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  • 30.03.2006, 12:53 Uhr
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  • Köln

Greifen Heuschrecken nach dem Kölner GAG-Immobilien-Konzern?

Kurs kletterte in den letzten 3 Monaten um 25 Prozent Wollen Münteferings „Heuschrecken“, also angelsächsische ‚private equity Fonds’ oder Hedgefonds, den Kölner Immobilienkonzern GAG AG schlucken?

Der Aktienkurs des stadt-nahen Unternehmens, das rund 39.000 eigene Wohnungen besitzt und weitere 2.000 fremde verwaltet, ist in den letzten zwölf Monaten um fast 50 % gestiegen. Seit Anfang des Jahres kletterte das Papier von 24 auf 30 Euro. Vor einem Jahr wurde die Aktie (WKN 596 353) noch zum Schnäppchenpreis von 21 Euro gehandelt. Rund 15% der Anteilsscheine befinden sich im Streubesitz, viel Umsatz läuft an der Börse nicht.

Große Wohnungskonzerne sind in letzter Zeit bei Finanzinvestoren sehr begehrt. Die Stadt Dresden wird mit einem Schlag durch den Verkauf von 47.600 Wohnungen ihrer Immobilientochter WoBa an den Fonds „Fortress“ für 1,75 Mrd. Euro alle Schulden los. Die Stadt wird als erste „schuldenfreie Stadt“ Ostdeutschlands gelobt. Noch gewaltiger war der Deal zwischen dem Energiekonzern E.ON und dem englischen Investor „Terra Firma“, dem die 138.000 Werkswohnungen rund 7 Mrd. Euro wert waren.

Die Kölner GAG AG war in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel bzw. Opfer von Spekulationen. Der Verkauf der Wohnungen stieß bisher auf heftigen Widerstand bei den Mietern, dem Mieterbund und der SPD im Stadtrat, weil befürchtet wurde, dass neue Eigentümer die Miete stark anheben oder die Wohnungen zu überhöhten Preisen weiter verkaufen würden. Große Teile der Rathaus-CDU hingegen bejahten den Vorschlag, das Tafelsilber der Stadt zu verwerten, um die Stadt nach dem Vorbild der Elbe-Metropole von ihren drückenden Schulden zu befreien.

Das GAG-Paket könnte gut und gerne 2 Mrd. Euro wert sein. „Wenn ich 39.000 Wohnung zu je 50.000 Euro kalkuliere, komme ich auf einen Preis von 1,95 Mrd. Euro“, überlegt Prof. Dr. Max Otte vom Kölner Institut für Vermögensentwicklung (IFVE). Dagegen stehen laut seinen Recherchen Schulden in Höhe von 1,4 Mrd. Euro, bleiben also 550 Mio. Euro Überschuss. „Das Unternehmen ist an der Börse derzeit mit 430 Mio Euro bewertet. Diese Unterbewertung ist solange gerechtfertigt, wie durch kommunales Management nicht das volle Ertragspotenzial gehoben werden kann“, führt Prof. Otte weiter aus.

Der Fachmann glaubt: Kurse bis zu 40 Euro sind drin.

Die Entscheidung über den Verlauf der GAG AG kann nur der Rat der Stadt Köln fällen. Mehrere Stadtverordnete sitzen im Aufsichtsrat . Auf Anfrage von Business-on.de teilt die GAG Immobilien AG mit: "Kein Kommentar".

(Ulrich Gross)


 


 

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