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Bilanzansatz

Folgen bei vom Gesellschafter privat genutzten Gütern der GmbH beachten

Mit den steuerlichen Konsequenzen, welche sich aus der Privatnutzung von der GmbH gehörenden Wirtschaftsgütern durch ihren Gesellschafter ergeben, hat sich das FG München in seiner rechtskräftigen Entscheidung vom 7.1.2010 näher befasst. Einer der Streitpunkte mit dem Finanzamt war:

Weil das Wirtschaftsgut – ein Flachbildschirm – ausschließlich vom (Allein-)Gesellschafter-Geschäftsführer privat genutzt wurde, lag nach Ansicht der Beamten überhaupt kein Betriebsvermögen der GmbH (GmbH Definition), sondern Privatvermögen vor. Das Wirtschaftsgut sei deshalb mit null Euro in der GmbH-Bilanz anzusetzen und die Anschaffungskosten außerordentlicher Aufwand der Gesellschaft, welcher zusammen mit den bisherigen Abschreibungen als verdeckte Gewinnausschüttungen (vGA) zu beurteilen sei.

Das Finanzgericht war anderer Ansicht. Auch wenn ein Wirtschaftsgut der GmbH ausschließlich vom deren Gesellschafter (Gesellschafter Definition) privat genutzt wird, wird es dadurch noch lange nicht zu privatem Vermögen. Selbst dann bleibt es immer noch Betriebsvermögen der GmbH. Denn eine Kapitalgesellschaft kann – wie höchstrichterlich geklärt ist – grundsätzlich keine außerbetriebliche Sphäre und damit kein Privatvermögen haben. Mit anderen Worten: Der Flachbildschirm steht zu Recht mit den (abgeschriebenen) Anschaffungskosten in der GmbH-Bilanz.

Allerdings – so die Finanzrichter weiter – ist die unentgeltliche Nutzungsüberlassung an den Gesellschafter-Geschäftsführer eine Vorteilszuwendung, die aufgrund gesellschaftsrechtlicher Veranlassung bei der GmbH wie auch beim Gesellschafter als vGA „zu Buche schlägt“. Eine vGA besteht in der Höhe, in der die GmbH gegenüber ihrem Gesellschafter auf einen Aufwendungsersatz für das überlassene Wirtschaftsgut verzichtet hat – zuzüglich eines angemessenen Gewinnaufschlags.

(!) Bei kostenloser Nutzungsüberlassung von Wirtschaftsgütern an den Gesellschafter zum Privatgebrauch bemisst sich die Höhe der vGA grundsätzlich danach, welches Entgelt ein fremder Dritter dafür zu zahlen bereit wäre (Fremdvergleich). Doch wird es in der Praxis häufig an leicht zu ermittelnden, marktgängigen Vergleichsentgelten fehlen. Vor diesem Hintergrund wird es sich in der Praxis oft anbieten, das „übliche“ Nutzungsentgelt vereinfachend auf der Basis der Selbstkosten der GmbH für das dem Gesellschafter zum Privatgebrauch überlassene Wirtschaftsgut zuzüglich eines angemessenen Gewinnaufschlags zu ermitteln. Diese vereinfachende Berechnung ist auch höchstrichterlich abgesegnet (BFH, Urteil vom 23.2.2005).

(Tipp) Da bei einer quasi GmbH-internen Nutzungsüberlassung keine normale gewerbliche Vermietung vorliegt, werden sich GmbH und Gesellschafter regelmäßig den Gewinnaufschlag teilen. Das heißt: VGA-relevant ist nur der halbe Gewinnaufschlag, wie sich ebenfalls aus dem vorgenannten BFH-Urteil vom 23.2.2005 ergibt.

Welcher Prozentsatz ein „angemessener“ Gewinnaufschlag ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Hier will sich die höchstrichterliche Rechtsprechung nicht festlegen, wie sich aus der Entscheidung vom 16.9.2009 ergibt. Einen allgemein verbindlichen Erfahrungs-/Prozentsatz lehnt der BFH ab. Von den Finanzgerichten werden Gewinnaufschläge in der Bandbreite von fünf bis zehn Prozent angesetzt. Die Faustregel lautet hier: Je höher der Anteil der Privatnutzung und je teurer das Wirtschaftsgut ist, desto höher fällt der Gewinnaufschlag aus.

 FG München, rechtskräftige Entscheidung vom 7.1.2010, Az. 7 V 3332/09; GmbH-Stpr. 2010, S. 346 – Bestell-Nr. GT 1/11

BFH, Urteil vom 23.2.2005, Az. I R 70/04; GmbH-Stpr. 2005, S. 283; Entscheidung vom 16.9.2009, Az. I B 70/09

(VSRW-Verlag)


 


 

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