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Interview

„Ein Coup, der für Aufsehen in unserer Branche sorgen wird“

Zum Jahreswechsel vollzog die nexum AG den prägendsten und wohl wichtigsten Entwicklungsschritt ihres Bestehens: In Form eines Management-Buy-Outs löste sich das Unternehmen von seiner bisherigen Muttergesellschaft und steht jetzt mit neuer Souveränität auf eigenen Beinen. Über die Hintergründe der Ausgliederung sowie die Zukunftspläne des Unternehmens sprechen die nexum Vorstände Dr. Michael Klinkers und Georg Kühl.

business-on.de: Seit Jahresbeginn ist die nexum AG erstmals inhabergeführt. Was sind die Hintergründe dieser Entwicklung?

Georg Kühl: In der Vergangenheit konnten wir als Tochterunternehmen der Pironet NDH AG kontinuierlich wachsen. Obwohl wir die nexum schon immer wie ein Unternehmen im Unternehmen geführt haben, sind wir vor einiger Zeit an einem Punkt angekommen, an dem sich unsere Vorstellung der weiteren Unternehmensentwicklung nicht mehr mit der unserer börsennotierten Muttergesellschaft deckte. Das war letztlich der ausschlaggebende Grund dafür, dass wir den Management-Buy-Out angestoßen haben. Was folgte, war ein langer und intensiver Prozess, bei dem es galt, die nexum bestmöglich für die Zukunft aufzustellen.

business-on.de: Wie ist dieser Prozess verlaufen?

Dr. Michael Klinkers : Nach den ersten Gesprächen mit dem Management unserer vormaligen Muttergesellschaft war schnell klar, dass es zum Management-Buy-Out keine echte Alternative gab, da wir uns klar gegen einen Verkauf der nexum an Werbe- bzw. Agenturnetzwerke oder IT-Häuser ausgesprochen haben, obwohl es aus dieser Richtung bereits seit längerem einige, teils schon sehr konkrete Angebote gab. Auch ein Verkauf an reine Finanzinvestoren war in diesem Zusammenhang kein Thema, denn wir wollten eine nachhaltige Unternehmensentwicklung sicherstellen und dazu bedarf es – gerade in unserem sich schnell wandelnden Markt – der nötigen Freiheit, Entscheidungen einzig mit Blick auf die langfristigen Interessen der nexum, ihrer Mitarbeiter und Kunden zu treffen.

business-on.de: Wie sind die Anteile der nexum AG seit Jahresbeginn aufgeteilt?

Dr. Michael Klinkers: Die Mehrheit der Anteile liegt mit über 60 Prozent bei den Vorständen, Führungskräften sowie Mitarbeitern der nexum AG. Darüber hinaus haben wir eine kleine Anzahl externer Privatinvestoren mit an Bord geholt. Dabei war uns besonders wichtig, gezielt Persönlichkeiten auszuwählen, die bereits in unserem Markt beziehungsweise im branchennahen Umfeld etabliert sind und unsere Philosophie von der Weiterentwicklung der nexum teilen. Wir sind sehr zufrieden mit der jetzigen Gesellschafterstruktur.

business-on.de: Was versprechen Sie sich von der neuen Gesellschafterstruktur konkret?

Dr. Michael Klinkers: Zunächst ist es für uns sehr wichtig, unseren Mitarbeitern über das Beteiligungsmodell zusätzliche Anreize bieten zu können, sich im Rahmen des Gestaltungsprozesses stärker als bisher einbringen und zusätzlich von künftigen Wachstumseffekten profitieren zu können. Auch vor dem Hintergrund eines spürbaren Fachkräftemangels erhöht dies die Mitarbeiterbindung, genauso wie die Attraktivität der nexum als potenzieller Arbeitgeber.

