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Mobiles Internet

Das Netz wird flügge: Websites mit zurechtgestutzter mobiler Version werden zum Auslaufmodell

Vor zehn Jahren wurden die UMTS-Lizenzen für viele Milliarden Euro versteigert. Damals galt eine Unternehmens-Website noch als moderner Standard. Es war einmal. Eine Online-Ewigkeit später gingen im Frühjahr dieses Jahres die Lizenzen der vierten Generation mit dem Versprechen an die Mobilfunknetzbetreiber, schneller als DSL zu sein.

Nicht nur das Internet entwickelt sich rasend, auch die Infrastruktur und mit ihr das Nutzerverhalten. Schätzungen zufolge wird die Zahl der mobilen Endgeräte die der stationären Rechner bereits 2013 überschritten haben – Gartner prognostiziert, dass den weltweit 1,78 Mrd. stationären Computern 1,82 Mrd. Smartphones gegenüberstehen werden. Schon heute sind Apps – mit den Smartphones in Mode gekommen – in aller Munde. Die Zahl der Menschen, die mit internetfähigen Mobiltelefonen per Touchscreen online gehen, wird wachsen, wohin aber zielt die gesamte Entwicklung des Internets im Jahr des iPads? User werden auch mit den vielen Konkurrenzprodukten des iPad ins Netz gehen, sie werden zukünftig mit Geräten surfen, die wir heute noch gar nicht mit dem Internet assoziieren – beispielsweise mit dem Badezimmerspiegel oder ihrem Kühlschrank. Die Vielzahl der zukünftigen Endgeräte bestimmt den Trend, wer online erfolgreich bleiben möchte, stellt seinen Inhalt und dessen Nutzen in den Fokus. Das Netz wird flügge, Inhalte dürfen nicht mehr eingesperrt werden in stationäre oder mobile Auftritte, sie müssen geräteunabhängig ihren Weg zum Nutzer finden.

Der Tag nach dem Relaunch der Homepage

Stephan ist begeistert, Martin entsetzt. „Übersichtlich, einfach und intuitiv in der Handhabung, so macht online einkaufen vom Schreibtisch aus Spaß“, sagt Stephan, der seit Jahren Kontaktlinsen im Internet bestellt. Martin liebt es mobil zu sein, er geht seit zwei Jahren mit seinem Smartphone ins Netz und ist seinem Freund damit einen Schritt voraus. Er teilt die Begeisterung über den neuen Internetauftritt nicht, denn den Warenkorb mit seinem Touchscreen-Handy zu füllen, ist umständlich und daher wenig nutzerfreundlich. „Mach dir nicht draus“, sagt Stephan, in ein paar Wochen bringen sie eine App raus, dann kannst du bequem wieder online bestellen.“ Also wartet der „mobile Martin“; leider vergeblich, denn nachdem die App endlich den Weg in den Apple-Store und damit aufs iPhone geschafft hat, ist er diesmal sogar komplett außen vor: Martin besitzt ein Smartphone mit Googles Betriebssystem Android – und damit einem anderen als das iPhone: Martin ist kürzlich wieder bei seinem Augenoptiker gesichtet worden.

Alte Standards gibt es nicht mehr

Es ist noch nicht lange her, da waren auf den heimischen Rechner ausgerichtete Internetseiten alleiniger Standard. Auch heute noch werden die mobilen Auftritte– wenn überhaupt als nötig empfunden – ausgehend von der Homepage auf die Anforderungen der Handys bestmöglich zugeschnitten: besser gesagt, beschnitten. Jüngst veröffentlichte Zahlen aber bestätigen die Prognosen, die die mobilen Internet-User schon bald in der Überzahl sehen. Im ersten Quartal 2010 verkauften sich 67 Prozent mehr Smartphones als in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres. Nicht nur das Internet entwickelt sich rasant, auch mit der Infrastruktur ist kaum Schritt zu halten. Und mit den neuen Möglichkeiten ändert sich auch das Nutzerverhalten. Schon heute gehen 57 Prozent der Bevölkerung laut einer Studie der Bauer Media Group und der Axel Springer AG sowohl mit dem Schreibtisch-PC als auch mit dem Mobiltelefon ins Internet, beide Wege ins Netz ergänzen sich dabei. Auch deswegen empfiehlt es sich nicht, nun die mobile Website als neuen Standard zu definieren. Vielmehr müssen sich die Unternehmen an den Gedanken gewöhnen, dass es nur ein Internet gibt: weder ein stationäres noch ein mobiles.

