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Guerilla ist ein kleiner Krieg

Viva las Guerillas! Ein Begriff wird zum Trend

Guerilla Marketing, Guerilla-Gardening oder Guerilla- Partys – der Begriff „Guerilla“ ist in aller Munde. Das Wort kommt aus dem Spanischen und ist die Verkleinerungsform von guerra, welches nichts anderes als Krieg bedeute – guerilla ist ein kleiner Krieg. Die deutsche Schreibweise, bei der ein r wegfällt, entlehnt sich allerdings aus dem französischen Guérilla, die Bedeutung bleibt die gleiche.

T-Shirts mit dem Konterfei des prominentestem aller Guerilleros Che Guevara auf der Brust sind Kassenschlager, auch PLO-Schals, als Palästinensertuch bekannt, verkaufen sich gegenwärtig besser denn je. Was ist los in unserer Gesellschaft, in der sich plötzlich so viele Menschen als Guerilleros bezeichnen? Wer sind diese Neuzeit-Kämpfer?

Da wären zum Beispiel die Pariser Party Guerilleros „Jeudi-Noir“ – übersetzt „schwarzer Donnerstag“. Die Gruppe setzt sich aus Studenten zusammen, die gegen die abnorm hohen Mieten der französischen Hauptstadt auf eine charmante Art rebellieren: Auf ein Kommando hin versammeln sich die Mitglieder, bewaffnet mit Drinks, Ghettoblaster und Luftballons, schnell und spontan, um während eines Besichtigungstermins die annoncierte Wucher-Wohnung in eine Disko zu verwandeln. Dieses strategische Verhalten des „Flash Mobs“ trifft die Vermieter oft ohne Vorwarnung. Das nutzen die „Jeudi-Noir“, um mit ihnen über die Mietpreise ins Gespräch zu kommen, denn die Wohnungsnot unter den Pariser Studenten ist groß, Preise von 500 Euro für 25 Quadratmeter sind keine Seltenheit. Nur in den wenigsten Fällen ruft ein Vermieter die Polizei.

Auch in London werden Guerilla-Partys gefeiert – Ziel des spontanen Party-Mobs sind aber nicht überteuerte Wohnung, sondern öffentliche Plätze wie Toiletten von Fastfood-Ketten oder U-Bahn Stationen, die sie in Galerien oder Partys-Lokations verwandeln. Ziel der Guerilla-Partycrowd ist es, den öffentlichen Raum wieder neu zu beleben und ihn für gemeinnützige Zwecken zurück zu erobern.

Um die Beschlagnahmung von Lebensraum geht es auch beim Guerilla Gardening. Die Aktivisten mit dem grünen Daumen bepflanzen öffentliche Grünflächen mit schönen und nutzbaren Pflanzen. Sie protestieren mit ihren Bepflanzungsüberfällen gegen unmoralische Methoden in der Agrar-Industrie und wollen die Städte als lebenswerte, ökologische Umwelt erfahrbar machen.

Lebensraum haben die Besucher der Guerilla-Shops des japanischen Modelabels Comme des Garçons sehr wahrscheinlich reichlich – wer hier shoppt, braucht sich um Mietpreise keine Sorgen machen. Die Geschäfte sind gewollt nicht leicht zu finden, sie liegen abseits der bekannten Luxusmeilen der Metropolen. Oft wird die Adresse nur über Mundpropaganda verbreitet. Auch bleiben die Shops nicht für die Ewigkeit geöffnet, meist schließen sie nach einem festgesetzten Zeitrahmen. Im Falle von Comme des Garçons nach einem Jahr – trotz guter Geschäfte. Auch andere Labels, wie Gucci oder Prada haben sich der Idee bedient und Guerilla-Shops eröffnet.

Neben den vorgestellten Gruppen gibt es zahlreiche andere „G-Gruppen“. Ob Guerilla-Clubs, Guerilla-Yoga, Guerilla-Golf oder Guerilla-Kommunikation – die Neuzeit-Guerillas kommen aus allen Nischen. Gemeinsam haben die Gruppen, das sie bekannte Muster des Alltages in Frage stellen und versuchen kulturelle Muster aufzubrechen. So beginnt neben dem Asphalt Wildreis zu sprießen, der Fastfood-Kauf wird zum Kunstevent und Luxus-Shopper besuchen Abrisshäuser.

Vielleicht sind all die Bewegungen Beweis dessen, was der Wired Chefredakteur Chris Anderson mit seiner Aussage: „Die Ameisen haben Megafone!“ in seinem Buch „The Long Tail“ (siehe „Vom gestutzten Schweif des Drachens“, Future Report East 01.2007) beschreibt: Der Mainstream dünnt sich aus und individualisierte Gruppen beginnen ihre Ansprüche am Markt durchzusetzen. Das bringt eine bunte Zukunft und neue geschäftliche Möglichkeiten. Es lebe die friedliche Revolution!

Kommentar:
Es herrscht eine zunehmende Emanzipation der Gesellschaft. Individualisierte Gruppen schrecken nicht mehr davor zurück, friedlich und oft humorvoll, bestehende Strukturen in Frage zu stellen. So wird früher oder später der Markt erkennen müssen, dass sich die Kundschaft nicht als gesichtlose Masse mit Mainstream-Produkten abspeisen lassen wird. Individualität wird zum Schwarmtrend.

Mehr aktuelle News im Mindsharing Blog

(Björn Theis)


 


 

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