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Abgekürzter Vertragsweg

Werbungskosten des Gesellschafters auch bei Übernahme durch die GmbH?

Im Normalfall kann nur derjenige Aufwendungen steuerlich geltend machen, der sie auch tatsächlich getragen hat. Eine Ausnahme macht die Rechtsprechung bei Gestaltungen im Rahmen des sogenannten abgekürzten Vertragswegs.

Hier ist der Aufwand trotz Übernahme durch einen Dritten abzugsfähig. Eine solche Gestaltung funktioniert nicht nur unter nahen Angehörigen (siehe Hintergrund-Info mit Beispiel am Ende des Beitrags), sondern auch zwischen dem Gesellschafter und seiner GmbH. Dies geht aus dem BFH-Urteil vom 28.9.2010 hervor.

Im Streitfall hatte eine Gesellschafter-Geschäftsführerin eine Altbauwohnung gemietet, die zu 50 Prozent an ihre GmbH untervermietet werden sollte. Mit Rücksicht darauf führte die GmbH umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Wohnung durch und trug die Instandhaltungskosten. Allerdings kam es dann nicht zu der geplanten Untervermietung an die Gesellschaft. Die GmbH hatte ein geeigneteres Mietobjekt gefunden. Deshalb wurde die Wohnung an einen Dritten vermietet.

Unter Bestätigung seiner bisherigen Rechtsprechung zu Angehörigen-Gestaltungen hat der BFH entschieden: Die von der GmbH – als Dritte – getragenen Erhaltungsaufwendungen erfolgten zwar in deren eigenen Namen und für deren eigene Rechnung, letztlich jedoch allein im Interesse ihrer Gesellschafterin. Die Kostenübernahme geschah also im Wege des steuerlich anzuerkennenden abgekürzten Vertrag swegs.

Konsequenz: Obwohl die GmbH hinsichtlich der Renovierung alles Notwendige – Handwerkerbeauftragung und deren Bezahlung – übernommen hatte, waren die Ausgaben der Gesellschafterin als eigene Werbungskosten (zur Werbungskosten Definition) bei ihren Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung zuzurechnen.

(!) Allerdings hatte die Entscheidung des BFH für GmbH und Gesellschafterin auch eine negative Kehrseite: Mit der 100-prozentigen Übernahme der Instandsetzungskosten hatte die GmbH mehr Aufwand übernommen, als ihrem ursprünglich vorgesehenen Nutzungsanteil (50 Prozent) entsprach. Ein normaler Mieter hätte lediglich die Kosten in Höhe seines Nutzungsanteils getragen. Die Hälfte der übernommenen Renovierungskosten – so der BFH – war damit als Vorteilszuwendung der GmbH an ihre Gesellschafterin in Form verdeckter Gewinnausschüttungen zu beurteilen. Denn dass die „großzügige“ Kostenübernahme durch die GmbH ihre besondere Ursache im Gesellschaftsverhältnis hatte, war nicht von der Hand zu weisen.

BFH, Urteil vom 28.9.2010, Az. IX R 42/09, DB 2010, S. 2539 – Bestell-Nr. GT 1/11-

Hintergrund-Info: Abgekürzter Vertragsweg

Dabei handelt es sich um eine durch die höchstrichterliche Rechtsprechung mittlerweile mehrfach bestätigte Konstruktion: Danach werden Aufwendungen, beispielsweise für Immobilien-Instandsetzungen, steuerlich anerkannt, obwohl eine dritte Person – meist ein Angehöriger – den Vertrag abgeschlossen und auch die Rechnungen bezahlt hat. Entscheidend für die steuerliche Anerkennung als Gestaltung im Wege des sog. abgekürzten Vertragswegs ist: Die Beauftragung und Kostenübernahme erfolgte letztendlich allein im fremden Interesse. Das heißt: Es ist klar erkennbar, dass die jeweilige Maßnahme – wie etwa eine Immobilien-Instandsetzung – quasi „direkt“ geschenkt wurden.

Beispiel:

Die Eltern übernehmen für die vermietete Immobilie des Sohnes sowohl die Beauftragung der Handwerker als auch die Bezahlung der Rechnungen. Sie treten zwar als Auftraggeber im eigenen Namen und für eigene Rechnung auf. Doch geschieht letztlich alles, um dem Sohn die Renovierungskosten zuzuwenden.

Mit anderen Worten: Statt dem Sohn den notwendigen Geldbetrag für die Renovierung vorzustrecken und zu schenken, kürzen die Eltern diesen Umweg ab und schenken ihm die Renovierung seiner Immobilie auf direktem (abgekürzten) Vertragsweg.

(!) Die Konstruktion des abgekürzten Vertragswegs wird von der Finanzverwaltung nur bei der Übernahme von Aufwand anerkannt, der als Werbungskosten oder Betriebsausgaben zu beurteilen ist. Nicht anerkannt wird diese Gestaltung bei der Übernahme von Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen. Denn hier setzt die Abzugsfähigkeit eine tatsächliche Belastung voraus.

Beispiel: Wenn Eltern beispielsweise Versicherungsbeiträge für ihren Sohn übernehmen wollen, sollten sie dies nicht auf direktem Weg unter „Vertrags-Abkürzung“ tun, sondern in herkömmlicher Weise den jeweiligen Betrag schenken.

(VSRW-Verlag)


 


 

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