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Urteil

GmbH-Beteiligung: Schuldzinsen nach Auflösung der GmbH steuerlich abzugsfähig?

Mit Urteil vom 16.3.2010 hatte der BFH entschieden, dass Schuldzinsen für die Anschaffung einer wesentlichen Beteiligung (mehr als 1%) an einer GmbH auch dann noch steuerlich abzugsfähig sind, wenn sie nach der Veräußerung der Beteiligung oder nach der Auflösung der GmbH anfallen. Das galt freilich nur uneingeschränkt bis Ende 2008. Denn seit der Einführung der Abgeltungsteuer ab 2009 gilt ein generelles Werbungskostenabzugsverbot.

Aber auch dann, wenn die Beteiligung an der GmbH nicht fremdfinanziert war, können im Anschluss an die Liquidation der Gesellschaft noch Schuldzinsen im Zusammenhang mit der ehemaligen Beteiligung anfallen, wie der nachfolgende Fall zeigt. Die Frage der steuerlichen Abzugsfähigkeit stellt sich dann erneut.

A hielt eine wesentliche Beteiligung an einer GmbH im Privatvermögen. Zu Gunsten der GmbH hatte er sich verbürgt. Im Jahr 2003 stellte die GmbH einen Insolvenzantrag, im Jahr 2005 wurde sie wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht.

A wurde in 2003 aus der Bürgschaft in Anspruch genommen und nahm zur Finanzierung seiner Bürgschaftsverpflichtung ein Bankdarlehen auf. Das Finanzamt erhöhte den im Jahr 2003 berücksichtigten Verlust aus der wesentlichen Beteiligung um den Nennbetrag des Bankdarlehens (= nachträgliche Anschaffungskosten). Zusätzlich machte A in seiner Einkommensteuererklärung 2006 die auf das Darlehen gezahlten Zinsen als nachträgliche (negative) Einkünfte gemäß § 17 EStG geltend. Dies lehnte das Finanzamt jedoch ab; dagegen richtete sich die Klage.
Nach Ansicht des BFH waren die gezahlten Zinsen nicht als nachträgliche Einkünfte im Rahmen des § 17 EStG zu berücksichtigten, sondern als Werbungskosten (zur Werbungskosten Definition) aus Kapitalvermögen gemäß § 20 EStG.

Das Gericht verwies auf seine Rechtsprechung vom 16.3.2010, wonach nachträgliche Schuldzinsen für die Anschaffung einer im Privatvermögen gehaltenen wesentlichen Beteiligung ab dem Veranlagungszeitraum 1999 grundsätzlich – ebenso wie nachträgliche Betriebsausgaben – als Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen abgezogen werden können.
Die für den nachträglichen Werbungskostenabzug notwendigen Voraussetzungen waren im vorliegenden Fall gegeben: Die verbliebene Darlehensverbindlichkeit konnte nicht aus dem Liquidationserlös getilgt werden. Zinsen auf diese verbliebene Verbindlichkeit waren demzufolge abzugsfähig.

Die berücksichtigungsfähigen Zinsen konnten im Streitjahr (2006) nur zur Hälfte abgesetzt werden, da das Halbeinkünfteverfahren galt. Nach Einführung der Abgeltungsteuer können grundsätzlich keine Werbungskosten mehr abgesetzt werden.

Wer jedoch eine mindestens 25%-ige Beteiligung an der GmbH hielt oder alternativ eine 1%-ige Beteiligung und zugleich für die Ex-GmbH beruflich tätig war (z.B. als Geschäftsführer), kann mit einem Antrag nach § 32 d Abs. 2 Nr. 3 EStG die Abgeltungsteuer „abwählen“ und damit auch das Werbungskostenabzugsverbot „aushebeln“.

(VSRW-Verlag)


 


 

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1 Kommentar

von Leser 1
24.05.12 17:08 Uhr
schuldzinsen abzugsfähig???

Schöner Artikel, aber ...
...nach § 32d Abs. 3 Nr 3 S. 1 EStG ist der Antrag auf "Abwählen" der Abgeltungssteuer nur dann zulässig, wenn der Steuerpflichtige im Veranlagungszeitraum, für den der Antrag erstmals gestellt wird, unmittelbar oder mittelbar zu 25 % oder 1 % + beruflich tätig beteiligt ist. Das bedeutet, dass nachträgliche Werbungskosten in dem o. g. Beispiel nicht in Ansatz gebracht werden können, da die Beteiligung im KJ 2003 / 2005 - also vor der Abgeltungssteuer 2008 - unterging!

Gibt es bezüglich dieses Beispiels bereits anhängige Verfahren??
Viele Grüße

 

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