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Interview

Martin Müller: "Die private Rentenversicherung hat ausgedient."

Trotz zunehmender privater Rentenversicherungen, nimmt laut diverser Studien Armut im Alter zu. Immer mehr Deutsche sind im Alter auf die Hilfe vom Staat angewiesen. Business-on.de sprach mit Martin Müller, unabhängiger Finanzmakler, über Missstände im Rentensystem, Fehler bei der Altersvorsorge und über eine neue Anlageform, die finanzielle Absicherung mit sozialem Mehrwert verbindet.

Business-on.de: Herr Müller, die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen einen besorgniserregenden Trend: Immer mehr Rentner sind auf die Hilfe vom Staat angewiesen, weil ihre ausgezahlte Rente nicht zum Leben reicht. Auch eine OECD-Studie vom Herbst des vergangenen Jahres spricht von steigender Altersarmut. Ist das alles nur Panikmache, eventuell angetrieben durch die Versicherungsbranche?

Martin Müller: Nein, ich denke diesen Zahlen kann man trauen. Gerade die neu eigeführte Rente ab 63 führt ja dazu, dass in Summe mehr ausgegeben werden muss und die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Angestellten nimmt immer weiter ab. Jeder sollte sich daher selbst für seine Altersvorsorge kümmern, um später nicht nur auf den Staat angewiesen zu sein. Je früher man damit beginnt, desto weniger muss man aufbringen. Der Zinseszinseffekt wird von vielen unterschätzt.

Business-on.de: Dabei scheint es, als werde mehr denn je für den Lebensabend in Form von Versicherungen auf die Seite gelegt. Wie passt das mit der eingangs erwähnten Altersarmut zusammen?

Martin Müller:"Sparen und Versichern sollte man trennen."

Martin Müller: Die Lebensversicherung war in Deutschland immer eine beliebte Anlageform. Daher gibt es mehr als 90 Millionen Verträge, also mehr als einer pro Einwohner.

Business-on.de: Demnach müsste es keine finanzielle Sorgen im Alter geben, oder?

Martin Müller: Jein. Grundsätzlich sollte man Sparen vom Versichern trennen. Zuerst muss das Risiko abgesichert werden, das passiert mit einer Privathaftpflicht und einer Berufsunfähigkeitsabsicherung. Die beiden sind absolut Pflicht. Viele Menschen haben aber eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen, obwohl sie gar kein Risiko abdecken müssen. Wenn man Familie hat oder eine Immobilie besitzt, dann ist das notwendig, vorher aber nicht. Man muss sich einfach fragen, "wer kann ohne mich nicht selbst allein weiterleben". Wenn da niemand ist, braucht man keine Todesfallabsicherung. Wenn ja, dann reicht eine Risikolebensversicherung, die zahlt nur bei Tod. Daher ist sie recht günstig. Wenn das Risikoabgedeckt ist, dann kann gespart werden. Und das kann man auch außerhalb von Versicherungen machen, denn Versicherungen "versichern"

Business-on.de: Viele Menschen fühlen sich durch die Fülle an Angeboten verunsichert, die Angst falsch zu investieren oder sich "arm zu sparen" ist groß. Was ist Ihrer Meinung nach bei der privaten Vorsorge zu beachten?

Martin Müller: Ich glaube, fast allen ist heute bewusst, dass sie privat vorsorgen müssen. Hier unterscheiden sich die Menschen aber in Ihrer Risikobereitschaft. Daher müssen Makler und andere Vermittler auch vorher erst prüfen, bis zu welchem Grad der Kunde risikobereit ist und danach die Produkte auswählen. Ein Tagesgeldkonto hat kein Risiko, aber daher auch keine Rendite , manchmal sogar eine Negativrendite, wenn der Zinssatz unter der Inflation liegt. Eine Aktie kann locker zweistellig pro Jahr wachsen, aber ebenso auch fallen. Die Chancen sind höher, aber die Risiken auch. Ein Produkt ist dann für den Kunden richtig, wenn er damit seine Ziele erreicht und er nachts problemlos schlafen kann.