Georg Kühl: Ein weiterer Aspekt liegt in der Auswahl der externen Privatinvestoren. Da wir ausschließlich etablierte Persönlichkeiten angesprochen haben, die thematisch zu uns passen, rechnen wir in puncto Komplementärgeschäft mit vielen positiven Entwicklungen. Mit ihrem Beratungs-Know-how sowie starken Kompetenzen in Bereichen wie E-Commerce oder Social Media ist die nexum für viele Unternehmen im IT- und Online-Umfeld ein attraktiver Partner, um fachliche Lücken zu schließen und auf diese Weise gemeinsam neue Etats im Bereich der digitalen Markenführung zu erschließen.

Auf der anderen Seite können wir auf neue Partner bauen, mit denen wir im Projektgeschäft höher skalieren können und etwa im IT-Geschäft über ein größeres Leistungsportfolio verfügen. Damit rutschen wir ins Relevant Set von Unternehmen, die uns zuvor noch gar nicht auf dem Radar hatten. Dies spüren wir heute schon, da wir hier bereits erste Projekte mit neuen Partnern des Gesellschafterkreises angehen. Zusammengefasst ist uns ein richtiger Coup gelungen, der sicherlich für Aufsehen in unserer Branche sorgen wird.

business-on.de: Was hätte aus Ihrer Sicht gegen den Verkauf der Anteile an ein klassisches Werbe- oder Agenturnetzwerk gesprochen?

Georg Kühl: Teil eines Agenturnetzwerks zu sein, entspricht nicht unserer Vorstellung einer unternehmerischen Selbstbestimmung. Das sehen auch andere so – nicht ohne Grund gibt es einen spürbaren Trend hin zu inhabergeführten Agenturen am Markt. Zudem weicht unser Online-Verständnis von dem der klassischen werbeorientierten Agentur mit Online-Division ab. In der Regel fehlt ihnen das, was wir als „digitale DNA“ bezeichnen: Die Fähigkeit, Marken digital erfolgreich aufzubauen und zu führen, anstatt Online-Aktivitäten nur kampagnenbasiert zur Unterstützung klassischer Werbemaßnahmen einzusetzen.

business-on.de: Wie sehen die Pläne der nexum für die kommenden Jahre aus?

Georg Kühl: Erklärtes Ziel ist, unser Wachstum in den kommenden Jahren nachhaltig fortzusetzen. Dabei wirkt sich positiv für uns aus, dass sich Budgets nach wie vor und branchenübergreifend in Richtung der digitalen Medien bewegen. Darüber hinaus sind wir als inhabergeführtes Unternehmen beweglicher denn je, unterliegen nicht den organisatorischen Nachteilen großer Organisationen oder Netzwerke und können uns so vollends auf die für uns beste Positionierung am Markt konzentrieren.

Kurz- bis mittelfristig werden wir auch regional expandieren. Aktuell arbeiten wir bereits am Aufbau eines weiteren Standorts in Deutschland. Mithilfe unserer Dependance in der Schweiz wie auch der engen, im vergangenen Jahr geschlossenen Allianz mit der FatDUX Group werden wir zudem neues Geschäft generieren, vor allem auch im Rahmen internationaler Projekte.

Dr. Michael Klinkers: Auch thematisch werden wir uns als Beratung und digitale Full-Service-Agentur weiter entwickeln und unsere Kompetenzen über die Bereiche Kommunikation, Interaktion und Transaktion stärken. Das bedeutet kreative Kommunikationsstrategien zu entwickeln, die Interaktion von Nutzern mit oder über digitale Systeme zu verbessern und diese für Unternehmen gewinnbringend zu gestalten. Die meisten Agenturen am Markt fokussieren sich auf einen oder zwei dieser Bereiche oder bauen lediglich Teilkompetenzen über alle drei Bereiche auf. Dies führt dazu, dass Unternehmenskunden in der Regel mit Streuverlusten leben müssen, die sich durch die Einbindung und Koordination mehrerer Online-Dienstleister zwangsläufig ergeben. Wir sind davon überzeugt, dass Agenturen, die das Zusammenspiel zwischen Kommunikation, Interaktion und Transaktion verstanden haben und in der Lage sind, es in Kundenprojekten erfolgreich einsetzen, künftig die bestimmenden Player im digitalen Marketing sein werden. Und in dieser Konsequenz sind das derzeit nicht besonders viele.

(Redaktion)


 


 

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