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  • 20.09.2009, 11:53 Uhr
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Goldpreis

Beruhigungsmittel für Anleger

(ddp). Gold gilt traditionell als verlässlicher Wert und vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Der derzeit hohe Goldpreis von über 1000 Dollar pro Feinunze, was einem Gewicht von 31,1 Gramm entspricht, ist deshalb auch ein Zeichen für die Ängste der Anleger. «Gold lässt sich mit einer Versicherung vergleichen. Der hohe Goldpreis weist auf höhere Risiken an den Kapitalmärkten hin», sagt Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse bei der Commerzbank.

Die Kosten einer Risikolebensversicherung sind für einen Fallschirmspringer schließlich auch höher, als für jemanden, der immer zu Hause sitzt», ergänzt der Experte. Eine der Ursachen für den hohen Goldpreis sieht der Analyst dementsprechend in der bei Anlegern verbreiteten Skepsis angesichts der starken Entwicklung der Aktienmärkte. «Ein gestiegener Ölpreis und höhere Industriemetallpreise haben den Märkten Auftrieb gegeben. Die Befürchtung wächst, dass diese Performance so nicht weitergeht.» Aber auch der schwache Kurs des Dollars treibt den Preis für das Edelmetall in die Höhe. «Der Goldpreis ist stets vom Dollar abhängig», sagt Weinberg und bezeichnet Gold sogar als «Anti-Dollar-Währung». Mit fallendem Dollar steige der Preis für das Edelmetall und umgekehrt. Schwächer als sonst fällt in diesem Jahr die saisonale Komponente aus.

Die Nachfrage der Schmuckindustrie nach Gold für das Weihnachtsgeschäft und die Hochzeitssaison in Indien, wo traditionell Goldschmuck verschenkt wird, sei im August und September 2009 gegenüber den Vorjahren unterdurchschnittlich. «Das liegt an der allgemeinen Wirtschaftskrise», erklärt der Rohstoffanalyst. Weinberg empfiehlt trotz der gestiegenen Konditionen, in Gold zu investieren. «Die Investition in Gold hängt nicht so sehr vom Preis ab, da Gold kein Spekulationsobjekt ist.» Darum eigne sich Gold vor allem als langfristige Anlage, die gegen Schwankungen an den Aktienmärkten und gegen eine mögliche Inflation absichere. Ähnlich sieht es David Reymann von pro aurum, einem privaten Handelshaus für Edelmetalle, in München. «Gold wirft zwar keine Zinsen ab, aber es ist das Konservierungsmittel für Werte.» Zwar führe ein nervöser Finanzmarkt auch zu Kursschwankungen bei Gold und damit potenziell auch zu Verlusten. Aber: «Der Wert von Gold wird niemals null betragen, wie es bei Aktien passieren kann. Es stellt einen Wert an sich dar», schildert Reymann die Vorzüge des Edelmetalls. Zudem müssen Interessenten nicht über nennenswerte Reichtümer verfügen, um in Gold zu investieren. Im Handel ist es bereits in der Minimenge von einem Gramm für derzeit rund 24 Euro zu haben.

Auch die Vertriebswege sind flexibel. Ganz so wie Bücher oder Elektrogeräte ist mittlerweile auch Gold im Onlinehandel erhältlich. Die Barren oder Münzen kann sich der Anleger auf Wunsch per versichertem Transport nach Hause liefern lassen und entweder im heimischen Tresor oder in einem Schließfach bei der Hausbank verwahren. Zudem besteht die Möglichkeit, das Gold gegen eine Lagerungsgebühr im Edelmetalldepot oder Schließfach des Händlers zu belassen. Manche Anleger bevorzugen jedoch eine seit Jahrhunderten erprobte Aufbewahrungsmöglichkeit für ihren Schatz. «Mitunter kommt es vor, dass Kunden ihr Gold tatsächlich im Garten vergraben», sagt Reymann. Der Edelmetallhändler rät aber nicht nur aus Sicherheitsgründen von dieser Lagerung ab. «Ein eventuell notwendiger schneller Zugriff auf das Gold gestaltet sich natürlich schwieriger.» Wer dennoch das Erddepot unter dem heimischen Kirschbaum favorisiert, sollte unbedingt eine Vertrauensperson über die genaue Lage informieren. «Sonst besteht die Gefahr eines unauffindbaren Goldschatzes im Garten», warnt Reymann.

Als Geldanlage bleibt das Edelmetall für verunsicherte Anleger jeder Couleur wohl auch längerfristig interessant. «In den nächsten Wochen werden wir eine kurzzeitige Preiskorrektur auf etwa 900 bis 950 Dollar pro Feinunze erleben», sagt der Goldexperte Weinberg. Grund sei das zu erwartende Ende der Rückkäufe von Gold-Termingeschäften durch den weltgrößten Goldproduzenten Barrick Gold. Aber bereits für das vierte Quartal prognostiziert der Analyst wieder steigende Preise. Neben dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft nennt Weinberg als Ursache wiederum die Furcht: «Die Inflationsangst wird kommen.»

ddp/tjs/mbr

Von ddp-Korrespondentin Tatjana Schäfer

(ddp)


 


 

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