierte Satz von Joseph Beuys: "Kreativität = Kapital" hat mich inspiriert, mit Kuhmist und meiner Aussteuer zu arbeiten. Nach dem Studium in Köln, das heißt als ich schwanger war,  ging es zunächst darum mit dem zu arbeiten, was da ist. Das waren beispielsweise Aussteuer-Truhen voll mit Damast und Brüsseler Spitzen. Die Kühe waren da als Akteure und gestalteten mit ihrem Mist die Aussteuer bzw. später die Leinwand. Es war das Kapital meiner eigenen Geschichte und meiner Umwelt, das meine Kreativität beeinflusste. Pragmatisch gesehen brauchte ich so keine Farben und keine Leinwand zu kaufen. Gleichzeitig habe ich mit diesen Arbeiten auch Gut Friedrichstein für mich wieder neu entdeckt.

business-on.de: Sie können inzwischen auf ein Gesamtwerk aus drei Jahrzehnten zurückblicken. Die von Ihnen zusammengestellte Dokumentation mit Bildern aus dieser Zeit machte erstmals deutlich, wie rund Ihr Werk ist und dass Sie einen ganz konsequenten Weg gegangen sind. Was bedeutet Ihnen der Rückblick?

Gabriele Heider: Einen künstlerischen Weg kann man nicht voraus bestimmen. Man arbeitet an einer inneren Ahnung und weiß zunächst überhaupt nicht,  wo sich das hin entwickeln wird. Der Rückblick ist ein Blick auf die eigene Geschichte und auf die Erfahrungen, wie es  zu neuen Bildinhalten gekommen ist. Für die Zukunft kann ich daraus Vertrauen ziehen.

Bewegende Kreise auf Rechteck

business-on.de: Charakteristisch für Ihre Bilder sind vier aus der Bewegung kommende Kreise auf einem Rechteck im Hintergrund. Ein Ihnen nahestehender Professor bezeichnete diese Grundelemente als Grundgesetzmäßigkeit für einen Endzustand und einen Neuanfang. Der Neuanfang ist auch Ihr nächstes persönliches Ziel. Was wird sich in unmittelbarer Zukunft ändern?

Gabriele Heider: Es hat sich schon geändert! Momentan entstehen große Dinge, mit denen ich mich auseinandersetze. Man kommt aus den verschiedensten Richtungen auf mich zu. Bisher habe ich alles selber gemacht. Veranstaltungen, Ausstellungen geplant, Einladungen verschickt, das war auch wichtig. Die Stärke dazu habe ich sicherlich von meinem Vater geerbt. Jetzt kann ich alles in andere Hände geben. 

business-on.de: Voriges Jahr starb Ihr langjähriger Lebensgefährte, worunter Sie sehr gelitten haben.

Gabriele Heider: Die Sinnfrage, die man sich sowieso immer stellt, war in diesem Moment sehr viel schmerzhafter. Ich habe fast ein Jahr nicht produziert. Das Bewusstsein und die Auseinandersetzung mit Tod und Verlust hat es im nachhinein aber auch möglich gemacht, einen künstlerischen Weg für den Neuanfang zu finden.

business-on.de:  Wie würden Sie sich selbst charakerisieren?

Gabriele Heider: Das überlass ich lieber anderen. Gut. Andere sagen, ich hätte einen sehr starken Willen, wäre großzügig und tolerant. Ich selbst glaube, dass ich mich in den letzten Jahren unwahrscheinlich geändert habe, sozusagen eine 180Grad-Wendung gemacht habe. Früher mußte ich mich von meinem Umfeld auf Gut Friedrichsstein abgrenzen. Da waren die vielen Landarbeiter, meist Albaner, die antikünstlerische Familie, die Tiere. Die Familie war zwar jovial und großzügig, aber sie konnte mit meiner künstlerischen Disposition nicht umgehen. Ich habe viel gearbeitet und deswegen bin ich auch streng geworden. Das sagten viele, dass ich streng bin, auch meine Tochter. Aber man braucht halt viel Disziplin, wenn man das so durchziehen will, wie ich es gemacht habe. Aber das will ich ja nun ändern und das macht mich freier und lockerer im Umgang mit anderen. 

(Karin Bäck)


 


 

Gabriele Heider
Gut Friedrichstein
Atelier
Powerfrau
Interview

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Gabriele Heider" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

1 Kommentar

von ludwig
25.01.09 14:12 Uhr
sprachloses empfinden

hallo gabriele....
zufällig bin ich beim herumschauen auf deine seiten gestoßen, und bin begeistert! mag sein, dass dir schon viele menschen das gesagt haben. es mag auch sein, dass du es gar nicht mehr ertragen und hören kannst. aber deine werke sind absolute klasse! das bild, welches unter "http://koeln-bonn.business-on.de/dateien/bilder/acryll_mischtechnik_auf_kuhmist_und_leinwand.jpg" von dir zu sehen ist, hat mich besonders stimuliert. ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es auf mich einen sehr beeindruckenden "kleeblatt"-rhytmus darstellt (das hatte ich bisher noch nie empfunden und gesehen!) wegen der gigantischen und sehr schönen farbenauswahl lässt es in der tat ettliche interpretation zu, und regt damit zum nachdenken an. (zuminest mich!) ebenso bin ich auch von "http://koeln-bonn.business-on.de/dateien/bilder/spontane_raum__und_formentstehung_2.jpg" überzeugt. da wenige künstler(Innen) eine ehrliche und interessante, als auch spontane reflektion und rückmeldung bekommen, dachte ich, dass es gut ist, dir zeilen zukommen zu lassen. ich gratuliere dir! .... und ich wünsche dir weiterhin erfolg bei deinem wirken. nur mit selbstbewußtsein ist das zu schaffen, was du zeigst.

 

Entdecken Sie business-on.de: