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Interview Bernd Reiter

30-jähriges Firmenjubiläum der Bernd-Reiter-Gruppe – „Leidenschaft für Architektur und Raum“

Anlässlich des 30. Firmenjubiläums der Bernd-Reiter Gruppe haben wir uns mit Geschäftsführer Bernd Reiter getroffen und mit ihm über eine bewegte Firmengeschichte, neue Immobilienprodukte und seine Installation, die er auf der Kunstmesse ART.FAIR im vergangenen Jahr ausgestellt hat.

business-on.de: Her Reiter, die Bernd-Reiter-Gruppe feiert aktuell ihr 30-jähriges Jubiläum. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen zum 50-jährigen Jubiläum?

Bernd Reiter: Meine Tochter Nina und mein Sohn Daniel, die beide jetzt schon Schlüsselpositionen im Unternehmen innehaben, werden die Erfolgsgeschichte der Bernd-Reiter-Gruppe fortschreiben. Die Leidenschaft für Architektur und Raum – unser Unternehmensleitspruch – wird in die Zukunft getragen. Sicherlich aber werden sie ihre eigene Handschrift in das Unternehmen bringen. Sie gehören einer anderen Generation an, einer Generation, in der ohne Technik, ohne Apps, ohne Pad, ohne Smartphone eigentlich nichts geht. Das hat beispielsweise Auswirkungen auf die innerbetriebliche Organisation. Abläufe werden optimiert, und ich bin mir sicher: Damit wird in Zukunft noch mehr Zeit sein für das eigentliche Kerngeschäft – die Projektentwicklung und das Bauträgergeschäft.

business-on.de: Sie haben Ende vergangenen Jahres die Medienparks Nordrhein Westfalen in Hürth, da wo einst die MMC Studios ansässig waren, erworben. Was haben Sie mit dem Gelände vor? Gibt es schon konkrete Pläne?

Bernd Reiter: Unsere Vision ist, das 100.000 Quadratmeter große Gelände mit mehr als 50.000 Quadratmetern Nutzfläche – getreu unserem Motto „Leidenschaft für Architektur und Raum“ – zukunftsfähig zu entwickeln. Uns schwebt vor, ein ´Full Service-Stadtviertel´ auf modernstem Standard aufzubauen, eine ´kleine Welt´ zu schaffen in Form einer neuen Lebens- und Arbeitswelt, wo der Mensch alles direkt erledigen und erleben kann. Die Medienparks Nordrhein Westfalen sollen so zum Wohlfühlort werden.

Neue Projekte der Bernd-Reiter-Gruppe

business-on.de: Welche Projekte stehen bei der Bernd Reiter Gruppe in der nahen Zukunft an?

Bernd Reiter: Wir haben derzeit noch zwei große Projekte. Mit dem Rheintal Quartier entsteht ein neues Wohnviertel in Wesseling mit bis zu 450 Einheiten – u.a. Appartements, 2-4-Zimmer-Wohnungen, Mehrgenerationenkonzepte –, die auf 25 Gebäudekörper verteilt sind, und einem hohen Anteil an Grünfläche.. Das zweite Projekt – „Pulheim City“ – liegt uns besonders am Herzen: Hier wollen wir die ehemalige Kaufring-Filiale mit einer Fläche von ca. 6.000 Quadratmetern zu einem städtebaulichen Highlight mit nachhaltiger Einzelhandelsnutzung entwickeln. Das Konzept soll unter anderem dazu beitragen, die Innenstadt und insbesondere die Fußgängerzone wieder zu beleben. Es entstehen im Erdgeschoss der Gebäude Einzelhandelsflächen und in den darüber liegenden Etagen Büros und Praxen, barrierefreie Wohnungen, Penthouse-Wohnungen und eine Tiefgarage mit ca. 95 Stellplätzen.

Immobilien mit Innovationspotenzial

business-on.de: Ihre Immobilienprojekte im Großraum Köln sind innovativ und fallen auf. Sie sind im so genannten dekonstruktivistischen Stil gebaut …

Bernd Reiter: Ja, der dekonstruktivistische Stil mit seinen asymmetrischen Formen, seinen unterschiedlichsten Materialien und seiner surrealen Anmutung ist typisch für die Bauprojekte unserer Unternehmensgruppe. Beispielhaft seien hier das Kunst- und Medienviertel in Hürth als Stadtviertel in dekonstruktivistischer Architektur und das EURONOVA am Zollstockgürtel in Köln genannt.

business-on.de: Was zeichnet Ihre Immobilienprojekte darüber hinaus aus? Was ist das „Besondere“?

Bernd Reiter: Wir schaffen besondere Arbeitswelten. Das im Jahr 2013 fertig gestellte Mietobjekt EURONOVA etwa steht wie fast alle Projekte der Bernd Reiter Gruppe für die Verbindung von Arbeit, Kunst und Leben; für eine Wohlfühlarbeitswelt der besonderen Art zwecks eines produktiven und kreativen Miteinanders der hier ansässigen circa 100 Firmen mit ihren rund 700 Mitarbeitern. So gehören ein Design- und Kunsthotel und ein Designrestaurant zum Gelände: Im EuroNova arthotel begleiten moderne Kunstwerke den Gast vom Foyer bis in sein Zimmer. Auch finden hier Ausstellungen statt, zudem Happenings, Lesungen, Theater, Performances. Und das angeschlossene Restaurant BU1 sorgt nicht nur für kulinarische Genüsse, sondern fördert mit After-Job-Chill-Abenden in seiner Lounge auch den Wohlfühl-Charakter des Businessparks.

