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  • 10.10.2006, 09:56 Uhr
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  • Bonn

IHK-Unternehmen schließen 2.646 neue Ausbildungsverträge ab

„Die Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg sind auch im dritten Jahr des Ausbildungspaktes ihrem gesellschaftlichen Versprechen nachgekommen und haben – trotz teilweise schwieriger wirtschaftlicher Lage und zum Teil entgegengesetzter Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt – mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen.“

Dieses positive Fazit zog Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, heute beim Pressegespräch zur Ausbildungsbilanz der IHK: „Mit 2.646 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen haben wir zum 30. September 2006 das Vorjahresergebnis (2.494) um 6,1 Prozent übertroffen. Wir liegen damit noch über dem guten NRW-Landesergebnis, nach dem die IHKs in NRW ein Plus von 4,7 Prozent verzeichnen können.“

„Wir haben in diesem Jahr 247 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen. Insgesamt konnten 885 neue Ausbildungsplätze seit dem 1. Januar 2006 akquiriert werden.“ Hindenberg weiter: „Ausbildungspakt und Ausbildungskonsens haben sich in unserer Region bewährt. In den drei Jahren des Ausbildungspaktes haben wir die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ein gutes Stück weit von der allgemeinen Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung abkoppeln können. Dennoch gilt natürlich nach wie vor: Nur gesunde Unternehmen können Beschäftigung sichern und Auszubildende einstellen. Ausbildung kostet Geld und es ist besonders für kleine, nicht tarifgebundene Unternehmen schwierig eine Vergütung von 80 Prozent der tariflichen Mindestvergütung zu zahlen. Hier müssen weitere Ausbildungshemmnisse abgebaut werden.“

Hindenberg wies ferner darauf hin, dass die Zahlen der Arbeitsagentur die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt in der Region nur ansatzweise abbilden würden. Viele Ausbildungsbetriebe hätten die Vermittlungsdienste der Agentur nicht in Anspruch genommen, weil es auch andere Wege gebe, um die Ausbildungsplätze zu besetzen. Ferner gebe es für die Betriebe keine gesetzliche Meldepflicht für bereitgestellte Ausbildungsplätze. Nach einer Umfrage unter den Ausbildungsbetrieben im IHK-Bezirk Bonn/Rhein-Sieg melden 64 Prozent alle ihre Stellen der Agentur für Arbeit, 17 Prozent schalten hin und wieder und 19 Prozent gar nicht die Agentur ein.

Mehr Ausbildungsplätze durch bessere schulische Vorbildung der Bewerber

„Der Ausbildungsmarkt wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Alle Akteure müssen bei der Vermittlung von Betrieben und Bewerbern noch besser werden“, sagte Hindenberg. Er wies zugleich aber auch auf die Defizite bei den Bewerbern hin. „Die Klagen über mangelnde Ausbildungsreife sind nicht neu, aber endlich scheint sich die Auffassung durchzusetzen, dass wir hier mit Schulen, Lehrern und Eltern etwas tun müssen.“ Immerhin glauben zwei Drittel der Ausbildungsbetriebe in der Region, das eine bessere schulische Vorbildung der Bewerber mehr Ausbildungsplätze schaffen würde. Jedes zweite Unternehmen spricht sich für finanzielle und steuerliche Anreize aus.

Immerhin 13 Prozent aller Ausbildungsbetriebe konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. 55 Prozent der Unternehmen nannten die mangelnde Ausbildungsreife als ein Ausbildungshemmnis. Es folgen die unsichere wirtschaftliche Perspektive sowie die fehlende Übernahmemöglichkeit der Auszubildenden. Beklagt werden von den Unternehmen insbesondere Mängel beim mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen, bei elementaren Rechenfertigkeiten und bei Leistungsbereitschaft und Motivation . „Leider nimmt die Zahl der sogenannten Altbewerber, die sich auch schon in den Vorjahren vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, auch in unserer Region zu“, so der Geschäftsführer weiter: „ Viele Altbewerber mit gleich mehreren Vermittlungshemmnissen kommen als Zielgruppe für Ausbildung (zunächst einmal) nicht in Frage. Wir wollen nicht, dass diese jungen Menschen als sogenannte Marktverlierer klassifiziert werden. Vielmehr brauchen wir dringend Qualifizierungs- und Versorgungsangebote für junge Menschen, die mit dualer Ausbildung nicht oder noch nicht bedarfsgerecht versorgt werden können. Zu viele Jugendliche bringen die Mindestanforderungen nicht mit.

Wir brauchen daher eine Bildungspolitik, die unsere Jugendlichen ausreichend für den weiteren Lebensweg vorbereitet, ihnen das nötige Rüstzeug für Ausbildung oder andere Bildungswege gibt. Gefordert sind aber auch Eltern, ihre Erziehungsverantwortung wahrzunehmen und insbesondere die nötigen sozialen Kompetenzen zu vermitteln. Die Wirtschaft ist gerne gesprächsbereit, kann dieses gesellschaftliche Problem aber nicht lösen.“


 


 

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