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Privatvermögen

Die Abgeltungsteuer und der GmbH-Gesellschafter

Im folgenden soll die Wirkung der Abgeltungsteuer im Zusammenhang mit im Privatvermögen gehaltenen Anteilen an einer GmbH dargestellt werden. Betroffen sind sowohl die Kapitalerträge in Form von Gewinnausschüttungen als auch die Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen.

I. Gewinnausschüttungen

Aktuell sind Gewinnausschüttungen für Privatanleger zur Hälfte steuerpflichtig; korrespondierend sind damit im wirtschaftlichen Zusammenhang stehende Werbungskosten ebenfalls nur zur Hälfte abzugsfähig. Diese Situation erfährt durch die Unternehmensteuerreform im Veranlagungszeitraum 2008 keine Änderung.

Ab dem Veran lagungszeitraum 2009 gilt für den Privatanleger die Abgeltungssteuer: Gewinnausschüttungen unterliegen in voller Höhe dem 25%-igen Abgeltungsteuersatz zzgl. Solidaritätszuschlag . Die mit der Gewinnausschüttung im wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Wer bungskosten (Finanzierungszinsen, Depotgebühren) sind nicht mehr abzugsfähig.

Dies gilt auch für den Fall der Veranlagungsoption, die der Steuerpflichtige ausüben wird, wenn sein persönlicher progressiver Steuersatz unter 25 % liegt.

Die Finanzierung der Kapitalgesellschaft durch den Gesellschafter ist vor diesem Hintergrund neu zu überdenken. Während die Zuführung von Eigenkapital zu Gewinnausschüttungen führt, die der Abgeltungsteuer unterliegen, ist die Steuer - liche Beurteilung der Finanzierung der Kapitalgesellschaft durch Gesellschafterdarlehen abhängig von der Beteiligungshöhe des Gesellschafters.

Soweit der Gesellschafter zu 10 % und mehr beteiligt ist, gilt für Zinseinnahmen aus Gesellschafterdarlehen die Abgeltungsteuer nicht. Diese Zinseinahmen hat der Gesellschafter seinem pro gressiven Steuersatz zu unterwerfen. Wegen Anwendung des tariflichen Steuersatzes sind insoweit aber die Möglichkeiten der Verlustverrechnung, auch mit anderen Einkünften, und der Werbungskostenabzug gegeben.

Im Rahmen der Gestaltungsberatung kann dies im Einzelfall zur Verringerung der Steuerbelastung genutzt werden (hohe Werbungskosten, Verluste bei anderen Einkünften).

Korrespondierend sind die zu entrichtenden Zinsaufwendungen bei der Kapitalgesellschaft Betriebsausgaben. Im Einzelfall ist in einer steuer lichen Gesamtbetrachtung von Kapitalgesellschaft und Gesellschafter zu untersuchen, ob die Eigenkapital- oder Fremdkapitalfinanzierung steuerlich vorteilhaft ist.

Auch wenn die Einführung der Abgeltungsteuer einen Beitrag zur Vereinfachung des Steuerrechts leistet, ist zu bedenken, dass durch die umfassend gestalteten Missbrauchsklauseln und die Vielzahl der möglichen Anträge (Antragsveranlagung, Günstigerprüfung, Verlustbescheinigungen) der Steuerpflichtige in der Regel gezwungen ist, einen steuerlichen Berater zu haben, der darauf achtet, dass er keine steuerlichen Nachteile erleidet.

II. Veräußerung von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen an Kapitalgesellschaften

Die Veräußerung von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen an Kapitalgesellschaften wird unabhängig von der Beteiligungshöhe generell steuerpflichtig.

Anteile an Kapitalgesellschaften, die vor dem 1. Januar 2009 angeschafft werden

Für vor dem 1. Januar 2009 angeschaffte Anteile an Kapitalgesellschaften gilt weiterhin die einjährige Spekulationsfrist (Beteiligung < 1 %) sowie für insoweit steuerpflichtige Veräußerungsgewinne (Beteiligung ≥ 1 %) das Halbeinkünfteverfahren mit dem individuellen Steuersatz.

Anteile an Kapitalgesellschaften, die nach dem 31. Dezember 2008 angeschafft werden

Die Einführung der Abgeltungsteuer geht einher mit der Abschaffung der Spekulationsfristen für Anteile an Kapitalgesellschaften. Somit sind künftig Veräußerungsgewinne von Anteilen an Kapitalgesellschaften, die im Privatvermögen gehalten werden, unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig. Der einheitliche Steuersatz beträgt dann 25 % auf den Veräußerungsgewinn. Diese generelle Steuerpflicht für Anteile im Privatvermögen gilt erstmals für solche, die nach dem 31. Dezember 2008 angeschafft wurden.

Im Fall der Veräußerung eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft, der eine Beteiligung i. S. d. § 17 EStG (Beteiligung ≥ 1 %) darstellt, gehört der Veräußerungsgewinn zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Die Abgeltungsteuer ist in diesem Fall nicht anzuwenden, § 20 Abs. 8 EStG. Statt dessen kommt das Teileinkünfteverfahren zur Anwendung, wonach die Einnahmen aus der Veräußerung zu 60 % steuerpflichtig sind, während die Betriebsausgaben (z. B. Anschaffungskosten) zu 60 % steuermindernd geltend gemacht werden (ab VZ 2009). Damit unterliegen die Veräußerungsgewinne zu 60 % dem normalen Einkommensteuertarif.

Die steuerlichen Folgen ab dem Veranlagungs - zeitraum 2009, für Anteile, die nach dem 31. 12. 2008 erworben wurden, stellen sich wie folgt dar:

(Andreas Stamm)


 


 

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