Die Kunst als Leidenschaft

business-on.de: Sie sind nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Künstler tätig. Was hat sie dazu bewegt?

Bernd Reiter: Ich habe mich schon immer zur Kunst berufen gefühlt. Bereits als Kind war ich sehr kreativ und stets damit beschäftigt, Dinge entstehen zu lassen. Zu der Zeit damals gab es ja nicht sehr viel, ich habe laufend Gegenstände im Garten, in der Umgebung gefunden und gesammelt; ich habe ständig experimentiert und die ganzen Fragmente, „Trouvaillen“, Gegenstände, die ich ausgebuddelt und aufgefunden habe, zu „Installationen“, wie man heute sagen würde, zusammengestellt. In meiner ersten Wohnung habe ich die Tapeten selbst an die Wand gemalt. Schon damals wollte ich nicht nur gestalten, vielmehr lag mir daran, alles aus dem Normalen zu überhöhen und mit einer Bedeutung aufzuladen.
Im Übrigen ist auch die Unternehmenskultur der Bernd Reiter Gruppe eng verbunden mit der bildenden Kunst. Schon 1987 gründete ich den „kunstverein huerth e.V.“, der zwischenzeitlich als „kunstverein koeln süd“ auch in Köln angekommen ist.

business-on.de: Was ist das Anliegen dieses Kunstvereins?

Bernd Reiter: Wir wollen zeitgenössische bildende Kunst einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, deren Entwicklung fördern und die gesellschaftliche Bedeutung aktueller Kunst aufzeigen. Hierzu nutzen wir – nach dem Hürther Kunst- und Medienviertel werkP2 – das neue Domizil des kunstvereins koeln süd e.V., die EURONOVA Loft- und Ateliermeile als Ausstellungsort.

business-on.de: Wie haben Sie sich Ihr künstlerisches Hintergrundwissen angeeignet? Haben Sie eine künstlerische Ausbildung?

Bernd Reiter: Ich habe mich immer mit Kunst beschäftigt, aber ich habe nicht Kunst studiert. Ich kann meine Gedanken aufgrund meines Talents in Materialien umsetzen und damit ein Ergebnis erzielen, das etwas ausdrückt, ein Gefühl transzendiert, eine Vision erlebbar macht. Und damit trifft es oft die Befindlichkeit anderer Menschen, spricht sie auf emotionaler oder intellektueller Ebene an. Sie verstehen „Sein und Bewusstsein“. Weil ihnen meine Kunst etwas sagt, auch wenn – oder gerade weil – sie nicht akademisch ist.

business-on.de: Welche Künstler haben Sie am meisten inspiriert und warum?

Bernd Reiter: Die Fluxus-Kunstbewegung hat mir bei meinem künstlerischen Schaffen wohl die meiste Inspiration gegeben. Sie stehen für Radikalität, künstlerische Direktheit, künstlerisches Experimentieren, aber vor allem auch für einen neuen Blick aufs Leben, für einen Perspektivenwechsel. An all dies knüpfe auch ich mit meiner Kunst an. Zudem befürworte ich den Ansatz der Fluxus-Künstler, Kunst vom akademischen Sockel zu holen. Der elitären Hochkunst etwas entgegenzustellen, eine Einheit von Kunst und Leben zu ermöglichen, das ist auch mein Anliegen.

business-on.de: Auf der ART.FAIR im vergangen Herbst waren Sie mit einer Installation präsent, welche die größte und gewaltigste auf der Kunstmesse war: Eine MiG 21 – ein altes russisches Kampfflugzeug, das quasi auf zwei Oldtimer-Limousinen kracht – umgeben von flimmernden Fernsehmonitoren mit Bewegtbildern aus aktuellen Krisengebieten. Wie sind Sie auf die Idee für die Installation gekommen? Welche Bedeutung sehen Sie darin?

Bernd Reiter: Hier muss ich etwas ausholen: Ich habe schon vor rund 30 Jahren damit begonnen, Materialien aus der Bauwirtschaft experimentell zusammenzusetzen. Für meine Installationen und große Projekte habe ich Materialien, die auf dem Bau übrig waren, vermessene Materialglasreste mit Metall, Holz, Beton kombiniert, auch mit meiner Malerei. Heute sage ich manchmal mit einem kleinen Lächeln, ich bin ein „Recyclingkünstler“. Und ein großes Beispiel dafür ist die MiG 21, die ich vor Jahren erworben habe. Sie hat dann ein paar Jahre in der Halle, in meinem Atelier, „auf mich gewartet“, bis ich wusste, was ich damit anstelle: Ich hatte genau die Vision vor Augen, wie ich diesen alten russischen Kampfjet in Verbindung mit den beiden Cadillacs als skulpturale Installation so einsetzen kann, um etwas Wichtiges als Zeitzeuge und Künstler mitzuteilen, um ein politisches Statement zu machen. Der Titel der Installation „Ironie des Schicksals“ deutet dieses bereits an: Mit dem Kunstwerk kommentiere ich die drohende Eskalation eines erneuten Kalten Krieges zwischen Russland und den Vereinigten Staaten. Ich verstehe es als Mahnmal, das nicht nur auf die Vergangenheit hinweist, sondern auch und vor allem angesichts des Krieges in Syrien einen ganz aktuellen Bezug hat.

B-on: Vielen Dank für das Gespräch.

Bernd Reiter: Gerne wieder!

(Redaktion)


 


 

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