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Heimischer Spargel behauptet sich gegen Importe

(ddp-nrw). Auf dem Hof von Max-Josef Kallen im rheinischen Dormagen geht es turbulent zu. 120 Erntehelfer aus Polen und Rumänien helfen derzeit bei der Spargelernte. Wer hier sein Geld verdient, muss früh aufstehen: Um halb sechs beginnt die Arbeit auf dem Feld mit dem Stechen des begehrten Feingemüses, es folgt die Verarbeitung für den Verkauf.

Der heute 49-jährige Kallen stieg vor zehn Jahren ins Spargelgeschäft ein. Aus dreiviertel Hektar Anbaufläche sind inzwischen 40 geworden, ein Fünftel des Hofes. Damit trug Kallen dazu bei, dass Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen zum zweitgrößten deutschen Spargelland wurde.

Mit rund 4000 Hektar ist die Anbaufläche für das «weiße Gold» in NRW gegenüber 2001 um über 70 Prozent gewachsen. Hauptanbaugebiet ist immer noch Westfalen, mit einem Schwerpunkt in der Ruhrgebietsstadt Bottrop. Im Rheinland spielten Walbeck und Bornheim bei Bonn die Hauptrolle. Dazu gekommen sind die sandigen Böden zwischen Neuss und Köln.

Insgesamt wurde 2008 in Deutschland 93 000 Tonnen Spargel gestochen. Statistisch verzehrte jeder Bundesbürger jährlich 1,2 Kilo Spargel. Das steigende Angebot trug dazu bei, dass Spargel bei derzeit drei bis acht Euro pro Kilogramm unterm Strich billiger ist als zu D-Mark-Zeiten. «Es handelt sich um das einzige Gemüse, das die Importware zurückdrängen konnte», weiß Bernhard Rüb von der NRW-Landwirtschaftskammer.

Dass Spargel heute kein teurer Luxus mehr ist, hat mehrere Gründe. Einer davon sind die neuen Sorten, meistens in Holland gezüchtet. Sie sind geschmackvoller und ertragreicher, wachsen gerader und über einen längeren Zeitraum. Ein weiterer ist der Einsatz von Maschinen. Zwar klappt das beim Stechen noch nicht, doch Schneiden, Waschen und Schälen sind schon lange automatisiert.

Computergesteuert erfolgt auch das Sortieren nach Länge, Dicke, Farbe, Kopfform und Krümmung. Das sind keine billigen Anschaffungen - «100 000 Euro ist eine Maschine wert», sagt Max-Josef Kallen nicht ohne Stolz und schätzt, dass er ohne das chromblitzende Ungetüm dreimal mehr Leute beim Sortieren bräuchte.

Landwirt Christian Fuchs, der bei Köln auf derzeit fünf Hektar Spargel anbaut, rechnet anders: Fürs Sortieren braucht er heute fünf Stunden, davor waren es bei gleicher Personalzahl zwölf. Er beschäftigt in der Saison 15 Polen. «Mit Deutschen habe ich nur schlechte Erfahrungen gemacht», bestätigt er Kallens Einschätzung.

Und schließlich kommen neue Anbaumethoden den Spargelbauern entgegen. Mit einer Folie über den Beeten lässt sich das Wetter ein bisschen austricksen und das Wachstum steuern. Zeigt die schwarze Seite der Folie nach oben, staut sich darunter die Hitze, der Spargel wächst früher und schneller. Wird die silberne Seite nach oben gekehrt, ist es darunter kühler, der Spargel wächst langsamer. Als Folge reicht es auch, einmal statt zweimal täglich zu ernten. Einige Bauern heizen sogar ihre Felder mit der Abwärme von Kraftwerken. Sie können schon Anfang April den ersten frischen Spargel anbieten. Traditionsgemäß ist am 24. Juni Schluss, danach müssen sich die Pflanzen erholen. Nach etwa zehn Jahren sind sie verbraucht.

Von ddp-Korrespondent Jürgen Schön

 Icon: ©  Martina / Pixelio.de

(ddp)


 


 

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