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Integration und Zukunftschancen

Ulf Reichardt: Bloß kein Turmbau zu Babel

Nicht nur auf Gesellschaft und Politik kommen durch den anhaltend hohen Flüchtlingszustrom neue Aufgaben zu. Auch die Wirtschaft trägt Verantwortung für Integration und Zukunftschancen.

"Sprache und Ausbildung sind der beste Weg zur Integration“ Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, trifft eine klare wie simple Feststellung, die letztlich zum Engagement der IHK Köln beim Thema Fachkräfte einen großen Teil beiträgt.

DIE WIRTSCHAFT: Herr Reichardt, wie kommen Flüchtlinge und Unternehmen zusammen?

Ulf Reichardt: Die IHK Köln hat seit dem 1. Mai einen „Willkommenslotsen“ eingestellt. Dieser informiert, begleitet und unterstützt Unternehmen und potenzielle Auszubildende vor und während der Ausbildung. Außerdem beraten und unterstützen wir Flüchtlinge, wenn es um die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse geht. Mit Qualifikationsanalysen helfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel auch bei fehlenden Dokumenten und suchen nach weiteren Qualifizierungsmöglichkeiten.

DIE WIRTSCHAFT: Und welche Möglichkeiten gibt es beim Spracherwerb?

Ulf Reichardt: Die IHK-Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung hat 900 000 Euro für die berufsbezogene Sprachförderung von Flüchtlingen erhalten - dies war der gesamte Jahresüberschuss 2015 der IHK Köln. Die Unternehmerinnen und Unternehmer haben in der Vollversammlung darüber abgestimmt und beschlossen, dass das Geld so verwendet wird. Mit dem Geld werden Sprachkurse auf das Niveau B2 gefördert und die Absolventen erhalten die Möglichkeit, ein Praktikum in einem Unternehmen zu absolvieren. Diese Kurse gibt es sowohl für jugendliche Flüchtlinge als auch für Flüchtlinge mit Berufsabschluss und Berufserfahrung.

DIE WIRTSCHAFT: Wie reagieren die Unternehmen darauf?

Ulf Reichardt: Die Bereitschaft der Unternehmen, Praktika anzubieten, ist sehr groß. Zurzeit sind 70 Unternehmen in der Datenbank, teilweise mit mehreren Plätzen. Die Programme zur Sprachqualifizierung und Praktikavermittlung werden durch Angebote von Kooperationspartnern ergänzt, die ehrenamtlich Workshops zur Berufsorientierung, zum Bewerbungsverfahren, zur interkulturellen Kompetenz und Betriebsbesichtigungen anbieten.

"Unsere Erfahrungen sind bis jetzt sehr gut"

DIE WIRTSCHAFT: Engagiert sich die IHK Köln auch selbst?

Ulf Reichardt: Wir haben einen syrischen Flüchtling als Praktikanten eingestellt, er wird ab Herbst eine Einstiegsqualifizierung zur Ausbildung zum Bürokaufmann beginnen. Diese Ausbildung kann er ebenfalls bei uns in der IHK absolvieren. Unsere Erfahrungen sind bis jetzt sehr gut, wir können Unternehmen nur ermutigen, diesen Weg ebenfalls zu gehen. Es gibt keinen besseren Weg zur Integration als über Sprache und Ausbildung.

Das Interview erschien in der dritten Ausgabe von DIE WIRTSCHAFT im Juli 2016.

(Die Wirtschaft)


 


 

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