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Zweifamilienhaus

Heimbüro in zweiter separater Wohnung kein häusliches Arbeitszimmer?

Bei einem sogenannten außerhäuslichen Arbeitszimmer greifen die gesetzlichen Abzugsbeschränkungen nicht. Liegt in einem Zweifamilienhaus die selbst genutzte Wohnung im Untergeschoss und das Heimbüro in der Obergeschoss-Wohnung, kann ein außerhäusliches Arbeitszimmer vorliegen – obwohl sich der Privat- und der Arbeitsbereich in einem einzigen Gebäude befinden. Dies geht aus einem Urteil des FG Baden-Württemberg vom 15.5.2009 hervor, das allerdings der Bundesfinanzhof erst noch bestätigen muss.

(!) Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer kann nur derjenige voll absetzen, der dort als „Heimarbeiter“ seinen beruflichen Mittelpunkt hat. Wenn für die berufliche Tätigkeit kein anderer (geeigneter) Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist die Abzugsfähigkeit auf einen Jahresbetrag von 1.250 Euro begrenzt. Hier musste der Gesetzgeber aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts rückwirkend nachbessern und hat dies im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2010 auch getan.

In dem vom FG Baden-Württemberg entschiedenen Fall war entscheidend: Nur das Erdgeschoss des Zweifamilienhauses wurde als Privatwohnung genutzt. Die zweite Wohnung im Obergeschoss – als Heimbüro genutzt – war mit einem getrennten Eingang ausgestattet und nicht durch einen direkten Zugang zu den unteren Wohnräumlichkeiten verbunden. Das heißt: Innerhalb des Gebäudes waren die Bereiche „Wohnen“ und „Arbeiten“ strikt getrennt und lagen außerdem noch auf verschiedenen Ebenen. Damit war für die Finanzrichter klar: Das klar außerhalb der privaten Wohnsphäre liegende Heimbüro musste ein außerhäusliches Arbeitszimmer sein.

Bisher hatte der Bundesfinanzhof einen vergleichbaren Arbeitszimmer-Fall noch nicht entschieden. Entschieden hat er bisher lediglich, dass ein Heimbüro in einem Mehrfamilienhaus dann kein „häusliches“ Arbeitszimmer ist, wenn sich auf derselben Etage noch eine weitere, an einen Dritten vermietete Wohnung befindet.

Beispiel: Das Erdgeschoss des Hauses wird selbst genutzt, das Oberschoss ist in zwei baulich separate Einheiten aufgeteilt; die erste Einheit ist als Kleinwohnung an einen Dritten oder Angehörigen vermietet, während die zweite Einheit als Heimbüro genutzt wird. Hier ist die private „häusliche“ Sphäre im Gebäude durch die Fremdnutzung quasi unterbrochen. Das Heimbüro ist kein häusliches, sondern ein außerhäusliches Arbeitszimmer.

(Tipp) Der Ausgang des Revisionsverfahrens bleibt abzuwarten. Wer steuerlich auf Nummer sicher gehen will und die Möglichkeit dazu hat, sollte lieber – wie im Beispiel dargestellt – auf die Gestaltung mit Angehörigen mit einer fremd genutzten Wohneinheit zurückgreifen. Dann jedenfalls ist sichergestellt, dass sich die „häusliche“ sprich private Sphäre nicht auf das Gesamtgebäude erstreckt.

FG Baden-Württemberg, nicht rechtskräftiges Urteil vom 15.5.2009, Az. 10 K 3583/08; BFH-Aktenzeichen: VIII R 7/10

(VSRW-Verlag)


 


 

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