Apps: Heilsbringer für geplagte Online-Manager?

Die gefühlte Zweiteilung des Internets ist Vergangenheit. Apple läutete mit dem iPhone die Zukunft ein und brachte scheinbar gleich eine Lösung für diejenigen mit, die sich nicht zwischen dem alten Standard und dem neuen Userverhalten entscheiden können: die Applikationen, kurz Apps, was bis heute noch für manchen eher eine Abkürzung für Apple zu sein scheint. Apps sind zweifellos nützlich und bringen das Internet userfreundlich auf das mit Touchscreen ausgestattete Smartphone – ein riesiger Vorteil gegenüber Websites, die nicht auf die Befindlichkeiten dieses speziellen Surferlebnisses optimiert sind. Dadurch und durch Faktoren wie die optimale Ausnutzung bestehender Hardwarefunktionen und ausgereifter Bezahlmodelle empfiehlt sich der Einsatz von Apps für ganz unterschiedliche Szenarien. Vor allem der E-Commerce profitiert, denn mit einer App wird das Einkaufen einfacher, exklusiver, hochwertiger. Shoppen an der Bushaltestelle kann richtig Spaß machen! Aber: Zunächst einmal muss die Unternehmens-App unter etwa 400.000 anderen Applikationen für das iPhone (Stand: Herbst 2010) gefunden werden, um dann die Hürde des Herunterladens zu meistern.

Eine App setzt bereits eine Bindung zwischen User und Anbieter voraus, sie muss einen deutlichen Mehrwert bieten, sonst wird sie wie viele der bisherigen rund drei Milliarden Downloads nicht verwendet. Eine Applikation ist eine Insellösung und kann deswegen für Verkäufer interessant sein, denn der Kunde soll sich schließlich nur auf die angebotenen Produkte konzentrieren und sie nicht mit denen der Konkurrenz vergleichen (können). Aber auch der Apple-Store ist nur eine Insel im weltweiten Netz. Das US-amerikanische Unternehmen mit dem angebissenen Apfel als Logo ist wie Google oder Facebook nur deswegen zu einem Giganten der Branche geworden, weil es erfolgreich aus den schier unbegrenzten Möglichkeiten des Internets schöpft. Und nun sorgen die Marktführer mit ihren jeweiligen Betriebssystemen und ihren ureigensten Interessen dafür, das weltweite Netz in verschiedene Lager zu spalten. Jedes Unternehmen, das sich für eine Anwendung auf dem iPhone entscheidet, grenzt eine andere Kundengruppe aus. iPhone-Besitzer gehen häufig mit Apps online, aber die meist benutze Applikation ist statistisch gesehen immer noch die Safari-App, zum Surfen über den Browser. Denn Apps werden nur zu knapp 50 Prozent zum Onlineshopping und zur Informationsbeschaffung genutzt. Martin hat einfach Pech gehabt, dass der Verantwortliche seines Shops sich für die Zielgruppe iPhone-User entschieden hat – langfristig hat der Anbieter bei dieser Strategie aber das Nachsehen.

Und so setzt sich das Bewusstsein durch, dass Apps nicht nur auf einem Gerät funktionieren sollten, sondern auch für andere Betriebssysteme interessant sind. Doch sie können immer nur ein zusätzlicher Weg zum Kunden sein, egal für wie viele der Geräte mit etlichen Betriebssystemen sie konzipiert werden. Mit weiteren Anbietern wachsen Aufwand und Kosten, aber: Für jedes Betriebssystem eine eigene App zu produzieren, für wen lohnt sich das? Ist nicht doch die optimierte, über den Internetbrowser erreichbare mobile Website die bessere Lösung? Günstiger bestimmt, und damit wird auf den ersten Blick auch nur eine Zielgruppe ausgeschlossen: die der Schreibtischtäter.


 


 

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