"Der Kunde sollte drei Anlagenziele verfolgen: Kurz-mittel- und langfristig."

Business-on.de: Wo liegen die klassischen Fehler bei der langfristigen Vermögensplanung?

Martin Müller: Ein Fehler sind oft die verschiedenen Fristigkeiten. Wenn der Kunde das Geld kurz- oder mittelfristig verfügbar haben muss, so sollte er keine langfristig anlegende Versicherung oder Geldanlage zeichnen, da dort die vorzeitige Kündigung zu erhöhten Kosten führt. Wenn der Kunde hingegen langfristig investieren möchte, kann er auch kurzfristige Kursschwankungen problemlos "aussitzen". Wichtig ist, dass der Kunde am besten drei Anlageziele verfolgt. Kurz- mittel- und langfristig. Für alle Zeiträume gibt es die passenden Produkte, sie müssen aber passgenau angeboten werden.

Business-on.de: Seit Anfang dieses Jahres wird der Vorsorgemarkt durch die Deutsche Leibrenten Unternehmensgruppe ergänzt. Erläutern Sie kurz, um was es dabei geht.

Martin Müller: Die Deutsche Leibrenten Unternehmensgruppe entstand aus der Idee heraus, das in anderen Ländern bereits erfolgreiche Alterssicherungsinstrument Immobilienleibrente auch im deutschen Markt zu etablieren. Das Prinzip: Haus- und Wohnungseigentümer können ihre Immobilie an die 1801 Deutsche Leibrenten Immobiliengenossenschaft eG, dem Kern der Unternehmensgruppe, veräußern und erhalten im Gegenzug lebenslang eine Zusatzrente sowie lebenslanges Wohnrecht. Gleichzeitig bietet die Deutsche Leibrenten Unternehmensgruppe vielfältige Möglichkeiten für Kapitalanleger, die in solide und renditestarke deutsche Immobilienwerte investieren möchten: zum Beispiel als investierende Genossenschaftsmitglieder der 1801 Deutsche Leibrenten Immobiliengenossenschaft eG.

Business-on.de: Welche Kriterien spielen bei der Berechnung der Leibrenten eine Rolle?

Martin Müller: Wichtig ist hier der Verkehrswert der Immobilie und das mit versicherungsmathematischen Grundlagen berechnete Lebensalter und Geschlecht des Rentners.

Business-on.de: Lebenslanges Wohnrecht und höherer finanzieller Spielraum liest sich erst einmal verlockend. Aber wie werden eventuell nötigen Umbau- oder Instandhaltungsmaßnahmen gelöst?

Martin Müller: Der Rentner lebt in seiner ihm bekannten Immobilie und erhält seine lebenslange Leibrente. Umbau- und Instandhaltungsmaßnahmen sind dann Aufgabe der Deutschen Leibrenten Unternehmensgruppe, der die Immobilien gehören. Sie hat ja ein Interesse daran, dass die Immobilien im guten Zustand sind, wenn sie einmal wieder veräußert werden.

Business-on.de: Nicht allen Menschen bleibt es vergönnt, ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen zu können. Nicht selten ist eine Rundumbetreuung und medizinische Versorgung nötig, die im eigenen Heim nicht gewährleistet werden kann. Welche Möglichkeiten und Sicherheiten greifen für den Leibrentenempfänger im Falle der Hilfsbedürftigkeit?

Martin Müller: Mit ihrem vielfältigen Dienstleistungsangebot unterstützt die 1801 Deutsche Leibrenten Service & Verwaltung AG tatkräftig im täglichen Leben - und auch darüber hinaus. Je nach Bedarf werden Pflege- und Hausmeisterdienste über Partnerfirmen angeboten, um die Lebensqualität der Rentner auch im hohen Alter zu gewährleisten. In Gründung befindet sich die 1801 Deutsche Leibrenten Stiftung , die sich in verschiedensten sozialen Projekten stark macht. Ihr können sozial engagierte Leibrentenempfänger ihr Hausinventar vermachen. Damit kommt die Deutsche Leibrenten Unternehmensgruppe dem Wunsch derjenigen Leibrentenempfänger nach, die sich auch über ihr eigenes Leben hinaus für die Gesellschaft einsetzen wollen.

