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Rückblick und Ausblick

Interview mit Dr. Norbert Walter-Borjans

Was hat sich im ersten Jahr des Kölner Wirtschatsdezernenten verändert? Die Stimmung ist insgesamt besser, die deutsche Wirtschaft besinnt sich wieder ihrer Stärken. Auch Dr. Norbert Walter-Borjans kann zufrieden zurück blicken. Der Aufschwung geht zwar nicht nur auf sein Konto, aber er bietet dem Umtriebigen Bestätigung und neue Impulse für seine Wirtschaftspolitik. business-on.de sprach mit ihm über das, was war und was die Vision für morgen ist.

business-on.de: Herr Dr.Walter-Borjans, was war Ihre schwierigste Mission im ersten Jahr als Wirtschaftsdezernent?

Norbert Walter-Borjans: Direkt zu Beginn – genau genommen schon vor Amtsantritt - standen die Komplett-Schließung der Kölner Allianz-Niederlassung und die Umstrukturierungen bei der Gerling/Talanx-Gruppe im Raum, sorgten für Erschütterungen am Versicherungsstandort Köln. Das war praktisch ein fliegender Start ohne Aufwärmphase. Heute wissen wir, dass die Allianz in der Domstadt künftig ihre Kfz-Sparte bündelt; und die Verschmelzung von Gerling und Talanx wird sich durch Zugänge aus anderen Standorten wohl nicht negativ auf die Arbeitsplatzzahlen auswirken. Außerdem ist es uns gelungen, neue, wichtige internationale Versicherer für die Domstadt zu gewinnen, so zum Beispiel den zum größten spanischen Versicherungskonzern gehörenden Industrieversicherer Mapfre Empresas oder die EUI Limited als Deutschlandniederlassung der britischen Automobilversicherungsgruppe Admiral. Auch die Schweizer Glacier Re hat Köln als operativen Sitz für das Industrieversicherungsgeschäft ihrer Tochter Glacier Insurance gewählt und die japanische Mitsui Sumitumo Insurance verlagert im Herbst ihre Deutschland- und Europaaktivitäten von Düsseldorf nach Köln.

Damit hat der Versicherungsstandort Köln insgesamt sogar eine Stärkung erfahren.

business-on.de: Worauf sind Sie besonders stolz?

Kölns Anziehungskraft für Top-Unternehmen

Norbert Walter-Borjans: Stolz klingt ein bisschen dicke. Aber es ist ein gutes Gefühl, offenbar ein bisschen zu einer Besinnung auf die Stärken unserer Stadt beizutragen. Das hat etwas mit einer offensiveren Außendarstellung zu tun, aber auch damit, dass wir bei vielen konkreten Themen – ich nenne nur die Planungssicherheit für den Großmarkt - Fortschritte erzielt haben. Und natürlich haben Ansiedlungserfolge wie Microsoft, Wolters Kluwer oder MindTree nicht nur Signalwirkung nach außen. Sie bestätigen, dass es richtig ist, mit unserer Arbeit Kölns unbestreitbare Stärken in den Vordergrund zu rücken, auf seine Anziehungskraft für Top-Unternehmen zu setzen.

business-on.de: Was bringen die Ansiedlungserfolge von Microsoft bis Pilsener Urquell den Kölner Bürgern?

Norbert Walter-Borjans: Die Nachfrage nach attraktivem Büroraum im Rheinauhafen – hier entsteht mit dem RheinauArt Office ja auch die zukünftige Adresse von Microsoft – oder dem RheinTriadem, wo ab November Pilsner Urquell zu Hause sein wird, trägt zusammen mit vielen anderen modernen Projekten zur gelungenen Stadtentwicklung bei. Gleichzeitig sorgt die Dynamik am Kölner Immobilienmarkt für wachsendes Interesse bei den Investoren, das kommt allen zugute. Und natürlich spielen bei Ansiedlungsinteressenten Faktoren wie Lebensqualität und Personalrekrutierung eine wichtige Rolle. Die jüngsten Standortentscheidungen unterstreichen, dass die Unternehmen keine Probleme haben, vorhandenes Stammpersonal von der Attraktivität der Domstadt zu überzeugen. Das setzt Standards und trägt zum Erhalt und Ausbau der ausgezeichneten „weichen“ Standortfaktoren in der Domstadt bei. Andererseits bringen neue Firmen ja nicht immer nur Personal mit, sondern schaffen auch neue Arbeitsplätze. Davon profitiert der Kölner Arbeitsmarkt. Die Firmen können dank der hochwertigen Kölner Ausbildungslandschaft auf beste Personalressourcen setzen – denken Sie allein an so renommierte Einrichtungen wie die Kunsthochschule für Medien, die Studiengänge und Ausbildungsangebote im Bereich Versicherungswirtschaft oder an Universität und Fachhochschule als jeweils größte Einrichtung ihrer Art bundesweit.

Wirtschaft stärkt den Standort Köln

Gerade weil Neuansiedlungen häufig mehr öffentliches Interesse auf sich ziehen, sollten wir aber auch die gute Entwicklung vieler Unternehmen nicht übersehen, die schon lange hier sind. Sie sind die Säulen für die Stärke des Wirtschaftsstandorts und für neue Impulse. Denken Sie an Ford, die Deutz AG, Toyota, Schütte, Leyold, denken Sie an Germanwings, Electronic Arts, Lufthansa oder UPS.

business-on.de: Sie sprechen gern von Köln als Marke, die entsprechend kommuniziert werden sollte. Was meinen Sie damit?

Norbert Walter-Borjans: Für Unternehmen, die sich über Premium-Marken und nicht über reinen Kostenwettbewerb am Markt behaupten wollen, kommt es im Wettbewerb der Standorte heute nicht mehr nur darauf an, wo Steuersätze oder Immobilienpreise günstig sind. Es geht vor allem darum, was der Standort dem Spitzenpersonal eines internationalen Unternehmens zu bieten hat.


 


 

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