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Vereinsbeiträge

Von GmbH übernommene Vereinsbeiträge: Entscheidend ist das überwiegende Interesse der GmbH als Arbeitgeberin

Wichtige geschäftliche Kontakte werden in der Praxis häufig auch über „persönliche“ Mitgliedschaften in Vereinen geknüpft. Übernimmt ein Arbeitgeber-Unternehmen, beispielsweise eine GmbH, für ihren Geschäftsführer die Aufnahmegebühr und den Jahresbetrag, muss dies nach höchstrichterlicher Rechtsprechung im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse geschehen.

Ansonsten ist die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber als Arbeitslohn zu versteuern – so das Niedersächsische FG im Fall eines Geschäftsführers, für den seine GmbH die Beiträge für einen Golf-Club übernommen hatte (Urteil vom 25.6.2009).

(!) Hier ist der Betriebsausgabenabzug der GmbH ungefährdet. Vorausgesetzt: Die Übernahme der Kosten erfolgt gegenüber einem normalen GmbH-Mitarbeiter/Geschäftsführer ohne Gesellschafterstatus. Steuerlich negative Folgen ergeben sich nur auf der Seite des Arbeitnehmers, der in Höhe der ersparten Vereinsbeiträge einen geldwerten Vorteil (= steuerpflichtiger Arbeitslohn) erhält. Anders ist die Situation bei einem Geschäftsführer mit Gesellschafterstatus. Hier kann eine nicht ganz überwiegend betrieblich bedingte Kostenübernahme durch die GmbH zu Vorteilszuwendungen in Form von verdeckten Gewinnausschüttungen führen.

Im Streitfall übernahm die GmbH für ihren alleinigen, nicht an der Gesellschaft beteiligten Geschäftsführer die Aufnahmegebühr für einen Golfclub und die Jahresgebühr. Der GmbH-Chef sollte im Club Geschäftspartner werben. Vor diesem besonderen betrieblichen Hintergrund meinte die GmbH als Arbeitgeberin, den ihrem Geschäftsführer zugewendeten Vorteil nicht lohnversteuern zu müssen.

Finanzamt und Finanzgericht waren anderer Ansicht: Die Mitgliedschaft in einem Golfclub betrifft in erster Linie die private Sphäre des Arbeitnehmers, liegt also ganz überwiegend im dessen privaten Interesse. Die Kosten können also weder vom Geschäftsführer als Werbungskosten (zur Werbungskosten Definition) geltend gemacht werden noch vom Arbeitgeberunternehmen steuerfrei übernommen werden. Dass die Mitgliedschaft in einem solchen Club beruflich wie geschäftlich förderlich sein kann, reicht nach Ansicht der Finanzrichter angesichts massiver privater Vorteile nicht aus. Im Übrigen lassen sich bei einem solchen klassischen Sportverein private und berufliche Sphäre nicht eindeutig trennen, vielmehr gingen sie ineinander über.

Mit anderen Worten: Auch eine teilweise steuerliche Anerkennung nach den Grundsätzen des Großen BFH-Senats zu gemischt veranlassten Aufwendungen kommt nicht in Betracht.

(!) Sogar eine „Weisung“ des Arbeitgeber-Unternehmens an seinen Arbeitnehmer, einem bestimmten Verein beizutreten, können das überwiegende Arbeitgeberinteresse an der Mitgliedschaft und Kostenübernahme nicht belegen. Hier ist die höchstrichterliche Rechtsprechung eindeutig und hatte die Anerkennung eines ausreichenden betrieblichen Grundes auch im Fall eines „angewiesenen“ GmbH-Geschäftsführers klar verneint (BFH, Urteil vom 15.5.1992).

(Tipp) Handelt es sich nicht um einen klassischen Verein, bei dem privates Hobby oder Sportvergnügen im Mittelpunkt stehen, können gute Chancen für den Werbungskostenabzug beziehungsweise für die Möglichkeit zur steuerfreien Arbeitgeber-Kostenübernahme bestehen:

In Höhe von 100 Prozent der Aufwendungen, wenn für die Mitgliedschaft in dem Verein, zum Beispiel in einem Wirtschafts-Club von Unternehmern, dominierende betriebliche und berufliche Vorteile glaubhaft dargelegt werden können und in der Relation dazu das gesellige Vereinsleben nur von untergeordneter Bedeutung ist, immerhin anteilig in Höhe des beruflich veranlassten Teils der Aufwendungen, wenn berufliche und private Vereinsaktivitäten klar voneinander getrennt ablaufen, es sich also um sog. gemischte Aufwendungen handelt, bei denen sich der berufliche und damit abzugs-/erstattungsfähige Kostenanteil relativ einfach ermitteln lässt.

Hinzuweisen bleibt abschließend darauf, dass sich die GmbH bezüglich lohnsteuerlicher Zweifelsfälle – auch steuerfreier Arbeitgeber-Kostenübernahmen – beim Finanzamt gebührenfrei eine rechtsverbindliche Anrufungsauskunft einholen kann, welche auch für die Zukunft Bestand haben kann.

Niedersächsisches FG, nicht rechtskräftiges Urteil vom 25.6.2009, Az. 11 K 72/08 (BFH-Aktenzeichen: VI R 31/10); GmbH-Stpr. 2010, S. 348

BFH, Urteil vom 15.5.1992, Az. VI R 106/88, BStBl 1993 II, S. 840

(VSRW-Verlag)


 


 

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