Deutsche Leibrenten: Eine Anlagenform mit sozialem Mehrwert

Business-on.de: Wie flexibel ist die Art von Absicherung? Ein Umzug in ein Senioren- oder Pflegeheim muss ja nicht immer von Dauer sein. Besteht für den Rentner die Möglichkeit, in sein Zuhause zurückzukehren, auch wenn es bereits erfolgreich untervermietet wurde?

Martin Müller: Ja, wenn dies vertraglich so gewünscht ist, kann der Rentner in seine Immobilie zurück, auch wenn diese weitervermietet wurde. Natürlich müssen wir dann Eigenbedarf anmelden und die gesetzliche Frist dafür einhalten. Wenn die Immobilie verkauft wurde, geht das hingegen nicht.

Business-on.de: Die Deutsche Leibrenten Unternehmensgruppe ist erst seit wenigen Monaten auf dem Markt? Wie wurde das neue Angebot in Anbetracht des doch eigentlich übersättigten Vorsorgemarkts angenommen?

Martin Müller: Das Angebot wurde von allen drei Zielgruppen, Rentnern, Vermittlern und auch von Kapitalanlegern sehr positiv aufgenommen. Viele Rentner, die alles ins Eigenheim und nicht alternativ in andere Sparformen gesteckt haben, fehlt es heute aufgrund der geringen staatlichen Renten an Liquidität. Finanzvermittler suchen eine solide Anlageform mit sozialem Mehrwert, die auch noch stornofrei ist. Und auch der Kapitalanleger sucht nach Alternativen zu Versicherungen.

Business-on.de: Sie sprechen von drei Zielgruppen. Die der Rentner, der Vermittler und der Kapitalanleger. ..

Martin Müller: Insbesondere für die Kapitalanleger ist die Deutsche Leibrente eine interessante Anlage. Sie können als investierende Genossenschaftsmitglieder in solche Immobilien investieren, die wir auf Leibrentenbasis kaufen - und unterstützen damit die Leibrentner. Ob Sparplan ab 25 Euro monatlich oder Einmalanlagen ab 2.500 Euro, das Investment in Genossenschaftsanteile ist absolut gefragt, da Versicherungen immer weniger Rendite abwerfen und Investmentfonds und Aktien extremen Kursschwankungen unterliegen können.

Business-on.de: Als Endkunde investiert man in Immobilienwerte. Jedoch scheint der Markt in manchen Regionen bereits übersättigt. In vielen Ortschaften stehen unzählige Häuser leer und trotz extrem günstiger Preise findet sich kein Käufer.

Martin Müller: Das stimmt. Deswegen erstellt die Deutsche Leibrenten Unternehmensgruppe immer ein detailliertes Gutachten über die angebotenen Immobilien. Nicht jedes Haus kommt für eine Leibrente in Frage. Der Wiederverkaufswert beziehungsweise die Vermietung nach dem Ableben des Rentners muss im Sinne der Genossenschaftsmitglieder wirtschaftlich sein.

Business-on.de: Herr Müller, abschließend noch ein mutiger Ausblick in den Finanzmarkt der Zukunft. Wohin wird sich die Vermögensplanung in den kommenden 20 Jahren entwickeln? Gibt es abzusehende Trends?

Martin Müller: Die Altersvorsorge mit nicht geförderten Rentenversicherungen wird extrem abnehmen. Riesterrente und betriebliche Altersvorsorge wird aufgrund der steuerlichen Förderung weiterhin mit Versicherungen rentabel sein, aber die private Rentenversicherung hat ausgedient. Für privates langfristiges Sparen bieten sich hier vielmehr Investmentfonds und Genossenschaftsanteile an.

(Christian Weis)


 


 

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