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Gelöschte GmbH

Tilgung von GmbH-Schulden durch Ex-Gesellschafter nicht abziehbar

In der Praxis kommt es immer wieder einmal vor, dass frühere (Gesellschafter-)Geschäftsführer einer GmbH deren Bankverbindlichkeiten auch noch nach Löschung der GmbH im Handelsregister tilgen.

Dies geschieht meist deshalb, um seinen guten Ruf als Unternehmer (und künftiger Darlehensnehmer) nicht zu gefährden. In einem solchen Fall stellt sich die Frage, ob die nachträgliche Tilgung von Darlehen der Ex-GmbH durch den früheren Gesellschafter von ihm steuerlich als Verlust nach § 17 EStG abgesetzt werden kann.

(TIPP) Nach dieser Vorschrift kann ein Verlust aus dem Verkauf einer Beteiligung (mindestens 1 Prozent am Stammkapital ) oder aus der Liquidation der GmbH als (negative) Einkünfte aus Gewerbebetrieb steuerlich abgesetzt werden. Ein Verlust fällt immer dann an, wenn der Gesellschafter seinerzeit höhere Anschaffungskosten für die Beteiligung zu tragen hatte als er aus dem Verkauf (der Liquidation) als Erlös erzielt. Bei einer Liquidation im Anschluss an eine Insolvenz der GmbH ist der Erlös des Gesellschafters regelmäßig Null, sodass in Höhe der ursprünglichen und der später angefallenen (nachträglichen) Anschaffungskosten immer ein Verlust anfällt, der mit anderen positiven Einkünften des Ex-Gesellschafters verrechnet werden kann.

In einem Urteil vom 9.6.2010 hat der BFH entschieden, dass die Ablösung von Restdarlehen einer bereits gelöschten GmbH durch einen ehemaligen Gesellschafter bei diesem steuerlich nicht berücksichtigt werden kann.

(!) Als nachträgliche Anschaffungskosten können Aufwendungen eines Gesellschafters dessen Auflösungsverlust nur erhöhen, wenn sie sich auf die konkrete Beteiligung beziehen. Befriedigt ein qualifiziert beteiligter Gesellschafter einer GmbH einen Gläubiger der Ex-Gesellschaft, obschon diese Verbindlichkeit wegen der Vollbeendigung der GmbH nicht mehr besteht, ist der entsprechende Aufwand nicht (mehr) durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst. Dabei muss beachtet werden, dass die GmbH nach ihrer Löschung als Person überhaupt nicht mehr existent ist und ihre Verbindlichkeiten entsprechend untergegangen sind.

Der Begründung des Klägers, er habe die Zahlungen geleistet, um seine geschäftliche Reputation und seine persönliche Kreditwürdigkeit zu wahren, zeigten, dass eine konkrete sachliche Verknüpfung mit der Beteiligung an der GmbH fehlte; für die steuerliche Anerkennung der Zahlungen als nachträgliche Anschaffungskosten auf die Beteiligung müsse aber eine „unerlässliche Veranlassung durch das konkrete Gesellschaftsverhältnis“ vorliegen.

(!) Auch ein Abzug der Tilgungszahlungen als Werbungskosten (zur Werbungskosten Definition) im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist nach ausdrücklicher Begründung des BFH nicht möglich. Damit grenzt er diesen Fall von seiner Grundsatzentscheidung vom 16.3.2010 betreffend den Abzug nachträglicher Schuldzinsen aus der Anschaffung einer Beteiligung im Sinne des § 17 EStG ab. In dieser Entscheidung hatte der BFH den Werbungskostenabzug für Schuldzinsen bei den Einkünften aus Kapitalvermögen auch für Veranlagungszeiträume nach der Veräußerung der Beteiligung bzw. nach Auflösung der GmbH anerkannt.

BFH, Urteil vom 9.6.2010, Az. IX R 52/09, DB 2010, S. 2369

(VSRW-Verlag)


 


 

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