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Entscheidung im Karstadt-Poker naht - Gericht will am Freitag über Insolvenzplan entscheiden

(ddp). So hatten sich die rund 25 000 Karstadt-Beschäftigten ihre Zukunft wohl nicht vorgestellt. Als der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen am 7. Juni den Zuschlag für den Kauf der insolventen Essener Warenhauskette erhielt, schien das Bangen für die Angestellten ein Ende zu haben.

Doch auch knapp drei Monate nach der Entscheidung für Berggruen ist der Vertrag noch nicht in Kraft getreten. Nach wie vor fehlt die wichtige Einigung über die künftigen Mieten. Dabei will das Amtsgericht Essen am Freitag (3. September) endlich über den Insolvenzplan für Karstadt entscheiden.

Viermal hatte das Gericht die Frist zuvor bereits verlängert. Ursprünglich sollte schon am 31. Mai Klarheit über den Insolvenzplan herrschen. Doch nach Ansicht des Gerichts waren die Voraussetzungen für den Plan nicht erfüllt - zunächst weil kein unterschriebener Vertrag vorlag und nun wegen der trotz monatelanger Verhandlungen immer noch fehlenden verbindlichen Einigung zwischen Berggruen und dem Vermieterkonsortium Highstreet im Mietstreit.

Für die ohnehin schon leidgeprüften Karstadt-Beschäftigten hat sich die geplante Übernahme damit zu einer nicht enden wollenden Zitterpartie entwickelt. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, Gewerkschaftsvertreter und zuletzt auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) forderten die Beteiligten zwar mehrfach zu einer schnellen Einigung auf, bislang jedoch ohne Erfolg.

Doch nun drängt die Zeit stärker denn je. Laut Insolvenzplan muss der gesamte Verkaufsprozess bis zum 30. September abgeschlossen sein. Dafür ist aber die Zustimmung des Essener Amtsgerichts zum Insolvenzplan nötig, die wiederum von einer vertraglich gesicherten Einigung bei den Mieten abhängt. Am 2. September, also nur einen Tag vor dem Gerichtstermin, wollen sich Highstreet-Gläubiger in London treffen, um über die von Berggruen geforderten niedrigeren Mieten abzustimmen.

Doch nicht nur der enge zeitliche Rahmen dürfte bei Berggruen für Nervosität sorgen, sondern auch der Warenhausbetreiber Maurizio Borletti. Der Italiener, der pikanterweise teilweise selbst zu Highstreet gehört, sorgte in den vergangenen Wochen bereits mehrfach für Störfeuer im Verkaufsprozess. So legte er Insolvenzverwalter Görg Ende Juli eine Offerte für Karstadt vor, obwohl die Angebotsfrist bereits seit Monaten abgelaufen war. Auch eine Absage konnte ihn nicht davon abhalten, wenig später eine Einigung mit Highstreet über die künftigen Mietkonditionen für die Karstadt-Häuser zu verkünden. Vor wenigen Tagen legte er schließlich noch einmal ein geändertes Angebot für Karstadt vor.

Trotz oder vielleicht gerade wegen aller Schwierigkeiten um den Karstadt-Kauf verbreitete ein Berggruen-Sprecher am Wochenende noch einmal Optimismus. Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich das Vermieterkonsortium mit seinen Gläubigern über die geforderten Mietsenkungen für die Warenhäuser einig wird. Das dürften auch die Karstadt-Beschäftigten hoffen, die sich über ein Jahr nach der Insolvenzeröffnung endlich Klarheit über ihre Zukunft wünschen. Sollte es allerdings weiterhin keine Einigung bei den Mieten geben, droht Karstadt doch noch die Zerschlagung - und Tausenden Beschäftigten der Weg zum Arbeitsamt.

Von ddp-Korrespondentin Tonia Haag

(ddp)


 


 

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